Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mertloch mit Gappenach und Kollig (VG Maifeld, Kreis Mayen-Koblenz) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Über die Geschichte und das Schicksal von zwei in Mertloch geborenen, später andernorts lebenden jüdischen Personen     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
        
In Mertloch bestand eine jüdische Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. 
 
Bereits im 14. Jahrhundert lebten Juden (bzw. mindestens ein Jude) am Ort. Zumindest wird 1327 in Leutesdorf Elias gen. Jude von Mertelaco (= Mertloch) als Vorbesitzer eines Weinberges bei Windhausen genannt. 
   
Mitte des 18. Jahrhunderts werden bis zu vier jüdische Familien in Mertloch genannt. Nach den Judensteuer-Listen des Erzstiftes Trier bezahlten 1754 folgende jüdische Familienvorsteher ihrer Steuern bzw. Abgaben: Schlome, Wittib Jacobs, Salomon und Lehmann. 1764 wird nur noch die Wittib (Witwe) Lehmann genannt, 1774 neu ein Jude Binos (Beitrag J. May s. Lit. S. 176). 
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1889 30 jüdische Einwohner, 1892 57 (in acht Familien zusammen mit Gappenach), 1905 40 (von insgesamt 825 Einwohnern). Zur Gemeinde in Mertloch gehörten auch die wenigen in Gappenach und Kollig lebenden jüdischen Personen (1924: 2 in Gappenach). 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule) und ab 1868 ein Friedhof. Zuvor wurden die Toten der jüdischen Gemeinde auf dem jüdischen Friedhof bei Wierschem beigesetzt. Die jüdische Gemeinde hatte vermutlich zu keiner Zeit einen eigenen Lehrer. Um 1889/92 erteilte Lehrer Ritter aus Polch den Religionsunterricht in Mertloch. 1892 waren in Mertloch mit Gappenau 10 Kinder zu unterrichten. Als Kantor wird um 1892 Ph. Voos genannt.    
 
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1892 A. Levy (in Gappenach), um 1905 J. Faber.   
 
Von den im Ersten Weltkrieg im Krieg eingesetzten jüdischen Männern aus Mertloch wurde Landsturmmann Albert Wolf, Sohn von Bernhard Wolf, mit dem Eisernen Kreuz (EK II) ausgezeichnet (in: "Jüdische Volkszeitung" vom 18. Oktober 1918). 
 
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 20 Personen gehörten, war Gemeindevorsteher S. Wolf. Unter den Gemeindemitgliedern war noch ein jüdische Einwohner in Gappenach. An jüdischen Vereinen gab es - auf Grund des zusammen genützten Friedhofes - mit der Gemeinde in Münstermaifeld einen gemeinsamen Israelitischen Wohltätigkeitsverein (1932 unter Leitung von Fritz Diewald in Münstermaifeld; Zweck und Arbeitsgebiet: Wohltätigkeit und Bestattungswesen). Seit 1921 gab es einen "Jüdischen Jugendbund Maifeld" für die drei Gemeinden Polch, Mertloch und Münstermaifeld. 1932 war Gemeindevorsteher Bernhard Faber.    

1933 lebten noch etwa 20 jüdische Personen am Ort.
In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
  
Von den in Mertloch geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bernhard Faber (1885, s.u.), Jacob Faber (1893), Josef Faber (1883), Rosa Faber geb. Wolf (1887), Sara (Selma) Isselbacher geb. Faber (1886), Berta Kaufmann geb. Wolf (1891), Paula Kaufmann geb. Wolf (1894), Marta Kirschbaum geb. Heimann (1897), Rosette Salm (1872), Albert Wolf (1888). 
Aus Gappenach und Kollig gibt es keine im Gedenkbuch des Bundesarchives genannten Personen.   
  
Hinweis: Gedenkseite zu Martha Kirschbaum geb. Heimann (geb. 1897 in Mertloch, verheiratet in München, ermordet 1941 in Kaunas: Gedenkseite München https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=1739     
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Ein jüdischer Jugendbund Maifeld mit Sitz in Polch wird gegründet (1921)
     

Artikel in der Zeitschrift "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 8. Juli 1921: "Polch.
Am Sonntag, den 3. Juli, fand durch Dr. Veis - Andernach die Gründung des Jugendbundes Maifeld (Sitz Polch, Mertloch und Münstermaifeld) unter zahlreicher Beteiligung statt. Der Jugendbund hat beschlossen, sich dem Verband anzuschließen und dem Kreis 'Mittelrhein' beizutreten. Die Statuten werden den Geschäftstellen Berlin und Düsseldorf zwecks Aufnahme zugesandt. — Samstag, den 9. Juli, 1. Zusammenkunft (Heim-Nachmittag) 3 1/2 Uhr, bei Karl Faber."   

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Goldene Hochzeit von Jakob Kohlhaas und Sarah geb. Faber (1894)
   

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Gemeindebote" vom 21. September 1894: "In Mertloch feierten Herr Jakob Kohlhaas aus Kollig und seine Ehefrau Sarah geb. Faber, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Lehrer David Hartman aus Hagen hielt die Festpredigt. Es folgte sodann die Beglückwünschung und Überreichung der Geschenke. Herr Jakob Kohlhaas ist bei den Bürgern von Collig sehr beliebt."  

