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Haßloch (Kreis
Bad Dürkheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Haßloch bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück. 1722 werden die Schutzjuden Josel, Löw und Samuel in Haßloch
genannt, 1744 sind es die Juden Jessel, Jessel Beer, Schmul, Schammay,
Abraham Samuel, Wolf Löw, Jones, Simon Jossel und Juda, die - wahrscheinlich
großenteils mit ihren Familien - in Haßloch lebten. 1768 werden 33, 1783 44 jüdische
Einwohner am Ort gezählt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: 1801 32 jüdische Einwohner (1,1 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 34
(1,1 %), 1821 58, 1825 74 (1,8 %), 1830 90 (in 19 Familien), 1845 103, 1861 128, 1875 100,
1893 102, 1900 76.
1809/10 werden als jüdische Haushaltsvorstände genannt: Marx Behr,
Michel Bormann, Friedrich Herz, Peter Herz, Machoel Hirsch, Franz Mayer und
Sander Rein.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(seit 1844 Israelitische Volksschule, Gillergasse 1),
ein rituelles Bad (1881 letztmals erneuert) und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Von den Lehrern werden genannt: um
1862/65 Lehrer Simon Hecht, um 1870 Lehrer Silbermann, ab ca. 1874 Emanuel
Loew bis um 1905 (erstmals genannt bei einer Lehrerkonferenz 1874, in: "Der
israelitische Lehrer" von 1894 S. 72; vgl. dazu unten Bericht von 1937 zum 90. Geburtstag seiner Witwe).
Der letzte jüdische Lehrer der Gemeinde war von 1906 an David Martin. Die
Volksschule wurde 1922 geschlossen, die beiden letzten israelitischen
Volksschüler besuchten nun die die protestantische Schule. David Martin blieb
als Religionslehrer, Kantor und Schochet in der Gemeinde.
Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat in Frankenthal.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Emil Hersch (geb.
14.7.1897 in Haßloch, gef. 7.6.1917). Für ihren Kriegseinsatz wurden
Richard Hene - Sanitätsgefreiter im 23. bayrischen Infanterie-Regiment - sowie
Unteroffizier Ernst Springer, Sohn der Hermine Springer, mit dem "Eisernen
Kreuz" (EK II) ausgezeichnet (u.a. in: "Neue jüdische Presse - Frankfurter
Israelitisches Familienblatt" vom 18. Dezember 1914 S. 3 und "Das jüdische Echo"
vom 29. Januar 1915 S. 29). Für ihren freiwilligen Einsatz als
Kriegspflegerinnen im Vereinslazarett in Haßloch erhielten das
"König-Ludwig-Kreuz": Betty Kahn, Hermine Springer (Witwe) und Fräulein Anna
Loeb (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 4. Januar 1917 S. 6).
Die jüdischen Familien waren im Leben des Ortes völlig integriert. Bekannte
Persönlichkeiten der Gemeinde waren u.a. Sanitätsrat Dr. Salomon Hirsch,
Gemeinderat als Mitglied der Mittelstandspartei (1909) und Mitbegründer der
"Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz" (1913) oder Leo Loeb,
Kaufmann, der noch 1930 zum "Ehrenbürgermeister" (3. Bürgermeister)
der Gemeinde ernannt worden ist.
Um 1924, als zur Gemeinde noch etwa 75 Personen gehörten, waren die Gemeindevorsteher
H. Hene I, Leo Loeb, Salomon Levi und der bereits genannt Hauptlehrer a.D. David Martin. Dieser
hat damals zwei jüdischen Kindern den Religionsunterricht erteilt. Inzwischen
gehörten auch die in Kallstadt noch lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde
in Haßloch (1924 3 Personen). 1932 waren die Gemeindevorsteher H. Hene I
(1. Vors.), Leo Loeb (2. Vors.) und Arthur Gebhardt (3. Vors.). Schriftführer,
Lehrer und Kantor der Gemeinde war weiterhin der als "Hauptlehrer a.D."
genannte David Martin. Im Schuljahr 1931/32 unterrichtete er vier Kinder im
Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es u.a. den Israelitischen
Frauenverein (1932 unter Leitung der Frau von H. Springer; Zweck und
Arbeitsgebiet: Armenunterstützung).
1933 lebten noch etwa 65 jüdische Personen in Haßloch. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1934 wurden 46, 1936 42,
1938 29 und 1939/40 noch drei jüdische Einwohner gezählt: die Letzeren wurden am 22. Oktober
1940 nach Gurs deportiert. Zwei Jahre zuvor war beim Novemberpogrom
1938 die Synagoge der Gemeinde geschändet und verwüstet worden (s.u.).
Auch jüdische Wohnungen und Geschäfte wurden überfallen und demoliert, die
Geschäfte geplündert.
Von den in Haßloch geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Elisabeth Adler geb.
