Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Aalen (Kreisstadt, Ostalbkreis)
 Jüdische Geschichte 
  

Übersicht:  

Zur jüdischen Geschichte in Aalen 
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte     
Links und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Aalen          
     
In Aalen lassen sich bis ins späte 19. Jahrhundert keine jüdischen Einwohner feststellen. Bereits im Mittelalter könnte es eine jüdische Ansiedlung gegeben haben, doch lassen die vorhandenen Quellen kein eindeutiges Urteil zu.
   
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließen sich wenige jüdische Personen/Familien in der Stadt nieder: erstmals finden sich 1886 vier jüdische Personen in der Stadt. Bis 1900 steigt die Zahl der jüdischen Einwohner auf zehn an. 1905 und 1925 waren es jeweils sieben Personen. 
   
Unter den jüdischen Einwohnern war die Familie des Warenhausbesitzers Eduard Heilbron mit Frau Friederika/Frieda geb. Stern, die von 1903 bis Anfang der 1930er-Jahre ihr Geschäft ("Warenhaus Eduard Heilbron") in der Bahnhofstraße 18 hatten (später Kaufhaus Kniesser, heute hier Neubau der VR-Bank). Im Warenhaus gab es auf zwei Stockwerken Wäsche, Haushaltsartikel, Spielwaren und Geschenkartikel.  Der 1904 in Aalen geborene Sohn Willi Heilbron lebte seit seinem 7. Lebensjahr in der Heilanstalt Stetten im Remstal und wurde bei den "Euthanasie-Aktionen" 1940 in Grafeneck ermordet. 1907 ist die Tochter Irene geboren (vgl. unten).   
     
In der Oesterleinstraße 10 wohnten Ludwig Kahn (gestorben 1919) und seine Frau Fanny geb. Kahn. Nach dem Tod ihres Mannes gab sie Klavierunterricht und war Inhaberin eines Geschäftes mit Korbwaren (Korbmöbelhandlung Fanny Kahn). 
  
Heinz Pappenheimer war Inhaber des Textilgeschäftes Moritz Pappenheimer (Bahnhofstraße 51). Er war verheiratet mit Ilse geb. Grünewald. Die beiden hatten zwei Kinder Siegfried und Ruth. Die Familie konnte im Juli 1939 nach Palästina/Israel emigrieren.  
Max Pfeffer hatte in der Bahnhofstraße 14 ein Herrenkonfektionsgeschäft.   
 
Die jüdischen Einwohner Aalens gehörten zur jüdischen Gemeinde in Schwäbisch Gmünd.    
  
1933 wurden sieben jüdische Einwohner festgestellt, darunter zwei Kinder. Beim Novemberpogrom 1938 wurden in der Stadt die Schaufenster der drei jüdischen Geschäfte demoliert und die Inhaber anschließend für mehrere Wochen im KZ Dachau inhaftiert. Nach ihrer Freilassung sind die meisten Aalener Juden emigriert. Eduard und Frieda Heilbron lebten zuletzt in einem "Judenhaus" in Wiesbaden, wo Eduard Heilbronn an einem Herzinfarkt starb. Seine Frau Frieda wurde nach Theresienstadt deportiert und später im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Die letzte jüdische Einwohnerin, Fanny Kahn geb. Kahn, nach der seit 2005 in Aalen eine Straße benannt ist (sie selbst wohnte in der Oesterleinstraße 10), wurde 1941 nach Oberdorf am Ipf zwangsumgesiedelt, später deportiert und im Vernichtungslager Treblinka ermordet. 
  
Überlebt hat die Tochter des Ehepaares Heilbron, Irene verheiratete Wartzki, die mit ihrem Mann Kurt Wartzki und ihren Kindern nach Kolumbien emigrieren konnte. 1958 kamen Irene und Kurt Wartzki zurück nach Wiesbaden. Kurt Wartzki starb hier 1963, Irene kehrte nach Cali/Kolumbien zurück (gestorben 1997).  
   
1948 kehrte Max Pfeffer von Brüssel nach Aalen zurück, um sein Geschäft weiterzutreiben. 1967 wanderte er nach Italien aus.   

