Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mühringen (Stadt Horb am Neckar, Kreis Freudenstadt)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Mühringen wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.      
     
   
  
Übersicht zu den Texten:

bulletAus der Geschichte des Rabbinates (Bezirksrabbinates) in Mühringen 
-  Über Rabbiner David Diespecker und andere Rabbiner des 18. Jahrhunderts in Mühringen (1888) 
 Rabbiner Dr. Wassermann hält eine Probepredigt zur Bewerbung auf das Rabbinat in Kassel (1846) 
Ü
ber eine Dichtung von Rabbiner Dr. Wassermann (1859)   
-  25-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Wassermann (1862)  
-  Publikation von Rabbiner Dr. Wassermann (1863)   
-  Besprechung der Publikation von Rabbiner Dr. Wassermann (1863)  
Rabbiner Dr. Michael Silberstein wechselt von Buttenhausen nach Mühringen (1874)  
Ausschreibung des Rabbinates (1884)  
Abschiedsfeier für Rabbiner Dr. Michael Silberstein (1884)   
Amtseinführung des Bezirksrabbiners Dr. Adolf Jaraczewsky (1884) 
Zum Tod von Sara Weil aus der Rabbinerfamilie Adler (1909)  
Zum Tod des Mühringer, dann Wiesbadener Rabbiners Dr. Michael Silberstein (1910)  
Zum Tod von Rabbiner Dr. Adolf Jaraczewsky (1911)      
bulletAus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
-  Lehrer Löwenthal wechselt von Ernsbach nach Mühringen - Rabbiner Dr. Wassermann wechselt angeblich nach Kasel (1846)   
-  Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Vorbeters (1874)  
-  Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Kantors (1926)  
bullet Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Die Annahme von festen Familiennamen bei den Juden in den Schwarzwaldgemeinden 1827 (Beitrag von Oberlehrer Straßburger 1926)  
-  Staatsbeitrag für die Erwerbung und die Einrichtung von Rabbinerwohnung und Schulhaus (1846)   
-  Bedeutende Stiftung, die auch jüdischen Gemeindegliedern zugute kommt (1881)   
-  Umstrittene Stiftung des Freiherrn von Münch für die Synagoge (1890)    
-  "Brief aus dem Schwarzwald" mit Schilderungen u.a. der jüdischen Gemeinden in Mühringen und Nordstetten (1921)  
bulletÜber das "Schwarzwaldheim" in Mühringen  
Einrichtung einer "Kinder-Pflege der Stuttgart-Loge" (1924)  
Anzeigen des "Schwarzwaldheimes" (1929 / 1930 / 1932)     
-  Anzeigen des "Schwarzwaldheimes" (1936 / 1937)  
Stuttgarter Jugendliche im Schwarzwaldheim in Mühringen (1934)  
Winterferien der Jugend des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten aus Stuttgart im Schwarzwaldheim Mühringen (1935)  
Beitrag von Wolf Berlinger über "Jüdische Jugend im Mühringer Schullandheim" (1934)   
-  Beitrag von Wolf Berlinger über jüdische Schullandheime, darin Näheres zum Schwarzwaldheim in Mühringen (1935)   
bulletBerichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
H
andelsmann Abraham Petersberger von Mühringen hat wertvolle Gegenstände verloren (1826)   
-  Über den aus Mühringen stammenden Sozialistenführer Karl Hirsch (1878) 
Erinnerung an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert - Grabstein für Jacob Neuhauser aus Mühringen in New Orleans (1814-1896)    
-  Raubmord an einer älteren jüdischen Frau (1900) 
-  Sally Schwarz wurde zum Leutnant befördert (1916)  
80. Geburtstag von Alfred Nachmann (1929)   
80. Geburtstag von Witwe Klara Steinharter (1931)  
75. Geburtstag von Hannchen Schwarz geb. Eßlinger (1932)  
70. Geburtstag von Johanna Bach (1931)   
Beitrag von Johanna Bach: "Wozu ein Chanukkaleuchter dienen kann" (1928)  
-  Beitrag von Johanna Bach über "Der Purim am 17. Schewat" (1929)   
Beitrag von Johanna Bach über die "Seelenfeier" (1930)  
Zum Tod von Jakob Schwarz (1934)     
bulletWeitere Dokumente  
- B
rief der Gebrüder Feigenheimer aus Mühringen nach Tuttlingen (1865)   