Westheimer (1896), Amanda Auguste Bohrmann (1882), Dina Bohrmann (1875), Pauline
Wilhelmine Bohrmann (1874), Rosel (Rosa) Gebhardt geb. Haas (1892), Isidor Hene (1885),
Johanna Hene geb. Wolf (1886), Sigmund Hene (1894), Sonia Hene (1932), Herrmann
(Hermann) Hersch (1873), Anna Hirsch geb. Loeb (1899), Siegmund (Sigmund) Hirsch
(1884), Flora Klein (1877), Betty Kuhn geb. Loeb (1876),
Maximilian (Max) Kuhn (1874), Salomon Levy (1872), Anna Löb geb. Westheimer (1885), Leo Löb (1881),
Lilly (Lilli) Löb geb. Muhr (1888),
Otto Löw (1876), Franziska Mandel geb. Loew (1882), Jenny Marx geb. Bohrmann
(1887), Leopold Mayer (1863), Elisabeth Stern geb. Kuhn (1888).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
| Es wurden noch keine Ausschreibungen der
Stelle gefunden. |
Um 1862/65: Lehrer S. Hecht in
Hassloch
Anmerkung: es handelt sich um Lehrer Simon Hecht (geb. 9. März 1825 in
Nordheim [1825 lt. Geburtseintrag nach
Angaben von E. Böhrer; auf Grabstein 1828]), der am
Israelitischen Lehrerseminar in Würzburg
studiert hatte; er war nach seiner Entlassung
aus
Sulzdorf Lehrer in
Weimarschmieden,
Kraisdorf,
1852-53 Ritzebüttel (Cuxhaven), 1856 Jever und
1857-60 Münchweiler. Nach Münchweiler
war er noch Lehrer in Hassloch. Als solcher wird er in jüdischen
Periodika zwischen 1862 und 1865 genannt. Etwa drei Jahre nach dem Tod seines Bruder Dr. Emanuel Hecht (Hoppstädten,
1862)
ist Simon Hecht - vermutlich noch 1865 - nach Amerika ausgewandert und war in Evansville,
Indiana als "Reverend" und "Rabbi" der jüdischen Gemeinde Bnai
Israel tätig
(Foto der 1866 eingeweihten Synagoge
http://www.evansvilleago.org/organs/evv_bnai_Israel.htm). Eine seiner ersten
Amtshandlungen in der Synagoge Bnai Israel war eine Hochzeit am 18. Oktober 1866
(Quelle
S.8). 1868 erschien in Evansville von Salomon Herxheimer und Simon Hecht: "Der
israelitische Confirmand oder: Glaubens- und Pflichtenlehre für den Schul- und
Privatgebrauch in Reformgemeinden". Zahlreiche weitere Publikationen folgten,
u.a. in der Zeitschrift "Die Deborah". 1878 erschien die Sammlung von "Jewish
Hymns for Sabbath Schools and Families".
Über Simon Hecht vgl. u.a.
https://hdbg.eu/biografien/detail/simon-hecht/10240, dazu:
Judah M. Cohen: Jewish Religious Music in
Nineteenth-century America. Buch erschien Indiana University Press 2019
https://www.amazon.com/Jewish-Religious-Music-Nineteenth-Century-America/dp/0253040213.
Vgl. in diesem Buch u.a. die
Anmerkungen auf der verlinkten Seite zu Beiträgen von Simon Hecht.
Simon Hecht starb am 17. März 1908 und wurde im Rose Hill Cemetery in Evansville
beigesetzt: Grab siehe
https://de.findagrave.com/memorial/11252550/simon-hecht.-
Lehrer Hecht war als Lehrer in Haßloch um
1862 Teilnehmer bei Lehrerkonferenzen und bringt sich mit Beiträgen ein:
- bei der Versammlung in Neustadt an der Weinstraße am 9. Mai 1862:
Bericht in "Der Israelitische Lehrer" vom 15. Juni 1862 mit Beitrag von
Lehrer Hecht S. 89.
- bei der 3. Konferenz israelitischer Pfälzer Lehrer in Neustadt an der
Weinstraße am 13. Oktober 1862: Bericht in "Der Israelitische Lehrer" vom
15. Dezember 1862 mit Beiträgen von Lehrer Hecht S. 182 und 185. |
Lehrer Hecht setzt sich mit Rabbiner und
Prediger Simon Alexander aus Pleß auseinander: Offener Brief an Simon
Alexander in Pleß in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4.
April
1865 S. 222 (hier als "S. Hecht, Haßloch" genannt); Antwort von Simon
Alexander in: "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 2. Mai 1865 S. 282.
Danach gibt es zu Haßloch keine weiteren Mitteilungen zu Lehrer Simon Hecht. |
Lehrer Hecht vertreibt Bücher für
Unterrichtszwecke (1862)
Anmerkung: Der Vertrieb von Büchern des verstorbenen Lehrers Hecht weist auch
darauf hin, dass der Haßlocher Lehrer identisch ist mit Simon Hecht in
Münchweiler, da dieser 1859 von
Münchweiler aus gleichfalls die hebräischen Fibeln von Emanuel Hecht (vgl. zu
Hoppstädten) angeboten hat, siehe
Seite zu Münchweiler.
