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Mertloch mit
Gappenach und Kollig (VG Maifeld, Kreis
Mayen-Koblenz)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Mertloch bestand eine jüdische
Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts zurück.
Bereits im 14. Jahrhundert lebten Juden (bzw. mindestens ein Jude) am
Ort. Zumindest wird 1327 in Leutesdorf
Elias gen. Jude von Mertelaco (= Mertloch) als Vorbesitzer eines Weinberges
bei Windhausen genannt.
Mitte des 18. Jahrhunderts werden bis zu vier jüdische Familien in
Mertloch genannt. Nach den Judensteuer-Listen des Erzstiftes Trier bezahlten
1754 folgende jüdische Familienvorsteher ihrer Steuern bzw. Abgaben: Schlome,
Wittib Jacobs, Salomon und Lehmann. 1764 wird nur noch die Wittib (Witwe)
Lehmann genannt, 1774 neu ein Jude Binos (Beitrag J. May s. Lit. S. 176).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1889 30 jüdische Einwohner, 1892 57 (in acht Familien zusammen mit
Gappenach), 1905 40 (von
insgesamt 825 Einwohnern). Zur Gemeinde in Mertloch gehörten auch die wenigen in Gappenach
und Kollig
lebenden jüdischen Personen (1924: 2 in Gappenach).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische
Schule (Religionsschule) und ab 1868 ein Friedhof. Zuvor
wurden die Toten der jüdischen Gemeinde auf dem
jüdischen Friedhof bei Wierschem beigesetzt.
Die jüdische Gemeinde hatte vermutlich zu keiner Zeit einen eigenen Lehrer. Um
1889/92 erteilte Lehrer Ritter aus Polch den
Religionsunterricht in Mertloch. 1892 waren in Mertloch mit Gappenau 10 Kinder
zu unterrichten. Als Kantor wird um 1892 Ph. Voos genannt.
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1892 A. Levy (in Gappenach),
um 1905 J. Faber.
Von den im Ersten Weltkrieg im Krieg eingesetzten jüdischen Männern aus
Mertloch wurde Landsturmmann Albert Wolf, Sohn von Bernhard Wolf, mit dem
Eisernen Kreuz (EK II) ausgezeichnet (in: "Jüdische Volkszeitung" vom 18.
Oktober 1918).
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 20 Personen gehörten, war Gemeindevorsteher
S. Wolf. Unter den Gemeindemitgliedern war noch ein jüdische Einwohner in
Gappenach. An jüdischen Vereinen gab es - auf Grund des zusammen
genützten Friedhofes - mit der Gemeinde in Münstermaifeld
einen gemeinsamen Israelitischen Wohltätigkeitsverein (1932 unter
Leitung von Fritz Diewald in Münstermaifeld; Zweck und Arbeitsgebiet:
Wohltätigkeit und Bestattungswesen). Seit 1921 gab es einen "Jüdischen
Jugendbund Maifeld" für die drei Gemeinden Polch,
Mertloch und Münstermaifeld. 1932 war Gemeindevorsteher Bernhard
Faber.
1933 lebten noch etwa 20 jüdische Personen am Ort. In
den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
Von den in Mertloch geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bernhard Faber
(1885, s.u.), Jacob Faber (1893), Josef Faber (1883), Rosa Faber geb. Wolf
(1887), Sara (Selma) Isselbacher geb. Faber (1886), Berta Kaufmann geb. Wolf
(1891), Paula Kaufmann geb. Wolf (1894), Marta Kirschbaum geb. Heimann (1897),
Rosette Salm (1872), Albert Wolf (1888).
Aus Gappenach und Kollig gibt es keine im Gedenkbuch des
Bundesarchives genannten Personen.
Hinweis: Gedenkseite zu Martha Kirschbaum geb. Heimann (geb. 1897 in
Mertloch, verheiratet in München, ermordet 1941 in Kaunas: Gedenkseite München
https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=1739
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Ein jüdischer Jugendbund Maifeld mit Sitz in Polch
wird gegründet (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Jüdischer Bote vom Rhein" vom 8. Juli 1921: "Polch.
Am Sonntag, den 3. Juli, fand durch Dr. Veis -
Andernach die Gründung des Jugendbundes
Maifeld (Sitz Polch, Mertloch und
Münstermaifeld) unter zahlreicher
Beteiligung statt. Der Jugendbund hat beschlossen, sich dem Verband
anzuschließen und dem Kreis 'Mittelrhein' beizutreten. Die Statuten werden
den Geschäftstellen Berlin und Düsseldorf zwecks Aufnahme zugesandt. —
Samstag, den 9. Juli, 1. Zusammenkunft (Heim-Nachmittag) 3 1/2 Uhr, bei Karl
Faber." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Goldene Hochzeit von Jakob Kohlhaas und Sarah geb. Faber (1894)
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Gemeindebote" vom 21. September 1894: "In
Mertloch feierten Herr Jakob Kohlhaas aus Kollig und seine
Ehefrau Sarah geb. Faber, das seltene Fest der goldenen Hochzeit.
Lehrer David Hartman aus Hagen hielt die Festpredigt. Es folgte sodann die
Beglückwünschung und Überreichung der Geschenke. Herr Jakob Kohlhaas ist bei
den Bürgern von Collig sehr beliebt." |
Kleine Mitteilungen zu einzelnen
Personen aus der jüdischen Gemeinde
- 1922: Goldene Hochzeit am 11.