     
     
Aus der Geschichte des Rabbinates (Bezirksrabbinates) in Mühringen 
   
In Mühringen wirkten folgende Rabbiner:   
1. Frühere Rabbiner (18. bis frühes 19. Jahrhundert) 

-  Elias Weil (1728 bis 1731 Rabbiner in Mühringen und Umgebung; geb. in Haigerloch gest. 1731 in Mühringen): erster bekannter Rabbiner am Ort. 
Nathanael Weil (1745 bis 1750 Rabbiner in Mühringen; geb. 1687 in Stühlingen, gest. 1769 in Rastatt, beigesetzt in Karlsruhe): entstammte einer alten Gelehrtenfamilie; sein Großvater Moses Meier Weil trug den Titel eines Maharam und hatte sich 1672 in Stühlingen niedergelassen und die dortige Synagoge erbaut: kam mit 10 Jahren nach Fürth, um sich den talmudischen Studien zu widmen; von dort siedelte er nach Prag über, wo ein reges jüdisches Geistesleben blühte. Er wurde Schüler des berühmten Leiters der Prager Talmud-Hochschule, Abraham Brod, dessen Unterricht er 18 Jahre lang in verschiedenen Städten genoss (Metz, Offenbach, Prag), bis er nach der Vertreibung der Prager Juden durch Maria Theresia (1744) als Rabbiner nach Mühringen kam. Nach der Zeit in Mühringen von 1750 bis zu seinem Tod 1769 Rabbiner in Karlsruhe, hochangesehener Oberlandesrabbiner der beiden badischen Markgrafschaften (Baden-Baden und Baden-Durlach) in Karlsruhe. Nathanael Weil schrieb einen Kommentar zum Talmud-Kommentar Aschere 'Corvan Nathanael' (gedruckt 1755 in Karlsruhe), der in den geläufigen Talmud-Ausgaben, auch in der berühmten Ausgabe von Rom in Wilna, abgedruckt ist: https://de.wikipedia.org/wiki/Nathanael_Weil.  
Samson Feis, stammte aus Flehingen.
David Diespecker (1771 bis 1778 Rabbiner in Mühringen) = Rabbi (Morenu haRav) David ben Joel Diespeck
Lebensdaten: 1715 Diespeck - 1793 Baiersdorf). David Ben Joel Diespeck lebte nach seinem Studium in Frankfurt kurze Zeit in Bruck, bevor er sich mit Rosel Schnaier, der Tochter Abrahams von Aub und seiner ersten von drei Ehefrauen, in Fürth niederließ. Rosel starb am 8. April 1742 in Fürth. Um seine wachsende Familie zu ernähren, handelte er mit Gold und Juwelen. Laut Rabbiner Adolf Eckstein in seiner 1907 erschienenen 'Geschichte der Juden im Markgrafentum Bayreuth' erlitt David Diespeck 1767 einen großen finanziellen Verlust, als er versuchte, jemandem einen Gefallen zu tun und einen Schuldschein unterzeichnete. Anstatt die Schulden auf irgendeine Weise zu begleichen, verkaufte er all seinen Besitz und zahlte die Schulden bis auf den letzten Pfennig zurück. Er zog nach Mühringen, wo er 1771 zum Bezirksrabbiner im Schwarzwald ernannt wurde. Nachdem er 1778 als Rabbiner der Begräbnisgesellschaft und Leiter der Talmudschule nach Metz berufen worden war (Vorgängerin der Ecole Rabbinique in Paris), zog er schließlich 1784 nach Baiersdorf, wo er bis zum seinem Tod als Landesrabbiner des Fürstentums Bayreuth mit Sitz in Baiersdorf tätig war, und u.a. 'Pardes David', eine Sammlung seiner im Laufe der Jahre gehaltenen Vorträge, veröffentlichte. David Diespecker wurde auf dem jüdischen Friedhof von Baiersdorf beigesetzt.
Literatur: Ilse Vogel: Des Höchsten Liebling, mein Freund. Morenu haRav R'David Diespeck (1715-1793). Eine Biographie und Familiengeschichte. Franconia Judaica Band 9. 2015.
 