Artikel
in "Der Israelitische Lehrer" vom 1. September 1862: "Aus der Pfalz,
Nachdem die Hästers'sche Fibel und das Lesebuch für die Mittelklasse, vom
verstorbenen Lehrer Hecht für jüdische Schulen bearbeitet, in
zweiter Auflage erschienen ist, wird nun auch das Lesebuch für die
Oberklasse in zweiter Auflage (ist bereits schon im Drucke) erscheinen. Die
Häster'schen Lesebücher sind vom bayr. Staatsministerium als vorzüglich
empfohlen und wird für die israelitischen Schulen Bayerns eine besondere
Ausgabe veranstaltet, in welcher die bayerische Geschichte und Geographie
entsprechende Berücksichtigung findet. Der Zenta uRena, (zum Vortrag in
Chebras (= Vereinen) sich eignend), kann durch Vermittlung des
Lehrers Hecht in Haßloch vorteilhaft bezogen werken." |
Anmerkungen: - die genannte Haesters'sche
Fibel meint die 1852 erstmals von Albert Haesters (1812-1883) erschienene
"Fibel oder der Schreib-Lese-Unterricht für die Unterklassen der
Volksschule. Erschien über viele Jahrzehnte. Bis 1902, als nach 50 Jahren
die 1.235. Auflage erschien, wurden etwa 3,7 Millionen Exemplare gedruckt.
- zu Zena uRena siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Ze'enah_u-Re'enah
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Um 1870: Lehrer Silbermann
Als Lehrer in Haßloch wird er in der
Mitteilung zu einer Spendensammlung 1870 genannt, siehe unten. Ansonsten
liegen zu Lehrern mit dem Familiennamen Silbermann nur wenige Informationen vor.
1869 wird ein "Lehrer Silbermann" in
Gochsheim genannt (Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1869, Ergebnis
einer Spendensammlung in der "Extra-Beilage" S. 2).
Doch dürfte dies ein anderer Lehrer Silbermann als in Haßloch sein, weil in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1870 auch "Lehrer Silbermann" in einer
weiteren Spendenliste aus Gochsheim
erscheint.
1912 starb in Karbach Lehrer Samuel
Silbermann, der im November 1853 geboren ist; er war aber zu jung, um 1870
in Haßloch oder Gochsheim als Lehrer tätig zu sein.
1869 wird Lehrer Simon Silbermann in
Gauersheim genannt; von 1892 bis etwa 1920 war ein Lehrer Simon
Silbermann in Kirchheimbolanden
tätig (u.a. "Israelitisches Familienblatt" vom 30. Mai 1912).
Die israelitische Lehrerstelle ist "durch große Opfer der Gemeinde"
gesichert (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1908: "Kaiserslautern,
29. Mai (1908). Die freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren
der Pfalz hielt gestern hier im Lokale der Julius Plotke-Loge ihre
Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende Lehrer Waldbott in Speyer eröffnete
die Versammlung, die von etwa 30 Mitgliedern besucht war, mit Dankesworten
an die Verwaltung der Loge für die Überlassung ihres Lokales zur
Abhaltung der Versammlung, begrüßte alsdann die anwesenden Vertreter der
Loge, sowie der israelitischen Kultusgemeinde Kaiserslautern, welche durch
den Bezirksrabbiner Dr. Landsberg und ein Vorstandsmitglied vertreten war.
Das Andenken der im Laufe des Vereinsjahres verstorbenen Kollegen Eigner -
Oberlustadt und Weil - Edenkoben
ehrten die Anwesenden durch Erheben von den Sitzen. Rechtsanwalt Dr.
Rheinheimer begrüßte hierauf die Versammlung im Namen der Julius
Plotke-Loge, Bezirksrabbiner Dr. Landsberg namens der Israeliten-Gemeinde.
Der Jahresbericht der Vorsitzenden erwähnte zunächst die Umwandlung der
israelitischen Lehrerstelle in Edenkoben in eine Verweserstelle,
was weder den Interessen noch den Erwartungen der israelitischen Lehrer
der Pfalz entspreche. Die Erhaltung der israelitischen Lehrerstelle in
Haßloch
sei durch große Opfer der dortigen Synagogengemeinde erfreulicherweise
gesichert. Dagegen harren die Verhältnisse in Kaiserslautern noch immer
der definitiven Entscheidung..." |
Zum Tod von Hauptlehrer i.R. David Martin (1938)
Anmerkung: David Martin wurde 1906 (nicht 1901 wie in "Jüdisches
Hassloch" angegeben) Lehrer an der israelitischen Volksschule in Haßloch, davor - bis 1906 - war er noch Lehrer in
Göllheim. Er war verheiratet mit Betty geb. Grünewald, mit der er
eine Tochter Ruth hatte. Ruth ist 1926 gestorben, seine Frau Betty 1929.
Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der
Rheinpfalz" vom 1. Juni 1938: "Am 13. April verschied nach
langem, mit Geduld ertragenem Leiden Hauptlehrer Martin aus Haßloch.
Am 20.9.1875 in Cronheim,
Mittelfranken geboren, hat er nach einjähriger Dienstzeit in Burghaslach
30 Jahre lang in der Pfalz gewirkt. Nachdem er fünf Jahre in Edesheim
und fünf Jahre in Göllheim
verbrachte, hat er die letzten zwanzig Jahre, der ihm liebgewordenen
Gemeinde Haßloch gedient. Von lebensfroher Art und aufrichtiger, stets gründlicher
Gesinnung hat er sich bei allen, die ihn kannten, Verehrung und Liebe
erworben. - Wir betrauern seinen Heimgang und werden ihm ein ehrendes
Andenken bewahren. Sein Andenken sei zum Segen.
Freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz." |
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Artikel
in den "Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern" vom 15. Mai
1938: "Vereinsmitteilungen.
Kaum hatte sich das Grab über unseren lieben Kollegen Heinrich Eisfeld s.A.,
dem wir ja in der letzten Nummer unserer Mitteilungen einige Worte des
Gedenkens widmen konnten, geschlossen, als uns schon wieder eine neue
Trauernachricht erreichte. David Martin (Haßloch) ist nicht mehr. Am
13. April wurde er vom schweren Leiden im Alter von 63 Jahren erlöst.
David Martin, geboren 1875 in Cronheim.
erhielt seine Lehrerausbildung in Schwabach
und war als Volksschullehrer in den pfälzischen Gemeinden
Edesheim,
Göllheim und Haßloch tätig. In
der letztgenannten Gemeinde war er 30 Jahre. Die dortige Volksschule wurde
1923 aufgelöst und Martin verblieb als Religionslehrer auf seinem Posten.
Ein tüchtiger Lehrer und ein gütiger Mensch ist mit ihm dahingegangen. Wir
werden sein Andenken stets in Ehren halten." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Ergebnisse von
Spendensammlungen in der Gemeinde (1870)
Anmerkung: In jüdischen Gemeinden wurden regelmäßig Spendensammlungen für
unterschiedliche Zwecke durchgeführt und die Ergebnisse immer wieder in
jüdischen Periodika veröffentlicht.
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. April 1870 - Sammlung "Für die
Notleidenden im Heiligen Land": "Durch Lehrer Silbermann in Haßloch
(Pfalz): S. Klaus 1 fl. 10 kr., S. Freundlich 18 kr., Abraham Herz; 12
kr., Leopold Bohrmann 1 fl, Ferdinand Herz 12 kr., Moses Kahn 12 kr., J.
Mayer 30 kr., M. Hersch 12 kr., J. Hersch 12 kr., A. Mayer 18 kr., L. Bloch
18 kr., Aron Bloch 18 kr., B. Bohrmann 1 fl., J. Elbert 12 kr., S.
Bodenheimer 18 kr., S. Gebhardt 12 kr.. A. Elbert 18 kr., Joseph Gebhardt 18
kr., Jsac Hene 12 kr., Moses Gebhardt 18 kr., zusammen 7 fl 40 kr." |
Ein antisemitischer Vorfall wird
bestraft (1936!)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1936: "Landau,
15. Januar (1936). Nach einem Bericht der Zeitung 'Der Rheinpfälzer' in
Landau (Pfalz) hatten sich zwei Angeklagte vor dem Amtsgericht wegen
schwerer Körperverletzung, Bedrohung und groben Unfugs zu verantworten.
Der eine von ihnen fuhr im August mit der Bahn von Neustadt nach Haßloch.
Im gleichen Wagen saß ein jüdischer Viehhändler aus Haßloch,
und der eine Angeklagte ließ sich hinreißen, durch Worte wie Aufhängen,
Hals abschneiden usw., den Juden zu bedrohen. Beim Aussteigen gab es ihm
noch einen Fußtritt, sodass der Jude hinfiel. Am gleichen Abend gingen
beide Angeklagte vor das Anwesen des Juden und dessen Schwiegervaters und
schlugen dort Krach, sodass die Polizei einschreiten musste. Der
Staatsanwalt geißelte das Vorgehen des Hauptangeklagten schwer, weil er
mit dem Juden in Geschäftsverbindungen stand und noch immer finanzielle
Verpflichtungen an ihn hat, besonders aber auch deshalb, weil ein solches
Vorgehen eines Einzelnen nichts nütze. Das Urteil lautete gegen den einen
Angeklagten auf drei Monate Gefängnis, die jedoch auf die verbüßte
Schutzhaft nicht angerechnet wurden. Der andere Angeklagte wurde
freigesprochen". |
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Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung"
vom 22. Januar 1936:
Derselbe Bericht wie oben.
Ähnlich die Berichte in der "Jüdischen Rundschau" vom 17. Januar 1936, im
"Israelitischen Familienblatt" vom 23. Januar 1936 und in der "Jüdischen
Allgemeinen Zeitung" vom 22. Januar 1936. |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Vizew. Springer wird zum Leutnant
befördert (1918)
Anmerkung: es handelt sich um Ernst Springer, Sohn von Hermine Springer, die
früh verwitwete Tochter von Abraham Kuhn und Schwester von Max Kuhn. Ihr Vater
Abraham Kuhn starb 1934. Im Jahr darauf 1935 zog Hermine Springer zu ihren
Kindern Ernst Springer und Elvira Oppenheimer geb. Springer (1897-1992) nach
Wiesbaden. Elvira war seit 1920 verheiratet mit Maximilian (Max, 1893-1976). Die
beiden hatten zwei Söhne. 1938/39 emigrierten die Familien Springer und
Oppenheimer in die USA. Vgl. Seite zu Familie Hermine Springer - Langgasse 130
in Hassloch: Eingestellt als pdf-Datei.
Leo Löb wird Ehrenbürgermeister (1930)
Artikel
in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 5. Februar 1930: "Haßloch.