  
Von den in Aalen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Leopold Elter (1912), Eduard Heilbron (1874), Friederike (Frieda) Heilbron geb. Stern (1870), Willi (Wilhelm) Heilbronn (1904), Fanny Kahn geb. Kahn (1871).   
   
Am 21. Februar 2018 wurde durch den Künstler Gunter Demnig in der Bahnhofstraße 18 sieben "Stolpersteine" für die Familie Heilbronn verlegt (Eduard Heilbronn, Frieda Heilbron geb. Stern, Wilhelm (Willi) Heilbron, Irene Wartski-Heilbron, Inge Wartski-Heilbron, Werner Wartski-Heilbron) sowie in der Oesterleinstraße 10 ein "Stolperstein" für Fanny Kahn geb. Kahn.  
Vgl. Wikipedia-Artikel  https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Aalen     
    
    
 
   
Fotos        

Es sind noch keine (historischen) Fotos zur jüdischen Geschichte in Aalen vorhanden. 
Mehrere historische Fotos finden sich im Faltblatt "Stolpersteine in Aalen", Aalen 2018.    

 
     

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte     

Februar 2017: Stolpersteine sollen verlegt werden  
Anmerkung: Für Willi Heilbron (geb. 1904 in Aalen als Sohn des Warenhausbesitzers Eduard Heilbron und der Frieda geb. Stern) soll am künftigen VR-Bank-Platz ein erster Stolperstein verlegt werden. Heilbron war geistig behindert und lebte in der Heil- und Pflegeanstalt in Stetten im Remstal. 1940 wurde er in Grafeneck ermordet. Ein zweiter Stolperstein soll für Fanny Kahn verlegt werden, die in der heutigen Oesterleinstraße lebte und über Oberdorf in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurde.   
Aalen Schwaebische Post 06022017.jpg (276722 Byte) Artikel von Ulrike Schneider in der "Schwäbischen Post" vom 6. Februar 2017: "Stolpersteine jetzt auch in Aalen. Holocaust. Eine Initiative will am künftigen VR-Bank-Platz an der Bahnhofstraße an den Juden Willi Heilbron mit einer solchen Gedenktafel erinnern...."   
 
Februar 2018: Erste Stolpersteine wurden in Aalen verlegt     
Aalen Schwaebische Post 22022018.jpg (203463 Byte) Artikel von Tobias Dambacher in der "Schwäbischen Post" vom 22. Februar 2018: "Starkes Zeichen des Gedenkens. Mahnmal. Die ersten Stolpersteine wurden in Aalen verlegt. Sie erinnern an Fanny Kahn und Mitglieder der Familie Heilbron - von Nazis ermordete Aalener..."  
Aalen Schwaebische Post 22022018a.jpg (117603 Byte)Artikel in der Eingangsseite der "Schwäbischen Post" vom 22. Februar 2018 mit Hinweis auf den anderen Artikel (Seite 9).  

Fotos von der Verlegung im Februar 2018:  
(Fotos: Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)     

 Aalen Stolpersteinverlegung 1424.jpg (91450 Byte)  Aalen Stolpersteinverlegung 1425.jpg (159952 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1438.jpg (253385 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1423.jpg (34183 Byte)   Aalen Stolpersteinverlegung 1427.jpg (167130 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1429.jpg (139461 Byte)
Der Künstler Gunter Demnig wird interviewt 
- hier am Ort der Verlegung für Fanny Kahn geb. Kahn     
Stolperstein für Fanny Kahn 
geb. Kahn (1871-1942) 
Eröffnung der Veranstaltung zur Stolpersteinverlegung
 mit OB Thilo Rentschler (Aalen)  )  
     
Aalen Stolpersteinverlegung 1432.jpg (142541 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1434.jpg (119365 Byte)  Aalen Stolpersteinverlegung 1436.jpg (134152 Byte)  Aalen Stolpersteinverlegung 1437.jpg (134468 Byte)
Während der Rede von Klaus Knopp, einer 
der Initiatoren der Stolpersteininitiative Aalen       
Während der Rede von Erwin Hafner, ehemaliger 
Chefredakteur der "Schwäbischen Post"   
 Die Fotos zeigen das große öffentliche Interesse 
an der "Stolpersteine"-Verlegung in Aalen 
     