Jacob Samuel Schwabacher (Schwiegersohn von David Diespecker). Über Jakob Samuel Schwabacher kam es zwischen den Juden des Rabbinatsbezirks 'Im Schwarzwald' zu Streitigkeiten. Schließlich einigten sich die Hauptkontrahenten Mühringen und Nordstetten dahin, dass Schwabacher jeweils abwechselnd ½ Jahr in einer der beiden Gemeinden wohnen sollte.
Abraham Weil, Enkel von Nathanael Weil (siehe oben), war nur kurze Zeit in Mühringen.     
Abraham Ries (- 1813 Rabbiner in Mühringen), wurde 1813 nach Lengnau berufen.   
Diese Rabbiner prägten Mühringen als eines der wichtigsten jüdischen Zentren Südwestdeutschlands.
  
2. Bezirksrabbiner (19. - Anfang 20. Jahrhundert)   
Vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bezirksrabbinat_Mühringen 
Mit der Neuorganisation der jüdischen Gemeinden in Württemberg entstand 1832 als einer der damals gebildeten 13 Bezirksrabbinate in Württemberg das Bezirksrabbinat Mühringen. Es umfasste die Gemeinden Mühringen, Rexingen, Baisingen, Unterschwandorf, Wankheim, Nordstetten, später auch Horb und Tübingen.
  
Die Amtsinhaber waren:  
Gabriel Adler (1813 bis 1834, ab 1835 Rabbiner in Oberdorf bis zu seinem Tod 1859) (geb. 1788 Hannover): aus der Frankfurter Rabbiner-Familie Adler, Sohn des Landesrabbiners Markus Adler in Hannover (1757 Frankfurt - 1834 Hannover), verwandt mit dem Chief Rabbi Dr. Nathan Marcus Adler in London (1845-1890, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Nathan_Marcus_Adler). Der Freiherr von Münch hatte die Wahl Adlers durch die jüdische Gemeinde Mühringen angefochten und sein vermeintliches Präsentationsrecht, ohne Erfolg allerdings, geltend gemacht. Adler unterhielt in Mühringen eine Talmud-Schule. 1821 wurde er als einziger Rabbiner in die Kommission gewählt, die der württembergischen Regierung 'Vorschläge zu einem Gesetzentwurf für eine bürgerliche Verbesserung der israelitischen Glaubensgenossen' unterbreiten sollte. Er setzte im gleichen Jahr bei den israelitischen Gemeinden des Schwarzwaldkreises die Einführung des allgemeinen Schulzwanges durch. Nach seiner Zeit in Mühringen wurde er Rabbiner in Oberdorf; er war zu seiner Zeit wichtigste rabbinische Autorität der württembergischen Orthodoxie. Vgl. zur Genealogie https://www.geni.com/people/Gabriel-Adler-Chief-Rabbi-of-the-Schwarzwald/6000000009256049103
Dr. Moses Wassermann (1835 bis 1873, danach Bezirksrabbiner in Stuttgart, gest. 1892): war der erste akademisch-gebildete Mühringer Rabbiner, als  Bezirksrabbiner nach Stuttgart zugleich theologisches Mitglied der Israelitischen Oberkirchenbehörde mit dem Titel Kirchenrat und dem persönlichen Adel ausgezeichnet wurde. Zu seiner Biographie vgl. u.a. https://de.wikipedia.org/wiki/Moses_Wassermann.  
Dr. Jakob Stern (1873 bis 1874, Rabbinatsverweser) (geb. 1843 Niederstetten, gest. 1911 Stuttgart): studierte in Pressburg und Tübingen, nach der kurzen Zeit als Rabbinatsverweser in Mühringen 1874 bis 1880 Rabbiner in Buttenhausen, vom Amt suspendiert, danach Journalist und freier Schriftsteller in Stuttgart, wurde über lange Jahre zum Wortführer der Sozialdemokraten Württembergs. Zu seiner Biographie vgl. u.a.. https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Stern
Dr. Michael Silberstein (1874 bis 1884) (geb. 1834 Witzenhausen, Werra-Meißner-Kreis, gest. 1910 Wiesbaden): nach Studien in Hannover, Breslau (als einer der ersten Absolventen des dortigen jüdisch-theologischen Seminars) und Berlin von 1860 bis 1868 Rabbiner in Lych, Prov. Ostpreußen, 1868 bis 1874 Rabbiner in Buttenhausen, 1874 bis 1884 Rabbiner in Mühringen, 1884 bis 1908 Rabbiner in Wiesbaden, danach pensioniert. Zu seiner Biographie vgl. u.a. https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Silberstein.  
Dr. Adolph Jaracewsky (Jaraschweski, 1884 bis 1911) (geb. 1829 Borek, Prov. Posen, gest. 1911 Mühringen): studierte in Breslau und Rostock, zunächst Lehrer und Prediger an verschiedenen Stellen, 1862 bis 1879 Rabbiner in Erfurt (schrieb die "Geschichte der Juden in Erfurt"), 1879 bis 1884 Seelsorger, Religionslehrer und Bezirksrabbiner in Schüttenhofen (Sušice/Böhmen und Klattau, 1884 bis zu seinem Tod 1911 Bezirksrabbiner in Mühringen; 1911 wurde das Rabbinat Mühringen nicht mehr besetzt und nach Horb verlegt.       
   