(Jüdischer Ehrenbürgermeister). Bei der vor einigen Tagen in Haßloch
(Rheinpfalz) stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde, wie wir der Ita
entnehmen, der Kaufmann Leo Loeb von allen bürgerlichen Parteien
einstimmig zum zweiten Ehrenbürgermeister gewählt. Herr Loeb gehört
auch dem Synagogenrat als zweiter Vorsitzender an. Er wurde 1881 zu
Haßloch als Sohn des Kultusvorstandes Louis Loeb
geboren." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Februar 1930: "München.
Bei der vor einigen Tagen in Haßloch (Rheinpfalz) stattgefundenen
Bürgermeisterwahl wurde der Kaufmann Leo Loeb von allen bürgerlichen
Parteien einstimmig zum zweiten Ehrenbürgermeister gewählt. Herr Loeb
gehört auch dem Synagogenrat zu Haßloch an." |
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Links: Leo Loeb (geb. 1881, 1930-1933 2. Beigeordneter /
Ehrenbürgermeister in Haßloch), 1942 in Auschwitz ermordet).
An ihn erinnert in Haßloch die
Leo-Loeb-Straße.
Leo Loeb war Inhaber des Konfektionsgeschäftes Loeb in der
Langgasse 96. Das Geschäft wurde von seinem Großvater Lazarus Loeb
(1822-1881) um 1848 durch Einheirat gegründet und zunächst von seinem Sohn
Louis Loeb (1849-1921, verheiratet mit Frieda geb. Tuteur,
vier Kinder: Betty, Leo, Anna und Lucia) weitergeführt, bis es Leo Loeb
(verheiratet seit Oktober 1911 mit Lilly geb. Muhr) übernahm und erfolgreich weiterführte.
Sein Sohn Werner D. Loeb (1912-2006) wollte das Geschäft übernommen,
wenn es nicht in der NS-Zeit hätte aufgegeben werden müssen. Sohn Werner
Loeb ist 1935 nach Frankreich emigriert. Am 10. November 1938 wurden Leo und
Lilly Loeb aus Haßloch ausgewiesen und nach Wiesbaden gebracht. 1942 wurden
beide in Auschwitz ermordet. Vgl.
Beitrag
aus "Jüdisches Hassloch" zu Familie Loeb. |
Hinweise: In der Zeitschrift "Im
deutschen Reich" vom Dezember 1913 S. 572 wird Leo Loeb schon als
"Synagogenvorstand" in Haßloch bezeichnet. Im "Israelitischen
Familienblatt" vom 7. Oktober 1936 wird auf die silberne Hochzeit von Leo
Loeb und Frau Lilli geb. Muhr am 11. Oktober 1936 hingewiesen.
Nach dem "Jüdischen Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1.
Oktober 1938 S. 7 war Leo Loeb Vertreter der jüdischen Gemeinde Haßloch bei
der Rabbinatsbezirks-Versammlung am 31. August 1938 im Gemeindezimmer der
Synagoge Bad Dürkheim. |
90. Geburtstag der Frau des ehemaligen Lehrers
Emanuel Loew (1937)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juli 1937: "Bad
Dürkheim, 27. Juli (1937). Am Schabbos Nachmu feierte Frau Loew, die
Gattin des ehemaligen Lehrers und Chason Em. Loew, früher Haßloch
(Pfalz), die jetzt bei ihrer verheirateten Tochter, Frau Mandel in
Bad
Dürkheim, lebt, in voller geistiger und körperlicher Frische ihren 90.
Geburtstag. Frau Loew ist eine allseits beliebte Persönlichkeit, die sich
durch frommes Wesen und große Wohltätigkeit auszeichnete. Wir wünschen
der Jubilarin einen weiteren ungetrübten Lebensabend. Alles Gute bis
120!" |
Kleine Mitteilungen zu einzelnen
Personen
- 1749 starb in Heidelberg nach dem
Memorbuch der Gemeinde Esther, Tochter des Schmul Haßloch, die dritte
Frau von Löb Dinkelspiel, Sohn des Mosche (gestorben 1785) (in: "Jüdische
Familienforschung" 12 1925 S. 87).
- 1875 (in "Rechenschafts-Bericht des
Lehrerunterstützungsvereins Achawa" - Elfter Rechenschaftsbericht für das
Verwaltungsjahr 1875 (1876) S. 11)": Genannt wird eine Spende an den Verein
durch Herrn Levi in Hassloch bei der Hochzeit seiner Tochter Elise Levi
(Haßloch) mit Joseph Cramer in Speyer.
- 1879/1881 bei verschiedenen Berichten über Spenden für bestimmte Zwecke
aus den Gemeinden wird (großenteils nur) S. Klaus aus Haßloch genannt
(u.a. in "Der Israelit" von 30. November 1881 S. 4).
- 1907: Verlobung von Emilie Loew (Hassloch) mit Heinrich Levy (Homburg)
(Mitteilung in: "Der Israelit" vom 11. Juli 1907 S.8).
- 1920: Hartwig Herzog (geb. 4. Oktober 1849 in Hassloch),
Mitglied der Dalberg-Loge Worms seit dem 21. Januar 1912, starb am 15. März
1920 (in: "Bericht der Großloge für Deutschland 1920 Nr. 6/7 -
August/September)
- 1922: In der Verbindung "Licaria, München" meldet sich aktiv: stud.chem.
