Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Haßloch (Kreis Bad Dürkheim) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Haßloch bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1722 werden die Schutzjuden Josel, Löw und Samuel in Haßloch genannt, 1744 sind es die Juden Jessel, Jessel Beer, Schmul, Schammay, Abraham Samuel, Wolf Löw, Jones, Simon Jossel und Juda, die - wahrscheinlich großenteils mit ihren Familien - in Haßloch lebten. 1768 werden 33, 1783 44 jüdische Einwohner am Ort gezählt.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1801 32 jüdische Einwohner (1,1 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 34 (1,1 %), 1821 58, 1825 74 (1,8 %), 1830 90 (in 19 Familien), 1845 103, 1861 128, 1875 100, 1893 102, 1900 76.  
   
1809/10 werden als jüdische Haushaltsvorstände genannt: Marx Behr, Michel Bormann, Friedrich Herz, Peter Herz, Machoel Hirsch, Franz Mayer und Sander Rein. 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (seit 1844 Israelitische Volksschule, Gillergasse 1), ein rituelles Bad (1881 letztmals erneuert) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Von den Lehrern werden genannt: um 1862/65 Lehrer Simon Hecht, um 1870 Lehrer Silbermann, ab ca. 1874 Emanuel Loew bis um 1905 (erstmals genannt bei einer Lehrerkonferenz 1874, in: "Der israelitische Lehrer" von 1894 S. 72; vgl. dazu unten Bericht von 1937 zum 90. Geburtstag seiner Witwe). Der letzte jüdische Lehrer der Gemeinde war von 1906 an David Martin. Die Volksschule wurde 1922 geschlossen, die beiden letzten israelitischen Volksschüler besuchten nun die die protestantische Schule. David Martin blieb als Religionslehrer, Kantor und Schochet in der Gemeinde.
   
Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat in Frankenthal.    
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Emil Hersch (geb. 14.7.1897 in Haßloch, gef. 7.6.1917). Für ihren Kriegseinsatz wurden Richard Hene - Sanitätsgefreiter im 23. bayrischen Infanterie-Regiment - sowie Unteroffizier Ernst Springer, Sohn der Hermine Springer, mit dem "Eisernen Kreuz" (EK II) ausgezeichnet (u.a. in: "Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 18. Dezember 1914 S. 3 und "Das jüdische Echo" vom 29. Januar 1915 S. 29). Für ihren freiwilligen Einsatz als Kriegspflegerinnen im Vereinslazarett in Haßloch erhielten das "König-Ludwig-Kreuz": Betty Kahn, Hermine Springer (Witwe) und Fräulein Anna Loeb (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 4. Januar 1917 S. 6).   
 
Die jüdischen Familien waren im Leben des Ortes völlig integriert. Bekannte Persönlichkeiten der Gemeinde waren u.a. Sanitätsrat Dr. Salomon Hirsch, Gemeinderat als Mitglied der Mittelstandspartei (1909) und Mitbegründer der "Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz" (1913) oder Leo Loeb, Kaufmann, der noch 1930 zum "Ehrenbürgermeister" (3. Bürgermeister) der Gemeinde ernannt worden ist.  
 
Um 1924, als zur Gemeinde noch etwa 75 Personen gehörten, waren die Gemeindevorsteher H. Hene I, Leo Loeb, Salomon Levi und der bereits genannt Hauptlehrer a.D. David Martin. Dieser hat damals zwei jüdischen Kindern den Religionsunterricht erteilt. Inzwischen gehörten auch die in Kallstadt noch lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Haßloch (1924 3 Personen). 1932 waren die Gemeindevorsteher H. Hene I (1. Vors.), Leo Loeb (2. Vors.) und Arthur Gebhardt (3. Vors.). Schriftführer, Lehrer und Kantor der Gemeinde war weiterhin der als "Hauptlehrer a.D." genannte David Martin. Im Schuljahr 1931/32 unterrichtete er vier Kinder im Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es u.a. den Israelitischen Frauenverein (1932 unter Leitung der Frau von H. Springer; Zweck und Arbeitsgebiet: Armenunterstützung).      
  
1933 lebten noch etwa 65 jüdische Personen in Haßloch. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1934 wurden 46, 1936 42, 1938 29 und 1939/40 noch drei jüdische Einwohner gezählt: die Letzeren wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Zwei Jahre zuvor war beim Novemberpogrom 1938 die Synagoge der Gemeinde geschändet und verwüstet worden (s.u.). Auch jüdische Wohnungen und Geschäfte wurden überfallen und demoliert, die Geschäfte geplündert. 
  
Von den in Haßloch geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Elisabeth Adler geb. Westheimer (1896), Amanda Auguste Bohrmann (1882), Dina Bohrmann (1875), Pauline Wilhelmine Bohrmann (1874), Rosel (Rosa) Gebhardt geb. Haas (1892), Isidor Hene (1885), Johanna Hene geb. Wolf (1886), Sigmund Hene (1894), Sonia Hene (1932), Herrmann (Hermann) Hersch (1873), Anna Hirsch geb. Loeb (1899), Siegmund (Sigmund) Hirsch (1884), Flora Klein (1877), Betty Kuhn geb. Loeb (1876), Maximilian (Max) Kuhn (1874), Salomon Levy (1872), Anna Löb geb. Westheimer (1885), Leo Löb (1881), Lilly (Lilli) Löb geb. Muhr (1888), Otto Löw (1876), Franziska Mandel geb. Loew (1882), Jenny Marx geb. Bohrmann (1887), Leopold Mayer (1863), Elisabeth Stern geb. Kuhn (1888).      
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet    

Es wurden noch keine Ausschreibungen der Stelle gefunden. 