   
Über Rabbiner David Diespecker und andere Rabbiner des 18. Jahrhunderts in Mühringen (1888)
   

Muehringen AZJ 16021888.jpg (99077 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Februar 1888: "Wiesbaden, im Februar (1888). (Notiz.) Gestatten Sie mir zu den in Nr. 5 Ihrer geschätzten Zeitung anlässlich der Beerdigung des seligen Rabbiners Cohn in Baiersdorf von dem verehrten Herrn Kollegen Dr. Neuburger in Fürth gebrachten Mitteilungen über R. David Diespecker eine Berichtigung, resp. Ergänzung. Derselbe kam nicht von Baiersdorf, sondern von Mühringen (Württemberg) nach Metz. Nach Mühringen wurde er von Baiersdorf im Jahre 1772 zum Bezirks- oder wie es damals hieß, Landrabbiner berufen, und gehörten zu seinem Rabbinate auch die später abgetrennten hohenzollernschen Gemeinden Hechingen, Haigerloch und Dettensee. Diespecker errichtete in Mühringen, wie dies schon einer seiner Vorgänger, R. Nathanael Weil (Verfasser des Korban Netanel), der im Jahre 1731 nach Mühringen berufen worden war, und einer seiner Nachfolger, R. Gabriel Adler (Herausgeber des Laschon sahav) im Bruder des noch lebenden Oberlandrabbiners Dr. Nathan Adler, der im Jahre 1813 nach Mühringen kam, getan, eine Jeschibah. — Schon im Jahre 1778 folgte R. David Diespecker einem Rufe nach der damals hochangesehenen Gemeinde Metz. — Ich habe in der bei Gelegenheit meines Amtsantritts in Mühringen gehaltenen und veröffentlichten Antrittspredigt der genannten rabbinischen Celebritäten Erwähnung getan. Dr. M. Silberstein."         
Anmerkungen: - Nathanael Weil und der Korban Netanel:  https://de.wikipedia.org/wiki/Nathanael_Weil
  