Walter Hene aus Haßloch (Pfalz) (in: KC-Blätter Heft 5-6 / Mai 1922
S. 51).
- 1929: Dr. Salomon Hirsch in Haßloch erhielt den Titel "Sanitätsrat"
(in: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" vom 1. Januar 1929 S. 10).
- 1929: Fanny Kuhn geb. Kaufmann (Witwe) in Hassloch feiert am
14. Juni 1929 ihren 86. Geburtstag
(Mitteilung in "Israelitische Familienblatt" vom 31. Mai 1934) .
- 1931: Heirat von Heddy Strauß (Simmern, Hunsrück) mit Sally Elikann
(Mitteilung in "Israelitisches Familienblatt" vom 8. Januar 1931).
- 1934: Fanny Kuhn geb. Kaufmann in Hassloch feiert ihren 91. Geburtstag
(Mitteilung in "Israelitische Familienblatt" vom 31. Mai 1934).
- 1938: Richard Hene aus Haßloch verstarb im Alter von 46 Jahren
(Mitteilung in: "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom
1. Juli 1938 S. 6). |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen von A. Kuhn, Manufakturwarengeschäft (1924 / 1926)
Anmerkung: Abraham Kuhn hatte ein Manufakturwarengeschäft in der Langgasse 130.
Er ist 1934 gestorben.
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 28. Februar
1924: "Stütze
für Manufakturwarengeschäft an kleinem Platz gesucht.
Familienanschluss, Kost, Wohnung. Ausführliche Angebote an
A. Kuhn, Haßloch (Pfalz)." |
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Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 29. Oktober
1926: "Für Manufakturwarengeschäft junges Mädchen
aus gutem Hause gesucht. Branchekenntnisse erforderlich, Nähkenntnisse
erwünscht. Wohnung und Verpflegung im Hause. Offerten an
A. Kuhn, Haßloch (Pfalz)." |
Zur Geschichte der Synagoge
Anfang des 19. Jahrhunderts war eine Synagoge unbekannten
Baujahres vorhanden. Sie war im oberen Stock im hinteren Bereich eines ganz
aus Holz erbauten Privathauses (von Jakob Lützel) eingerichtet. Im Erdgeschoss
unter der Synagoge befand sich ein Kuhstall.
1835 waren dringende Reparaturen am Synagogengebäude durchzuführen, die
jedoch auf Dauer das Gebäude nicht retten konnte. 1843 wurde vom
Königlichen Landkommissariat in Neustadt erstmals die Schließung wegen Baufälligkeit
angedroht, im Oktober 1846 wurde die weitere Benutzung verboten, da die
Balken morsch, die Dachpfetten und Stirnbalken durchbrochen und nur noch mit
Eisenklammern notdürftig zusammengehalten würden. Der Bezirksbauschaffner
Jung" hatte mit Datum vom 16. Juli 1846 ein Gutachten "Die
Baufälligkeit der Synagoge zu Haßloch betreffend" erstellt, das
Königliche Landkommissariat daraufhin eine Benutzung bis höchstens zum
Laubhüttenfest genehmigt.
Im Dezember 1846 kaufte die Kultusgemeinde ein Haus in der Gillergasse (Brauch'sches
Haus in der "Gillergaß No. 946"), das zwar reparaturbedürftig war, aber sich zum Einbau einer Schule und
eines Betsaales durchaus eignete. Die Gemeinde hatte 900 Gulden für den Kauf
des Hauses zu bezahlen. Noch vor der Reparatur des Gebäudes wurde im Hofraum
desselben eine neue Mikwe angelegt. Um die Mikwe erstellen und das gekaufte Haus
umbauen zu können, musste ein Kredit über 1.100 Gulden aufgenommen werden, mit
dessen Rückzahlung die Gemeindeglieder jahrelang zu tun hatten. Das frühere
Brauch'sche Haus wurde umgebaut: im Erdgeschoss wurden Schulsaal, Lehrerwohnung
sowie eine "Mietwohnung" eingerichtet, im Obergeschoss der
Betsaal. Möglicherweise noch im Dezember 1846 konnte die neue Synagoge bezogen
werden, da die Gemeinde im Dezember 1911 das 75-jährige Synagogen-Jubiläum
feierte.
75-jähriges Synagogenjubiläum (1911)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 19. Januar 1912: "Am 30. Dezember 1911 feierte die
israelitische Gemeinde in Haßloch (Pfalz) das 75-jährige
Synagogenjubiläum. Die Feierlichkeit leitet Herr Rabbiner Dr. Holzer aus
Worms." |
Um 1865 plante der Synagogenvorstand eine Erweiterung der Synagoge, um
eine Art Frauen-Synagoge mit eigenem Zugang zu verschaffen. Gegen diese Pläne
gab es in der Gemeinde jedoch erheblichen Widerspruch, vor allem auf Grund der
fehlenden Finanzmittel.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Neubau einer Synagoge geplant.
Zunächst wurden Gelder für den Erwerb eines Grundstückes gesammelt. Das
Gemeindeglied Theodor Levi versuchte, durch einen Zigarren-Sonder-Verkauf an
Spenden für den guten Zweck zu kommen:
Zigarren-Verkauf zugunsten des Ankaufs eines Grundstückes
für die Synagoge (1904) sowie Neubau eines Schulgebäudes (1909)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Januar
1904: "Nicht übersehen!