    
Um 1862/65: Lehrer S. Hecht in Hassloch 
Anmerkung: es handelt sich um Lehrer Simon Hecht (geb. 9. März 1825 in Nordheim [1825 lt. Geburtseintrag nach Angaben von E. Böhrer; auf Grabstein 1828]), der am Israelitischen Lehrerseminar in Würzburg studiert hatte; er war nach seiner Entlassung aus Sulzdorf Lehrer in Weimarschmieden, Kraisdorf, 1852-53 Ritzebüttel (Cuxhaven), 1856 Jever und 1857-60 Münchweiler. Nach Münchweiler war er noch Lehrer in Hassloch. Als solcher wird er in jüdischen Periodika zwischen 1862 und 1865 genannt. Etwa drei Jahre nach dem Tod seines Bruder Dr. Emanuel Hecht (Hoppstädten, 1862) ist Simon Hecht - vermutlich noch 1865 - nach Amerika ausgewandert und war in Evansville, Indiana als "Reverend" und "Rabbi" der jüdischen Gemeinde Bnai Israel tätig (Foto der 1866 eingeweihten Synagoge http://www.evansvilleago.org/organs/evv_bnai_Israel.htm). Eine seiner ersten Amtshandlungen in der Synagoge Bnai Israel war eine Hochzeit am 18. Oktober 1866 (Quelle S.8). 1868 erschien in Evansville von Salomon Herxheimer und Simon Hecht: "Der israelitische Confirmand oder: Glaubens- und Pflichtenlehre für den Schul- und Privatgebrauch in Reformgemeinden". Zahlreiche weitere Publikationen folgten, u.a. in der Zeitschrift "Die Deborah". 1878 erschien die Sammlung von "Jewish Hymns for Sabbath Schools and Families".  
Über Simon Hecht vgl. u.a. https://hdbg.eu/biografien/detail/simon-hecht/10240, dazu:  
Judah M. Cohen: Jewish Religious Music in Nineteenth-century America. Buch erschien Indiana University Press 2019  https://www.amazon.com/Jewish-Religious-Music-Nineteenth-Century-America/dp/0253040213. Vgl. in diesem Buch u.a. die Anmerkungen auf der verlinkten Seite zu Beiträgen von Simon Hecht.
Simon Hecht starb am 17. März 1908 und wurde im Rose Hill Cemetery in Evansville beigesetzt: Grab siehe https://de.findagrave.com/memorial/11252550/simon-hecht
.- 

Lehrer Hecht war als Lehrer in Haßloch um 1862 Teilnehmer bei Lehrerkonferenzen und bringt sich mit Beiträgen ein:
- bei der Versammlung in Neustadt an der Weinstraße am 9. Mai 1862: Bericht in "Der Israelitische Lehrer" vom 15. Juni 1862 mit Beitrag von Lehrer Hecht S. 89
- bei der 3. Konferenz israelitischer Pfälzer Lehrer in Neustadt an der Weinstraße am 13. Oktober 1862: Bericht in "Der Israelitische Lehrer" vom 15. Dezember 1862 mit Beiträgen von Lehrer Hecht S. 182 und 185
Lehrer Hecht setzt sich mit Rabbiner und Prediger Simon Alexander aus Pleß auseinander: Offener Brief an Simon Alexander in Pleß in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. April 1865 S. 222 (hier als "S. Hecht, Haßloch" genannt); Antwort von Simon Alexander in: "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 2. Mai 1865 S. 282.
Danach gibt es zu Haßloch keine weiteren Mitteilungen zu Lehrer Simon Hecht.

  
Lehrer Hecht vertreibt Bücher für Unterrichtszwecke (1862)    
Anmerkung: Der Vertrieb von Büchern des verstorbenen Lehrers Hecht weist auch darauf hin, dass der Haßlocher Lehrer identisch ist mit Simon Hecht in Münchweiler, da dieser 1859 von Münchweiler aus gleichfalls die hebräischen Fibeln von Emanuel Hecht (vgl. zu Hoppstädten) angeboten hat, siehe Seite zu Münchweiler

Artikel in "Der Israelitische Lehrer" vom 1. September 1862: "Aus der Pfalz, Nachdem die Hästers'sche Fibel und das Lesebuch für die Mittelklasse, vom verstorbenen Lehrer Hecht für jüdische Schulen bearbeitet, in zweiter Auflage erschienen ist, wird nun auch das Lesebuch für die Oberklasse in zweiter Auflage (ist bereits schon im Drucke) erscheinen. Die Häster'schen Lesebücher sind vom bayr. Staatsministerium als vorzüglich empfohlen und wird für die israelitischen Schulen Bayerns eine besondere Ausgabe veranstaltet, in welcher die bayerische Geschichte und Geographie entsprechende Berücksichtigung findet. Der Zenta uRena, (zum Vortrag in Chebras (= Vereinen) sich eignend), kann durch Vermittlung des Lehrers Hecht in Haßloch vorteilhaft bezogen werken."   
Anmerkungen: - die genannte Haesters'sche Fibel meint die 1852 erstmals von Albert Haesters (1812-1883) erschienene "Fibel oder der Schreib-Lese-Unterricht für die Unterklassen der Volksschule. Erschien über viele Jahrzehnte. Bis 1902, als nach 50 Jahren die 1.235. Auflage erschien, wurden etwa 3,7 Millionen Exemplare gedruckt.  
- zu Zena uRena siehe   https://de.wikipedia.org/wiki/Ze'enah_u-Re'enah      