Aalen Stolpersteinverlegung 1439.jpg (105097 Byte)  Aalen Stolpersteinverlegung 1440.jpg (103591 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1441.jpg (148083 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1443.jpg (143109 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1447.jpg (121725 Byte)
Gunter Demnig bei der Verlegung der 
"Stolpersteine" für Familie Heilbron   
Zahlreiche Interessierte auch an der zweiten Station mit der Verlegung der "Stolpersteine" für Familie Heilbron; 
oben OB Rentschler bei der Ansprache     
     
 Aalen Stolpersteinverlegung 1448.jpg (160460 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1450.jpg (128441 Byte)  Aalen Stolpersteinverlegung 1451.jpg (117694 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1456.jpg (99855 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1454.jpg (128483 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1455.jpg (105096 Byte)
   Fotos der insgesamt sieben Schüler, die Texte zu den sieben Familienmitgliedern der Familie Heilbron lesen    
     
 Aalen Stolpersteinverlegung 1458.jpg (91732 Byte)  Aalen Stolpersteinverlegung 1459.jpg (202171 Byte) Aalen Stolpersteinverlegung 1460.jpg (84604 Byte)   
Rede von Volkmar Wieland, Mitglied 
der Stolpersteininitiative Aalen  
 Die sieben Stolpersteine für 
Angehörige der Familie Heilbron  
  

Presseartikel von Lena-Luisa Maier in der "Schwäbischen Post" (Aalen) vom 19. Februar 2018: "Zwei Steine, zwei Namen, zwei Geschichten" 
Link zum Artikel   
Faltblatt "Stolpersteine in Aalen", Aalen 2018 (als pdf-Datei zugänglich)       

     
Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Aalen      

Literatur:  

Germania Judaica Band II. Von 1238 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. Hrsg. von Zvi Avneri. Teilband 1 S. 2. 
Württembergisches Städtebuch. Unter Mitwirkung der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg und des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg hg. von Erich Keyser, Stuttgart 1962. S. 34-35.    
Karlheinz Bauer: Juden im Raum Aalen. In: Geschichts- und Altertumsverein Aalen e.V. (Hrsg.): Aalener Jahrbuch 1984. Konrad Theiss Verlag Stuttgart 1984. S. 302-344.    

 Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Schwäbisch Gmünd  
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Schwäbisch Gmünd ist vorhanden:    
Aalen Familienblatt Pappenheimer.jpg (785566 Byte)J 386 Bü. 512 Schwäbisch Gmünd  Familienbuch 1867 - 1935  dazu die Filialen Schorndorf und Aalen http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446732 
    
In diesem Verzeichnis findet sich unter Stichwort "Filiale Aalen" ein Familienblatt zu Familie Heinz Pappenheimer mit Frau Ilse geb. Grünewald und den Kindern Siegfried und Ruth (siehe links).   
Heinz Pappenheimer (geb. 14. März 1900 in Nördlingen als Sohn von Moritz Pappenheimer und Mathilde geb. Holzer, weitere Informationen siehe Familienblatt) war verheiratet seit dem 24. Dezember 1924 in Ansbach mit Ilse geb. Grünewald (geb. 20. Juni 1902 in Nastätten als Tochter von Hermann Grünewald und Amalie geb. Stern; beide nach den Deportationen umgekommen). Heinz und Ilse Pappenheimer hatten zwei Kinder: Siegfried (geb. 21. Oktober 1925 in Nördlingen; war seit Frühjahr 1936 im Waisenhaus Wilhelmspflege in Esslingen untergebracht) und Ruth (geb. 3. Juni 1928). Heinz Pappenheimer ist mit Frau und Kindern 1928 von Nördlingen nach Aalen verzogen. Hier war er Inhaber des Textilgeschäftes Moritz Pappenheimer. Im Januar 1939 verzog die Familie wieder nach Nördlingen. Im Juli 1939 konnte sie nach Palästina emigrieren.  
Quellen: Joachim Hahn: Jüdisches Leben in Esslingen. S. 501 (zu Siegfried Pappenheimer).      

   
     

                   
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Stand: 02. März 2018