Zigarren-Versand von Theodor Levi, Hassloch (Rheinpfalz).
Der Reingewinn vom Versand meiner Zigarren, aus edelsten Tabaken
fabriziert, soll Verwendung finden zum Ankauf eines Grundstückes zur
Erbauung eines Synagoge am hiesigen Platze. - Ein Opfer bringt jeder
Raucher, mich durch Bestellung in meinem Vorhaben zu unterstützen und
spart trotzdem noch Geld gegenüber dem Einzelkauf. Lasse mir jeder, der
diese Zeitung liest, Aufträge für den Zweck zukommen und lasse sich
Jeder zur Pflicht dienen, auch Andere zu Bestellungen anzueifern.
Ich versende: 100 Stück 7er zu 6 Mark usw.
ab Haßloch unter Nachnahme oder Voreinsendung des Betrages.
Hochachtend! Theodor Levi." |
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Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 24. Juni 1909: "Haßloch (Pfalz).
(Neues Kultusgebäude.) Zu einer Zierde unseres Ortes gereicht das neu
erbaute israelitische Kultusgebäude, das als Schulsaal und Lehrerwohnung
dienen soll. Auch gedenkt die hiesige israelitische Kultusgemeinde — wenn
die Mittel flüssig sind — eine neue Synagoge zu erbauen."
Anmerkung: gemeint ist der Neubau des Israelitischen Schulgebäudes in der
Gillergasse 1. |
Es blieb bei den Plänen für einen
Synagogen-Neubau, die wohl vollends durch den Ersten Weltkrieg und die
Inflationszeit zerschlagen wurden. Die alte Synagoge blieb Mittelpunkt des
jüdischen Gemeindelebens am Ort bis 1938.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und stark
beschädigt. Das Gebäude sollte zudem niedergebrannt werden, doch scheiterte
zweimal der
Versuch der Brandstiftung: beim ersten Versuch erlosch das Feier nach kurzer
Zeit von selbst, beim zweiten Versuch löschte ein Nachbar das Feuer, da er
Angst um seine in der Nachbarschaft stehende Scheune hatte. Die Inneneinrichtung
war jedoch völlig zerstört.
Das Synagogengebäude wurde im März 1939 an einen Tanzlehrer verkauft. Um
1950 kam des mit dem danebenstehenden Schulgebäude durch Rückübertragung
wieder in den Besitz der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz.
1950 fand ein Prozess vor dem Schwurgericht Frankenthal gegen Beteiligte
am Novemberpogrom 1938 statt. Dabei wurden die angeklagten Personen zu geringen
Haftstrafen verurteilt.
Das ehemalige Synagogengebäude musste 1978 abgerissen
werden, da es beim Abbruch eines Nachbarhauses stark in Mitleidenschaft gezogen
worden war. Das Grundstück wurde 1979 an Privatleute verkauft. 1984 wurde
am ehemaligen jüdischen Schulhaus eine Gedenktafel
angebracht mit der Inschrift: "Hier befand sich bis zur Schändung durch
die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9./10. November 1938 die Synagoge der
Jüdischen Gemeinde Haßloch. Mit ihrer Zerstörung und der darauf folgenden
Deportation unserer jüdischen Mitbürger endete jegliches jüdische Leben in
unserem Ort. Diese Tafel soll zur Erinnerung für die Lebenden und zur Mahnung
der kommenden Generation sein."
Adresse/Standort der Synagoge: Gillergasse
2
Hinweis zum rituellen Bad (nach dem Beitrag von Johannes Theisohn
s.u.): 1844 werden sogenannte "Kellerquellenbäder", die von
Grundwasser gespeist wurden, in den Häusern von Jacob Bohrmann und Alexander
Mayer genannt, deren Schließung vom Landkommissariat und vom Bürgermeisteramt
auf Grund neuer baulicher und hygienischer Bestimmungen angeordnet wurde. Die
Bäder wurden vermutlich 1845 zugeschüttet. Nachdem die Gemeinde in Dezember
1846 ein Haus in der Gillergasse zum Umbau in eine Synagoge erworben hatte,
wurde im Hofraum dieses Gebäudes für 300 Gulden ein neues Badehaus mit einem
rituellen Tauchbecken erstellt. 1881 musste diese Badehaus nochmals durch
einen Neubau ersetzt werden. Die Pläne dieses neuen - im damals modernen
neuislamischen Stil erbauten - Badehauses liegen noch vor. Das Gebäude hatte
eine Grundfläche von 16 am. Das Bad wurde vermutlich über eine Pumpe mit
Grundwasser versorgt. Auch für das neue Bad musste sich die Gemeinde
verschulden: zwei Kredite in Höhe von zusammen 1.100 Mark zur Bestreitung der
Gesamtkosten von 1.637,70 Mark waren aufzunehmen. Wie lange das neue rituelle
Bad benutzt wurde, ist unbekannt. Möglicherweise ist es schon nach 1900 kaum
mehr benutzt worden.
Fotos
(Quelle: obere Zeile aus O. Weber s. Lit. S. 98 und 187
(Foto um 1960 von J. Theison, Haßloch vgl. Literatur; Gedenktafel: Foto von O.