       
Um 1870: Lehrer Silbermann 
Als Lehrer in Haßloch wird er in der Mitteilung zu einer Spendensammlung 1870 genannt, siehe unten. Ansonsten liegen zu Lehrern mit dem Familiennamen Silbermann nur wenige Informationen vor. 1869 wird ein "Lehrer Silbermann" in Gochsheim genannt (Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1869, Ergebnis einer Spendensammlung in der "Extra-Beilage" S. 2).
Doch dürfte dies ein anderer Lehrer Silbermann als in Haßloch sein, weil in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1870 auch "Lehrer Silbermann" in einer weiteren Spendenliste aus Gochsheim erscheint.
1912 starb in Karbach Lehrer Samuel Silbermann, der im November 1853 geboren ist; er war aber zu jung, um 1870 in Haßloch oder Gochsheim als Lehrer tätig zu sein.
1869 wird Lehrer Simon Silbermann in Gauersheim genannt; von 1892 bis etwa 1920 war ein Lehrer Simon Silbermann in Kirchheimbolanden tätig (u.a. "Israelitisches Familienblatt" vom 30. Mai 1912). 
     
      
     
Die israelitische Lehrerstelle ist "durch große Opfer der Gemeinde" gesichert (1908) 

Edenkoben Israelit 18061908.jpg (127610 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1908: "Kaiserslautern, 29. Mai (1908). Die freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz hielt gestern hier im Lokale der Julius Plotke-Loge ihre Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende Lehrer Waldbott in Speyer eröffnete die Versammlung, die von etwa 30 Mitgliedern besucht war, mit Dankesworten an die Verwaltung der Loge für die Überlassung ihres Lokales zur Abhaltung der Versammlung, begrüßte alsdann die anwesenden Vertreter der Loge, sowie der israelitischen Kultusgemeinde Kaiserslautern, welche durch den Bezirksrabbiner Dr. Landsberg und ein Vorstandsmitglied vertreten war. Das Andenken der im Laufe des Vereinsjahres verstorbenen Kollegen Eigner - Oberlustadt und Weil - Edenkoben ehrten die Anwesenden durch Erheben von den Sitzen. Rechtsanwalt Dr. Rheinheimer begrüßte hierauf die Versammlung im Namen der Julius Plotke-Loge, Bezirksrabbiner Dr. Landsberg namens der Israeliten-Gemeinde. Der Jahresbericht der Vorsitzenden erwähnte zunächst die Umwandlung der israelitischen Lehrerstelle in Edenkoben in eine Verweserstelle, was weder den Interessen noch den Erwartungen der israelitischen Lehrer der Pfalz entspreche. Die Erhaltung der israelitischen Lehrerstelle in Haßloch sei durch große Opfer der dortigen Synagogengemeinde erfreulicherweise gesichert. Dagegen harren die Verhältnisse in Kaiserslautern noch immer der definitiven Entscheidung..."   

      
Zum Tod von Hauptlehrer i.R. David Martin (1938)     
Anmerkung: David Martin wurde 1906 (nicht 1901 wie in "Jüdisches Hassloch" angegeben) Lehrer an der israelitischen Volksschule in Haßloch, davor - bis 1906 - war er noch Lehrer in Göllheim. Er war verheiratet mit Betty geb. Grünewald, mit der er eine Tochter Ruth hatte. Ruth ist 1926 gestorben, seine Frau Betty 1929.  

Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. Juni 1938:  "Am 13. April verschied nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden Hauptlehrer Martin aus Haßloch.  
Am 20.9.1875 in Cronheim, Mittelfranken geboren, hat er nach einjähriger Dienstzeit in Burghaslach 30 Jahre lang in der Pfalz gewirkt. Nachdem er fünf Jahre in Edesheim und fünf Jahre in Göllheim verbrachte, hat er die letzten zwanzig Jahre, der ihm liebgewordenen Gemeinde Haßloch gedient. Von lebensfroher Art und aufrichtiger, stets gründlicher Gesinnung hat er sich bei allen, die ihn kannten, Verehrung und Liebe erworben. - Wir betrauern seinen Heimgang und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Sein Andenken sei zum Segen. 
Freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz."    
 
Artikel in den "Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern" vom 15. Mai 1938: "Vereinsmitteilungen.
Kaum hatte sich das Grab über unseren lieben Kollegen Heinrich Eisfeld s.A., dem wir ja in der letzten Nummer unserer Mitteilungen einige Worte des Gedenkens widmen konnten, geschlossen, als uns schon wieder eine neue Trauernachricht erreichte. David Martin (Haßloch) ist nicht mehr. Am 13. April wurde er vom schweren Leiden im Alter von 63 Jahren erlöst.
David Martin, geboren 1875 in Cronheim. erhielt seine Lehrerausbildung in Schwabach und war als Volksschullehrer in den pfälzischen Gemeinden Edesheim, Göllheim und Haßloch tätig. In der letztgenannten Gemeinde war er 30 Jahre. Die dortige Volksschule wurde 1923 aufgelöst und Martin verblieb als Religionslehrer auf seinem Posten. Ein tüchtiger Lehrer und ein gütiger Mensch ist mit ihm dahingegangen. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten."   

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    

Ergebnisse von Spendensammlungen in der Gemeinde (1870)   
Anmerkung: In jüdischen Gemeinden wurden regelmäßig Spendensammlungen für unterschiedliche Zwecke durchgeführt und die Ergebnisse immer wieder in jüdischen Periodika veröffentlicht.  