November 1922 von Josef Faber und Karoline geb. Michel in Mertloch
(in "Israelitisches Familienblatt" vom 9. November 1922 S. 5). Am 11.
November 1922 konnte Josef Faber seinen 80. Geburtstag feiern (in:
ebd.).
- 1923: Tod von Josef Faber im Alter von 80 Jahren (in:
"Israelitisches Familienblatt" vom 11. Oktober 1923 S. 6).
- 1928: 85. Geburtstag der Witwe von Josef Faber - Karoline
Faber geb. Michel - in Mertloch am 8. Juni 1928 (in
"Israelitisches Familienblatt" 7. Juni 1928 S. 5).
- 1931: Tod der Witwe von Josef Faber - Karoline Faber geb.
Michel - in Mertloch im Alter von 88 Jahren (in: "Israelitisches
Familienblatt" vom 12. März 1931 S. 5)
- 1935: Tod von Emilie Wolf geb. Kaufmann in Mertloch im
Alter von 64 Jahren (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 17. Mai 1934
S. 5) |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen von Schneidermeister Albert Wolf (1912)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. März 1912: "Jüngerer Schneidergeselle
wird sofort gesucht. Pension im Hause. Schabbos geschlossen.
Albert Wolf,
Mertloch bei Polch, Bezirk Koblenz." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Oktober 1912: "Schneidergeselle
sofort gesucht.
A. Wolf,
Herren- und Damenschneider,
Mertloch bei Polch, Bezirk Koblenz." |
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Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 18. Oktober 1912: "Schneidergeselle
wird sofort gesucht. Pension im Hause. Schabbos geschlossen.
Albert Wolf,
Mertloch bei Polch, Bezirk
Koblenz." |
Anzeige von Samuel Wolf (1918)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. Februar 1918: "Suche für meine
Tochter, die Ostern der Handelsschule entlassen wird, eine
Lehrstelle
im Manufakturwarengeschäft, wo ihr Gelegenheit geboten ist, sich auf dem
Büro mir zu betätigen. Kost und Logis im Hause erwünscht.
Samuel Wolf, Mertloch, Regierungsbezirk Koblenz." |
Verlobungsanzeige von Sophie Faber
(Mertloch) und Ludwig Hein (Cochem) (1923)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. Januar 1923:
"Statt Karten.
Sophie Faber - Ludwig Hein
Verlobte
Mertloch Kreis Mayen -
Cochem an der Mosel
Silvester 1922." |
Über die Geschichte und das Schicksal von zwei in Mertloch geborenen,
später andernorts lebenden jüdischen Personen
(Quelle: Stadt Koblenz -
pdf-Datei
zum Schicksal jüdischer Kinder aus Koblenz)
| Der Pferdehändler Bernhard Faber ist
am 15. Februar 1885 in Mertloch geboren. Er war verheiratet mit Martha
Paula gen. Meta geb. Oster (geb. 20. Juni 1894 in Oberfell). Das Ehepaar
hatte zwei Kinder: Margot Bertel Faber (geb. 13. Juni 1924 in
Koblenz) und Manfred (geb. 1. März 1927 in Koblenz). Bernhard Faber war
1920 von Mertloch nach Koblenz gezogen, wo das Haus Moselweißer Straße
52 erwarb. Dieses Haus wurde 1939 zu einem "Judenhaus"
deklariert, in dem zeitweise neun zwangseingewiesene Familien wohnten. Am
22. März 1942 wurde Familie Faber von Koblenz-Lützel nach Izbica
deportiert. Alle vier wurden ermordet. |
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| Die in Mertloch am 9. Oktober 1894 geborene
Paula Kaufmann geb. Wolf war mit dem Schuhmacher Joseph Kaufmann (geb.
30. Oktober 1895 in Metternich) verheiratet. Das Paar wohnte in Metternich
(Trierer Straße 287), wo zwei Kinder - Leonhard (geb. 23. September 1920
in Metternich) und Rosi Kaufmann (geb. 18. Januar 1928 in Metternich) -
zur Welt kamen. 1935 verließ die Familie Metternich und verzog nach
Köln. Am 22. Oktober 1941 wurde Paula Kaufmann mit den beiden Kindern von
Köln in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert. Sie gelten als
verschollen; das Schicksal von Joseph Kaufmann ist ungeklärt. |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst bestand ein Betraum in einem der jüdischen
Häuser (1850 genannt). Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde eine Synagoge
in neuromanischen Formen errichtet.
Bereits 1937 wurde das
Synagogengebäude verkauft und entging damit einer Zerstörung beim
Novemberpogrom 1938. Es wurde zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus
umgebaut.
Die Synagoge wurde verkauft (1937)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 16. Dezember 1937: "Mayen. ... Im
Nachbarort Mertloch wurde die Synagoge verkauft. Die Gemeinde, die
vor etwa 30 Jahren noch dreifaches Minjan hatte, besteht nur noch aus einer
Familie." |
Adresse/Standort der Synagoge: Friedhofstraße
1 (1932: Dorfstraße 7)
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 26.08.2009):
Die ehemalige Synagoge
in
Mertloch |
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Das Gebäude ist
als Wohnhaus gut erhalten; an die Zeit als Synagoge erinnert
der
zweigeschossige apsisartige Anbau mit Zeltdach |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 270 (mit weiteren Literaturangaben). |
 | Jakob May: Die Steuern und Abgaben der Juden im
Erzstift Trier. In: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland.
1937 Heft 2-3. S. 156-179. |

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