Weber; zweite Zeile Abbildungen zum rituellen Bad aus: J. Theison: Das rituelle
Frauenbad s.Lit. S. 262 und 266)
Die ehemalige
Synagoge
und das israelitische Schulhaus |
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Blick auf den
Bereich Gillergasse um 1960,
links das ehemalige israelitische
Schulhaus mit Lehrerwohnung,
rechts das Synagogengebäude |
Gedenktafel von 1988 für die
Synagoge |
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Standort der
Gedenktafel
von 1984
(Foto: Michael Ohmsen, Anfang 2010) |
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(für
Anfragen zur Verwendung des Fotos: E-Mail
des Fotografen, Fotoseite: www.panoramio.com/user/2867083/tags/Judaica)
Bei dem eingestellten Foto handelt es sich um ein hochauflösendes Foto
(0,7 MB) |
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| Das 1881 erbaute rituelle
Bad |
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"Minderversteigerung"
der Bauarbeiten für
das neue rituelle Badehaus (1881; Anzeige
im
"Anzeiger Neustadt und Umgebung") |
Ansicht des neuen Badehauses
mit seinen
Tür- und Fenstergewänden im
neu-islamischen (maurischen) Stil |
Grundriss des neuen
Badehauses, das auf
einer Grundfläche von 6,40 m mal 2,50 m
gebaut
wurde |
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| Gedenken |
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Tafel mit den
Namen der aus Hassloch
deportierten und ermordeten
jüdischen Personen |
Straßenschild
"Leo-Loeb-Straße" zur Erinnerung
an den 2. Beigeordneten in Haßloch von 1930-1933
(geb. 1881, ermordet 1942 in Auschwitz) |
Hinweis auf die frühere Website
www.juedisches-hassloch.de
Inhalte der nicht mehr bestehenden Website des
Freundeskreises "Jüdische Mitbürger in Hassloch", ehemals
www.juedisches-hassloch.de, sind
teilweise noch zugänglich über das Internet-Archiv der wayback-machine:
https://web.archive.org/web/20160222075716/http://www.juedisches-hassloch.de/
(Stand der Website vom 22. Februar 2016, letzter Bearbeitungsstand)
Die Website wurde bis Ende 2015 vor allem durch Dr. Johannes Theison betreut und
inhaltlich verantwortet. Theison hat über die jüdische Geschichte in Hassloch
publiziert:
Johannes Theison: Jüdisches Leben in Hassloch (Hrsg. vom Freundeskreis
'Heimatmuseum Hassloch'). 1. Auflage 2008, 240 S.
Dr. Theison ist am 5. Juli 2023 gestorben, vgl. Artikel von Gerd-Uwe Haas:
https://www.rheinpfalz.de/lokal/neustadt_artikel,-vers%C3%B6hnung-als-herzensanliegen-_arid,5529481.html
Ein Teil der Inhalte wurde in pdf-Dateien heruntergeladen; sie sind über
die Links der nachstehenden Übersicht einzusehen. Im Internetarchiv sind nicht mehr alle Fotos
erhalten; vor allem nicht die Fotos der Dokumentation der Grabsteine, die auch
bei anderen Versionen der Internetarchivierung von juedisches-hassloch.de nicht erhalten blieben.
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Johannes Theisohn: Die israelitische Volksschule.
Hg. vom Arbeitskreis Heimatmuseum Haßloch. Haßloch 1986 S. 61ff. |
 | ders.: Jüdisches Leben in Haßloch. Broschüre zu Anlass
des 1. Heimattreffens ehemaliger jüdischer Mitbürger in Haßloch im
September/Oktober 1988. Haßloch 1988. |
 | ders.: Das rituelle Frauenbad in Haßloch (nach dem
Rechnungsbuch der israelitischen Kultusgemeinde von 1881) und seine
Vorgänger. In: Alfred Hans Kuby siehe nächster Titel S. 259-272. |
 | Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum
gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20.
Jahrhunderts. 1992. |
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 84. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S.180-181 (mit weiteren Literaturangaben).
|
 | Freundeskreis Heimatmuseum Haßloch (Hrsg.):
Jüdisches Leben in Haßloch. Haßloch 1988. 2008². 240 S. zahlr.
Abb. Reihe: Beiträge zur Geschichte von Haßloch Bd. 9.
mit Beiträgen von Johannes Theison, Hanns Hubach.
Der Beitrag von Hanns Hubach: Zur Baugeschichte der Haßlocher
Synagoge im 19. Jahrhundert. ebd. S. 157-167:
eingestellt als pdf-Datei.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Hassloch Palatinate. Jews are
first mentioned in the early 18th century. In 1843, the community purchased a
building for a Jewish school and later another building for a synagogue. The
Jewish population reached a peak of 128 in 1861, declining to 63 (total 10.463)
in 1933. The Zionists became active in 1913. The Jewish school closed in 1923.
In the first years of Nazi regime, anti-Jewish violence was an isolated phenomen
which most of the local population did not support. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the synagogue and a number of Jewish homes were vandalized.
Most Jews left the town by winter 1940. The last three Jews left the town by
winter 1940. The last three Jews were deported to the Gurs concentration camp on
21 October 1940.

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