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. April 1870 - Sammlung "Für die Notleidenden im Heiligen Land": "Durch Lehrer Silbermann in Haßloch (Pfalz): S. Klaus 1 fl. 10 kr., S. Freundlich 18 kr.,  Abraham Herz; 12 kr., Leopold Bohrmann 1 fl, Ferdinand Herz 12 kr., Moses Kahn 12 kr., J. Mayer 30 kr., M. Hersch 12 kr., J. Hersch 12 kr., A. Mayer 18 kr., L. Bloch 18 kr., Aron Bloch 18 kr., B. Bohrmann 1 fl., J. Elbert 12 kr., S. Bodenheimer 18 kr., S. Gebhardt 12 kr.. A. Elbert 18 kr., Joseph Gebhardt 18 kr., Jsac Hene 12 kr., Moses Gebhardt 18 kr., zusammen 7 fl 40 kr."     

   
Ein antisemitischer Vorfall wird bestraft (1936!)  

Hassloch Israelit 30011936.jpg (99616 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1936: "Landau, 15. Januar (1936). Nach einem Bericht der Zeitung 'Der Rheinpfälzer' in Landau (Pfalz) hatten sich zwei Angeklagte vor dem Amtsgericht wegen schwerer Körperverletzung, Bedrohung und groben Unfugs zu verantworten. Der eine von ihnen fuhr im August mit der Bahn von Neustadt nach Haßloch. Im gleichen Wagen saß ein jüdischer Viehhändler aus Haßloch, und der eine Angeklagte ließ sich hinreißen, durch Worte wie Aufhängen, Hals abschneiden usw., den Juden zu bedrohen. Beim Aussteigen gab es ihm noch einen Fußtritt, sodass der Jude hinfiel. Am gleichen Abend gingen beide Angeklagte vor das Anwesen des Juden und dessen Schwiegervaters und schlugen dort Krach, sodass die Polizei einschreiten musste. Der Staatsanwalt geißelte das Vorgehen des Hauptangeklagten schwer, weil er mit dem Juden in Geschäftsverbindungen stand und noch immer finanzielle Verpflichtungen an ihn hat, besonders aber auch deshalb, weil ein solches Vorgehen eines Einzelnen nichts nütze. Das Urteil lautete gegen den einen Angeklagten auf drei Monate Gefängnis, die jedoch auf die verbüßte Schutzhaft nicht angerechnet wurden. Der andere Angeklagte wurde freigesprochen".   
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 22. Januar 1936:  
Derselbe Bericht wie oben.    
Ähnlich die Berichte in der "Jüdischen Rundschau" vom 17. Januar 1936, im "Israelitischen Familienblatt" vom 23. Januar 1936 und in der "Jüdischen Allgemeinen Zeitung" vom 22. Januar 1936.

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Vizew. Springer wird zum Leutnant befördert (1918)  

Anmerkung: es handelt sich um Ernst Springer, Sohn von Hermine Springer, die früh verwitwete Tochter von Abraham Kuhn und Schwester von Max Kuhn. Ihr Vater Abraham Kuhn starb 1934. Im Jahr darauf 1935 zog Hermine Springer zu ihren Kindern Ernst Springer und Elvira Oppenheimer geb. Springer (1897-1992) nach Wiesbaden. Elvira war seit 1920 verheiratet mit Maximilian (Max, 1893-1976). Die beiden hatten zwei Söhne. 1938/39 emigrierten die Familien Springer und Oppenheimer in die USA. Vgl. Seite zu Familie Hermine Springer - Langgasse 130 in Hassloch: Eingestellt als pdf-Datei.

Hassloch FrfIsrFambl 13091918.jpg (23072 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. September 1918: "Haßloch. Vizefeldweber Springer, Sohn der Frau Hermine Springer Witwe, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse und des Militär-Verdienstkreuzes 2. Klasse mit Schwertern, wurde zum Leutnant befördert."    
 
 Grab von Max Oppenheimer und Elvira geb. Springer, siehe https://de.findagrave.com/memorial/118420293/maximilian-oppenheimer#view-photo=92133475        

  
Leo Löb wird Ehrenbürgermeister (1930)  

Hassloch JuedlibZtg 05021930.jpg (49083 Byte)Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 5. Februar 1930: "Haßloch. (Jüdischer Ehrenbürgermeister). Bei der vor einigen Tagen in Haßloch (Rheinpfalz) stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde, wie wir der Ita entnehmen, der Kaufmann Leo Loeb von allen bürgerlichen Parteien einstimmig zum zweiten Ehrenbürgermeister gewählt. Herr Loeb gehört auch dem Synagogenrat als zweiter Vorsitzender an. Er wurde 1881 zu Haßloch als Sohn des Kultusvorstandes Louis Loeb geboren."  
  
Hassloch Israelit 06021930.jpg (33481 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Februar 1930: "München. Bei der vor einigen Tagen in Haßloch (Rheinpfalz) stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde der Kaufmann Leo Loeb von allen bürgerlichen Parteien einstimmig zum zweiten Ehrenbürgermeister gewählt. Herr Loeb gehört auch dem Synagogenrat zu Haßloch an."  
 