  
Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 

-  1922: Goldene Hochzeit am 11. November 1922 von Josef Faber und Karoline geb. Michel in Mertloch (in "Israelitisches Familienblatt" vom 9. November 1922 S. 5). Am 11. November 1922 konnte Josef Faber seinen 80. Geburtstag feiern (in: ebd.).   
-  1923: Tod von Josef Faber im Alter von 80 Jahren (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 11. Oktober 1923 S. 6).  
-  1928: 85. Geburtstag der Witwe von Josef Faber - Karoline Faber geb. Michel - in Mertloch am 8. Juni 1928 (in "Israelitisches Familienblatt" 7. Juni 1928 S. 5). 
1931: Tod der Witwe von Josef Faber - Karoline Faber geb. Michel - in Mertloch im Alter von 88 Jahren (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 12. März 1931 S. 5)
1935: Tod von Emilie Wolf geb. Kaufmann in Mertloch im Alter von 64 Jahren (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 17. Mai 1934 S. 5)   

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 

Anzeigen von Schneidermeister Albert Wolf (1912)       

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. März 1912: "Jüngerer Schneidergeselle 
wird sofort gesucht. Pension im Hause. Schabbos geschlossen. 
Albert Wolf, 
Mertloch bei Polch,
Bezirk Koblenz."    
  
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Oktober 1912: "Schneidergeselle 
sofort gesucht.  
A. Wolf, 
Herren- und Damenschneider,
Mertloch bei Polch,
Bezirk Koblenz."  
 
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Oktober 1912: "Schneidergeselle 
wird sofort gesucht. Pension im Hause. Schabbos geschlossen. 
Albert Wolf, 
Mertloch bei Polch,
Bezirk Koblenz."         

   
Anzeige von Samuel Wolf (1918)     

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. Februar 1918: "Suche für meine Tochter, die Ostern der Handelsschule entlassen wird, eine
Lehrstelle
im Manufakturwarengeschäft, wo ihr Gelegenheit geboten ist, sich auf dem Büro mir zu betätigen. Kost und Logis im Hause erwünscht.
Samuel Wolf, Mertloch
, Regierungsbezirk Koblenz."    

   
Verlobungsanzeige von Sophie Faber (Mertloch) und Ludwig Hein (Cochem) (1923)  

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. Januar 1923:
"Statt Karten. 
Sophie Faber   -   Ludwig Hein
    Verlobte   
Mertloch Kreis Mayen   -  
Cochem an der Mosel  
Silvester 1922."  

    
    
Über die Geschichte und das Schicksal von zwei in Mertloch geborenen, später andernorts lebenden jüdischen Personen  
(Quelle: Stadt Koblenz - pdf-Datei zum Schicksal jüdischer Kinder aus Koblenz)  

Der Pferdehändler Bernhard Faber ist am 15. Februar 1885 in Mertloch geboren. Er war verheiratet mit Martha Paula gen. Meta geb. Oster (geb. 20. Juni 1894 in Oberfell). Das Ehepaar hatte zwei Kinder:  Margot Bertel Faber (geb. 13. Juni 1924 in Koblenz) und Manfred (geb. 1. März 1927 in Koblenz). Bernhard Faber war 1920 von Mertloch nach Koblenz gezogen, wo das Haus Moselweißer Straße 52 erwarb. Dieses Haus wurde 1939 zu einem "Judenhaus" deklariert, in dem zeitweise neun zwangseingewiesene Familien wohnten. Am 22. März 1942 wurde Familie Faber von Koblenz-Lützel nach Izbica deportiert. Alle vier wurden ermordet.  
 
Die in Mertloch am 9. Oktober 1894 geborene Paula Kaufmann geb. Wolf war mit dem Schuhmacher Joseph Kaufmann (geb. 30. Oktober 1895 in Metternich) verheiratet. Das Paar wohnte in Metternich (Trierer Straße 287), wo zwei Kinder - Leonhard (geb. 23. September 1920 in Metternich) und Rosi Kaufmann (geb. 18. Januar 1928 in Metternich) - zur Welt kamen. 1935 verließ die Familie Metternich und verzog nach Köln. Am 22. Oktober 1941 wurde Paula Kaufmann mit den beiden Kindern von Köln in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert. Sie gelten als verschollen; das Schicksal von Joseph Kaufmann ist ungeklärt.  

    
    
    

Zur Geschichte der Synagoge             
             
Zunächst bestand ein Betraum in einem der jüdischen Häuser (1850 genannt). Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde eine Synagoge in neuromanischen Formen errichtet.  
  
Bereits 1937 wurde das Synagogengebäude verkauft und entging damit einer Zerstörung beim Novemberpogrom 1938. Es wurde zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut.  
 
Die Synagoge wurde verkauft (1937)

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 16. Dezember 1937: "Mayen. ... Im Nachbarort Mertloch wurde die Synagoge verkauft. Die Gemeinde, die vor etwa 30 Jahren noch dreifaches Minjan hatte, besteht nur noch aus einer Familie." 

  
  
Adresse/Standort der Synagoge     Friedhofstraße 1  (1932: Dorfstraße 7)     
  
  
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 26.08.2009): 

Die ehemalige Synagoge 
in Mertloch
Mertloch Synagoge 170.jpg (69196 Byte) Mertloch Synagoge 172.jpg (72850 Byte)
  Das Gebäude ist als Wohnhaus gut erhalten; an die Zeit als Synagoge erinnert 
der zweigeschossige apsisartige Anbau mit Zeltdach
    

   
   
Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Gemeinde Mertloch    
bulletZur Seite über den jüdischen Friedhof in Mertloch (interner Link)   

Literatur:  

bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 270 (mit weiteren Literaturangaben). 
bulletJakob May: Die Steuern und Abgaben der Juden im Erzstift Trier. In: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. 1937 Heft 2-3. S. 156-179.   

       
         

                   
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Stand: 31. Januar 2026