Leo_Loeb.jpg (1550321 Byte)Links: Leo Loeb (geb. 1881, 1930-1933 2. Beigeordneter / Ehrenbürgermeister in Haßloch), 1942 in Auschwitz ermordet).
An ihn erinnert in Haßloch die Leo-Loeb-Straße.    
Leo Loeb war Inhaber des Konfektionsgeschäftes Loeb in der Langgasse 96. Das Geschäft wurde von seinem Großvater Lazarus Loeb (1822-1881) um 1848 durch Einheirat gegründet und zunächst von seinem Sohn Louis Loeb (1849-1921, verheiratet mit Frieda geb. Tuteur, vier Kinder: Betty, Leo, Anna und Lucia) weitergeführt, bis es Leo Loeb (verheiratet seit Oktober 1911 mit Lilly geb. Muhr) übernahm und erfolgreich weiterführte. Sein Sohn Werner D. Loeb (1912-2006) wollte das Geschäft übernommen, wenn es nicht in der NS-Zeit hätte aufgegeben werden müssen. Sohn Werner Loeb ist 1935 nach Frankreich emigriert. Am 10. November 1938 wurden Leo und Lilly Loeb aus Haßloch ausgewiesen und nach Wiesbaden gebracht. 1942 wurden beide in Auschwitz ermordet. Vgl. Beitrag aus "Jüdisches Hassloch" zu Familie Loeb.    
Hinweise: In der Zeitschrift "Im deutschen Reich" vom Dezember 1913 S. 572 wird Leo Loeb schon als "Synagogenvorstand" in Haßloch bezeichnet. Im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. Oktober 1936 wird auf die silberne Hochzeit von Leo Loeb und Frau Lilli geb. Muhr am 11. Oktober 1936 hingewiesen. 
Nach dem "Jüdischen Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. Oktober 1938 S. 7 war Leo Loeb Vertreter der jüdischen Gemeinde Haßloch bei der Rabbinatsbezirks-Versammlung am 31. August 1938 im Gemeindezimmer der Synagoge Bad Dürkheim.

      
90. Geburtstag der Frau des ehemaligen Lehrers Emanuel Loew (1937)  

Hassloch Israelit 29071937.jpg (50703 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juli 1937: "Bad Dürkheim, 27. Juli (1937). Am Schabbos Nachmu feierte Frau Loew, die Gattin des ehemaligen Lehrers und Chason Em. Loew, früher Haßloch (Pfalz), die jetzt bei ihrer verheirateten Tochter, Frau Mandel in Bad Dürkheim, lebt, in voller geistiger und körperlicher Frische ihren 90. Geburtstag. Frau Loew ist eine allseits beliebte Persönlichkeit, die sich durch frommes Wesen und große Wohltätigkeit auszeichnete. Wir wünschen der Jubilarin einen weiteren ungetrübten Lebensabend. Alles Gute bis 120!"

 
Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen  

- 1749 starb in Heidelberg nach dem Memorbuch der Gemeinde Esther, Tochter des Schmul Haßloch, die dritte Frau von Löb Dinkelspiel, Sohn des Mosche (gestorben 1785) (in: "Jüdische Familienforschung" 12 1925 S. 87).
- 1875 (in "Rechenschafts-Bericht des Lehrerunterstützungsvereins Achawa" - Elfter Rechenschaftsbericht für das Verwaltungsjahr 1875 (1876) S. 11)": Genannt wird eine Spende an den Verein durch Herrn Levi in Hassloch bei der Hochzeit seiner Tochter Elise Levi (Haßloch) mit Joseph Cramer in Speyer.   
- 1879/1881 bei verschiedenen Berichten über Spenden für bestimmte Zwecke aus den Gemeinden wird (großenteils nur) S. Klaus aus Haßloch genannt (u.a. in "Der Israelit" von 30. November 1881 S. 4). 
- 1907: Verlobung von Emilie Loew (Hassloch) mit Heinrich Levy (Homburg) (Mitteilung in: "Der Israelit" vom 11. Juli 1907 S.8).
- 1920: Hartwig Herzog (geb. 4. Oktober 1849 in Hassloch), Mitglied der Dalberg-Loge Worms seit dem 21. Januar 1912, starb am 15. März 1920 (in: "Bericht der Großloge für Deutschland 1920 Nr. 6/7 - August/September)
- 1922: In der Verbindung "Licaria, München" meldet sich aktiv: stud.chem. Walter Hene aus Haßloch (Pfalz) (in: KC-Blätter Heft 5-6 / Mai 1922 S. 51).
- 1929: Dr. Salomon Hirsch in Haßloch erhielt den Titel "Sanitätsrat" (in: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" vom 1. Januar 1929 S. 10).
- 1929: Fanny Kuhn geb. Kaufmann (Witwe) in Hassloch feiert am 14. Juni 1929 ihren 86. Geburtstag (Mitteilung in "Israelitische Familienblatt" vom 31. Mai 1934)  .
- 1931: Heirat von Heddy Strauß (Simmern, Hunsrück) mit Sally Elikann (Mitteilung in "Israelitisches Familienblatt" vom 8. Januar 1931).
- 1934: Fanny Kuhn geb. Kaufmann in Hassloch feiert ihren 91. Geburtstag (Mitteilung in "Israelitische Familienblatt" vom 31. Mai 1934).
- 1938: Richard Hene aus Haßloch verstarb im Alter von 46 Jahren (Mitteilung in: "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. Juli 1938 S. 6). 

   
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeigen von A. Kuhn, Manufakturwarengeschäft (1924 / 1926) 
 
Anmerkung: Abraham Kuhn hatte ein Manufakturwarengeschäft in der Langgasse 130. Er ist 1934 gestorben. 

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 28. Februar 1924: "Stütze
für Manufakturwarengeschäft an kleinem Platz gesucht. Familienanschluss, Kost, Wohnung. Ausführliche Angebote an
A. Kuhn, Haßloch
(Pfalz)."    
 
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 29. Oktober 1926: "Für Manufakturwarengeschäft junges Mädchen
aus gutem Hause gesucht. Branchekenntnisse erforderlich, Nähkenntnisse erwünscht. Wohnung und Verpflegung im Hause. Offerten an 
A. Kuhn, Haßloch (Pfalz)." 

   
    
  
 
Zur Geschichte der Synagoge       
   
Anfang des 19. Jahrhunderts war eine Synagoge unbekannten Baujahres vorhanden. Sie war im oberen Stock im hinteren Bereich eines ganz aus Holz erbauten Privathauses (von Jakob Lützel) eingerichtet. Im Erdgeschoss unter der Synagoge befand sich ein Kuhstall.   
 
1835 waren dringende Reparaturen am Synagogengebäude durchzuführen, die jedoch auf Dauer das Gebäude nicht retten konnte. 1843 wurde vom Königlichen Landkommissariat in Neustadt erstmals die Schließung wegen Baufälligkeit angedroht, im Oktober 1846 wurde die weitere Benutzung verboten, da die Balken morsch, die Dachpfetten und Stirnbalken durchbrochen und nur noch mit Eisenklammern notdürftig zusammengehalten würden. Der Bezirksbauschaffner Jung" hatte mit Datum vom 16. Juli 1846 ein Gutachten "Die Baufälligkeit der Synagoge zu Haßloch betreffend" erstellt, das Königliche Landkommissariat daraufhin eine Benutzung bis höchstens zum Laubhüttenfest genehmigt. 
  
Im Dezember 1846 kaufte die Kultusgemeinde ein Haus in der Gillergasse (Brauch'sches Haus in der "Gillergaß No. 946"), das zwar reparaturbedürftig war, aber sich zum Einbau einer Schule und eines Betsaales durchaus eignete. Die Gemeinde hatte 900 Gulden für den Kauf des Hauses zu bezahlen. Noch vor der Reparatur des Gebäudes wurde im Hofraum desselben eine neue Mikwe angelegt. Um die Mikwe erstellen und das gekaufte Haus umbauen zu können, musste ein Kredit über 1.100 Gulden aufgenommen werden, mit dessen Rückzahlung die Gemeindeglieder jahrelang zu tun hatten. Das frühere Brauch'sche Haus wurde umgebaut: im Erdgeschoss wurden Schulsaal, Lehrerwohnung sowie eine "Mietwohnung" eingerichtet, im Obergeschoss der Betsaal. Möglicherweise noch im Dezember 1846 konnte die neue Synagoge bezogen werden, da die Gemeinde im Dezember 1911 das 75-jährige Synagogen-Jubiläum feierte. 
   
75-jähriges Synagogenjubiläum (1911)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Januar 1912: "Am 30. Dezember 1911 feierte die israelitische Gemeinde in Haßloch (Pfalz) das 75-jährige Synagogenjubiläum. Die Feierlichkeit leitet Herr Rabbiner Dr. Holzer aus Worms."      

Um 1865 plante der Synagogenvorstand eine Erweiterung der Synagoge, um eine Art Frauen-Synagoge mit eigenem Zugang zu verschaffen. Gegen diese Pläne gab es in der Gemeinde jedoch erheblichen Widerspruch, vor allem auf Grund der fehlenden Finanzmittel. 
  
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Neubau einer Synagoge geplant. Zunächst wurden Gelder für den Erwerb eines Grundstückes gesammelt. Das Gemeindeglied Theodor Levi versuchte, durch einen Zigarren-Sonder-Verkauf an Spenden für den guten Zweck zu kommen:  
       
Zigarren-Verkauf zugunsten des Ankaufs eines Grundstückes für die Synagoge (1904) sowie Neubau eines Schulgebäudes (1909)    

Hassloch FrfIsrFambl 22011904.jpg (87995 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Januar 1904: "Nicht übersehen! 
Zigarren-Versand von Theodor Levi
, Hassloch (Rheinpfalz).  
Der Reingewinn vom Versand meiner Zigarren, aus edelsten Tabaken fabriziert, soll Verwendung finden zum Ankauf eines Grundstückes zur Erbauung eines Synagoge am hiesigen Platze. - Ein Opfer bringt jeder Raucher, mich durch Bestellung in meinem Vorhaben zu unterstützen und spart trotzdem noch Geld gegenüber dem Einzelkauf. Lasse mir jeder, der diese Zeitung liest, Aufträge für den Zweck zukommen und lasse sich Jeder zur Pflicht dienen, auch Andere zu Bestellungen anzueifern. 
Ich versende: 100 Stück 7er zu 6 Mark  usw.  
ab Haßloch unter Nachnahme oder Voreinsendung des Betrages. 
Hochachtend! Theodor Levi."   
 
Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 24. Juni 1909: "Haßloch (Pfalz). (Neues Kultusgebäude.) Zu einer Zierde unseres Ortes gereicht das neu erbaute israelitische Kultusgebäude, das als Schulsaal und Lehrerwohnung dienen soll. Auch gedenkt die hiesige israelitische Kultusgemeinde — wenn die Mittel flüssig sind — eine neue Synagoge zu erbauen." 
Anmerkung: gemeint ist der Neubau des Israelitischen Schulgebäudes in der Gillergasse 1.  

Es blieb bei den Plänen für einen Synagogen-Neubau, die wohl vollends durch den Ersten Weltkrieg und die Inflationszeit zerschlagen wurden. Die alte Synagoge blieb Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am Ort bis 1938.      
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und stark beschädigt. Das Gebäude sollte zudem niedergebrannt werden, doch scheiterte zweimal der Versuch der Brandstiftung: beim ersten Versuch erlosch das Feier nach kurzer Zeit von selbst, beim zweiten Versuch löschte ein Nachbar das Feuer, da er Angst um seine in der Nachbarschaft stehende Scheune hatte. Die Inneneinrichtung war jedoch völlig zerstört. 
 
Das Synagogengebäude wurde im März 1939 an einen Tanzlehrer verkauft. Um 1950 kam des mit dem danebenstehenden Schulgebäude durch Rückübertragung wieder in den Besitz der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz. 
  
1950 fand ein Prozess vor dem Schwurgericht Frankenthal gegen Beteiligte am Novemberpogrom 1938 statt. Dabei wurden die angeklagten Personen zu geringen Haftstrafen verurteilt.
  
Das ehemalige Synagogengebäude musste 1978 abgerissen werden, da es beim Abbruch eines Nachbarhauses stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. Das Grundstück wurde 1979 an Privatleute verkauft. 1984 wurde am ehemaligen jüdischen Schulhaus eine Gedenktafel angebracht mit der Inschrift: "Hier befand sich bis zur Schändung durch die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9./10. November 1938 die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Haßloch. Mit ihrer Zerstörung und der darauf folgenden Deportation unserer jüdischen Mitbürger endete jegliches jüdische Leben in unserem Ort. Diese Tafel soll zur Erinnerung für die Lebenden und zur Mahnung der kommenden Generation sein."    
    
    
Adresse/Standort der Synagoge    Gillergasse 2        
  
Hinweis zum rituellen Bad (nach dem Beitrag von Johannes Theisohn s.u.):  1844 werden sogenannte "Kellerquellenbäder", die von Grundwasser gespeist wurden, in den Häusern von Jacob Bohrmann und Alexander Mayer genannt, deren Schließung vom Landkommissariat und vom Bürgermeisteramt auf Grund neuer baulicher und hygienischer Bestimmungen angeordnet wurde. Die Bäder wurden vermutlich 1845 zugeschüttet. Nachdem die Gemeinde in Dezember 1846 ein Haus in der Gillergasse zum Umbau in eine Synagoge erworben hatte, wurde im Hofraum dieses Gebäudes für 300 Gulden ein neues Badehaus mit einem rituellen Tauchbecken erstellt. 1881 musste diese Badehaus nochmals durch einen Neubau ersetzt werden. Die Pläne dieses neuen - im damals modernen neuislamischen Stil erbauten - Badehauses liegen noch vor. Das Gebäude hatte eine Grundfläche von 16 am. Das Bad wurde vermutlich über eine Pumpe mit Grundwasser versorgt. Auch für das neue Bad musste sich die Gemeinde verschulden: zwei Kredite in Höhe von zusammen 1.100 Mark zur Bestreitung der Gesamtkosten von 1.637,70 Mark waren aufzunehmen. Wie lange das neue rituelle Bad benutzt wurde, ist unbekannt. Möglicherweise ist es schon nach 1900 kaum mehr benutzt worden.   
    
    
    
Fotos        
(Quelle: obere Zeile aus O. Weber s. Lit. S. 98 und 187 (Foto um 1960 von J. Theison, Haßloch vgl. Literatur; Gedenktafel: Foto von O. Weber; zweite Zeile Abbildungen zum rituellen Bad aus: J. Theison: Das rituelle Frauenbad s.Lit. S. 262 und 266)

Die ehemalige Synagoge 
und das israelitische Schulhaus
Hassloch Synagoge 110.jpg (89766 Byte) Hassloch Synagoge 120.jpg (122074 Byte)
   Blick auf den Bereich Gillergasse um 1960,
 links das ehemalige israelitische Schulhaus mit Lehrerwohnung,
 rechts das Synagogengebäude
Gedenktafel von 1988 für die Synagoge
   
          
Standort der Gedenktafel 
von 1984 
(Foto: Michael Ohmsen, Anfang 2010) 
Hassloch Synagoge 410.jpg (302093 Byte)
   (für Anfragen zur Verwendung des Fotos: E-Mail des Fotografen, Fotoseite: www.panoramio.com/user/2867083/tags/Judaica)   
Bei dem eingestellten Foto handelt es sich um ein hochauflösendes Foto (0,7 MB
)   
     
Das 1881 erbaute rituelle Bad     
Hassloch Mikwe 188101.jpg (79015 Byte) Hassloch Mikwe 188102.jpg (138373 Byte) Hassloch Mikwe 188103.jpg (117299 Byte)
"Minderversteigerung" der Bauarbeiten für
 das neue rituelle Badehaus (1881; Anzeige 
im "Anzeiger Neustadt und Umgebung") 
Ansicht des neuen Badehauses mit seinen
 Tür- und Fenstergewänden im
 neu-islamischen (maurischen) Stil  
Grundriss des neuen Badehauses, das auf 
einer Grundfläche von 6,40 m mal 2,50 m
 gebaut wurde  
     
Gedenken   Hassloch Gedenktafel 020.jpg (170541 Byte)  Hassloch Leo-Loeb-Strasse 010.jpg (198169 Byte)
  Tafel mit den Namen der aus Hassloch
 deportierten und ermordeten
 jüdischen Personen  
Straßenschild "Leo-Loeb-Straße" zur Erinnerung 
an den 2. Beigeordneten in Haßloch von 1930-1933
 (geb. 1881, ermordet 1942 in Auschwitz)  

       
Hinweis auf die frühere Website www.juedisches-hassloch.de      
    
Inhalte der nicht mehr bestehenden Website des Freundeskreises "Jüdische Mitbürger in Hassloch", ehemals www.juedisches-hassloch.de, sind teilweise noch zugänglich über das Internet-Archiv der wayback-machine: https://web.archive.org/web/20160222075716/http://www.juedisches-hassloch.de/ (Stand der Website vom 22. Februar 2016, letzter Bearbeitungsstand)  
Die Website wurde bis Ende 2015 vor allem durch Dr. Johannes Theison betreut und inhaltlich verantwortet. Theison hat über die jüdische Geschichte in Hassloch publiziert:
Johannes Theison: Jüdisches Leben in Hassloch (Hrsg. vom Freundeskreis 'Heimatmuseum Hassloch'). 1. Auflage 2008, 240 S.
  
Dr. Theison ist am 5. Juli 2023 gestorben, vgl. Artikel von Gerd-Uwe Haas: https://www.rheinpfalz.de/lokal/neustadt_artikel,-vers%C3%B6hnung-als-herzensanliegen-_arid,5529481.html

Ein Teil der Inhalte wurde in pdf-Dateien heruntergeladen; sie sind über die Links der nachstehenden Übersicht einzusehen. Im Internetarchiv sind nicht mehr alle Fotos erhalten; vor allem nicht die Fotos der Dokumentation der Grabsteine, die auch bei anderen Versionen der Internetarchivierung von juedisches-hassloch.de nicht erhalten blieben.    

Allgemeine Texte:
-  Entwicklung der jüdischen Gemeinde Eingestellt als pdf-Datei   
-  Über die Synagoge  Eingestellt als pdf-Datei  
-  Über die israelitische Volksschule  Eingestellt als pdf-Datei 
-  Über die Mikwe   Eingestellt als pdf-Datei  
-  Der jüdische Friedhof nach 1945  Eingestellt als pdf-Datei  
-  Der jüdische Friedhof - Lageplan der Grabsteine   Eingestellt als pdf-Datei 
 
Die jüdischen Familien in Hassloch: 
- Familie Leopold Bohrmann: Michael Bohrmann, Theodor Bohrmann - Kirchgasse 40: Eingestellt als pdf-Datei 

- Familie Hermann Elikann - Langgasse 114: Eingestellt als pdf-Datei       
- Familie Arthur Gebhardt - Pfarrgasse 16:  Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Simon Gebhardt -  Pfarrgasse 16: Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Ludwig Goldschmidt - Langgasse 116: Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Heinrich Hene I - Kirchgasse 25: Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Heinrich Hene II - Langgasse 61:  Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Isidor Hene - Neugasse 67: Eingestellt als pdf-Datei  
- Familie Joseph Hene - Langgasse 150: Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Karl Hene - Langgasse 68:  Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Richard Hene - Kirchgasse 25: Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Sigmund Hene - Langgasse 150: Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Abraham Hersch - Ohliggasse 32: Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Gustav Herz - Kirchgasse 54: Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Dr. Hans Hirsch - Rösselgasse 1:  Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Dr. Salomon Hirsch - Rösselgasse 1: Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Sigmund Hirsch - Kirchgasse 1b: Eingestellt als pdf-Datei
- Frau Pauline Kahn - Bahnhofstraße 1:  Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Abraham Kuhn und Hermine Springer - Langgasse 130: Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Max Kuhn - Langgasse 91:  Eingestellt als pdf-Datei
- Möbellager Max Kuhn - Langgasse 91: Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Salomon Levi - Pfarrgasse 2:   Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Leo Loeb (Konfektionswarengeschäft) - Langgasse 96: Eingestellt als pdf-Datei
- Frau Berta Loeb Langgasse 140:  Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Lehrer David Martin - Gillergasse 1:  Eingestellt als pdf-Datei 
- Familie Karoline und Sara Mané - Neugasse 67: Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Hermine Springer - Langgasse 130:  Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Salomon Westheimer und Karolina Gebhardt - Pfarrgasse 16: Eingestellt als pdf-Datei
- Familie Albert Zander - Gillergasse 38: Eingestellt als pdf-Datei

   


      
Links und Literatur   

Links:  

bulletWebsite der Stadt Haßloch 
bulletWebsite juedisches-hassloch.de (nur über Internetarchiv - wayback-machine: https://web.archive.org/web/20160222075716/http://www.juedisches-hassloch.de/ (Stand der Website vom 22. Februar 2016, letzter Bearbeitungsstand)      

Literatur:  

bulletJohannes Theisohn: Die israelitische Volksschule. Hg. vom Arbeitskreis Heimatmuseum Haßloch. Haßloch 1986 S. 61ff.  
bulletders.: Jüdisches Leben in Haßloch. Broschüre zu Anlass des 1. Heimattreffens ehemaliger jüdischer Mitbürger in Haßloch im September/Oktober 1988. Haßloch 1988.  
bulletders.: Das rituelle Frauenbad in Haßloch (nach dem Rechnungsbuch der israelitischen Kultusgemeinde von 1881) und seine Vorgänger. In: Alfred Hans Kuby siehe nächster Titel S. 259-272. 
bulletAlfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
bulletOtmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 84.  
bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S.180-181  (mit weiteren Literaturangaben).  
bulletFreundeskreis Heimatmuseum Haßloch (Hrsg.): Jüdisches Leben in Haßloch. Haßloch 1988. 2008². 240 S. zahlr. Abb.  Reihe: Beiträge zur Geschichte von Haßloch Bd. 9. 
mit Beiträgen von Johannes Theison, Hanns Hubach
Der Beitrag von Hanns Hubach: Zur Baugeschichte der Haßlocher Synagoge im 19. Jahrhundert. ebd. S. 157-167: eingestellt als pdf-Datei.        

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hassloch  Palatinate. Jews are first mentioned in the early 18th century. In 1843, the community purchased a building for a Jewish school and later another building for a synagogue. The Jewish population reached a peak of 128 in 1861, declining to 63 (total 10.463) in 1933. The Zionists became active in 1913. The Jewish school closed in 1923. In the first years of Nazi regime, anti-Jewish violence was an isolated phenomen which most of the local population did not support. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue and a number of Jewish homes were vandalized. Most Jews left the town by winter 1940. The last three Jews left the town by winter 1940. The last three Jews were deported to the Gurs concentration camp on 21 October 1940.    
        
         

                   
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Stand: 31. Januar 2026