  
Rabbiner Dr. Wassermann hält eine Probepredigt zur Bewerbung auf das Rabbinat in Kassel (1846) 

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 7. April 1846: "Kassel, den 22. März (1846). Man ist hier allgemein der Ansicht, dass die hiesige Rabbinerstelle nicht lange mehr unbesetzt bleiben werde. Gestern hat Herr Dr. Wassermann, Rabbiner zu Mühringen im Württembergischen hier eine Probepredigt gehalten, und Herr Rabbiner Fassel soll zu gleichem Zwecke nach Pessach hier eintreffen."     

    
 Über eine Dichtung von Rabbiner Dr. Wassermann (1859)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. September 1859:  "Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, im September (1859). Unsere Leser werden es sehr gerechtfertigt finden, wenn wir noch einmal auf eine jüngst erschienene Dichtung zurückkommen, welche die Aufmerksamkeit der Lesewelt auf sich zu ziehen durchaus würdig ist. Wir meinen: 'Die Mädchen von Chaibar von Orientalis'. Unser Wunsch, den Namen des Verfassers zu erfahren, ist befriedigt. Derselbe nannte sich uns, es ist Herr Rabbiner Dr. Wassermann in Mühringen (aus dem Schwarzwald). In liebenswürdiger Bescheidenheit spricht sich derselbe über das aus, was wir in unserm Referat in Nr. 36, etwa dem Werke zur vollkommensten Befriedigung gewünscht haben, und, da wir dadurch über die Tendenz der Dichtung aufgeklärt werden, stehen wir nicht an, die Hauptstelle des Schreibens mitzuteilen, obgleich unser geschätzter Herr Kollege seinen Brief nur an uns persönlich gerichtet hat. 
'An dem Versuch, meiner Arbeit die von Euerer Hochwürden angedeutete höhere Unterlage und Richtung zu geben, wollte ich mich nicht wagen; tel brille au second rang qui s'eclipse au premier. Mir genügt, wenn ich neben der allgemeinen Aufgabe der erzählenden Dichtung, große und tiefe Leidenschaften an Tatsachen zur Anschauung zu bringen, und Naturgemälde und Sittenschilderungen mit den Vorgängen des innern Lebens zu einem wirksamen Gesamteindrucke zu verbinden, die besondere, welche ich mir gestellt hatte, leidlich zu lösen vermochte. Diese ist teils apologetischer Natur, teils und vorzüglich hat sie die Glorifikation der jüdischen Frauen im Auge gehabt. Soweit ich nämlich die christliche Welt aus persönlichem Umgange kenne - mein Umgang beschränkt sich, da ich auf einem ganz geringen Bauerndorfe wohne, auf die Beamten des nächsten Städtchens und einigen Landadel - ist namentlich unter den gebildeten Ständen das Vorurteil der christlichen Frauen gegen die jüdischen weit größer als das unter den Männern herrschende. Solchem Vorurteile auf weitem Umwege (damit die Absicht nicht durchscheine) entgegenzuwirken, ist, so weit Tendenzpoesie überhaupt zulässig, der Zweck meines Romans. Darum sind Frauen seine Hauptheldinnen, darum stehen sie auf dem Titelblatte und darum habe ich in meinem Vertrage mit der Buchhandlung besonders auf die elegante Ausstattung gedrungen, damit ihm diese die Zulassung in die Boudoirs der Damen ermögliche. Ich habe dieselbe Absicht mit einer in dem 6. Hefte der 'Erheiterungen'' dieses Jahres enthaltenen Erzählung aus der jüngsten Vergangenheit verfolgt, und werde wohl zufrieden sein, wenn auch nur bei einer oder andern vornehmen christlichen Dame der Hochmut oder die Aversion gegen die an Bildung sie vielleicht weit überragende jüdische gemildert wird."  


25-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Wassermann (1862)   

Muehringen AZJ 05081862.jpg (34989 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. August 1862: ""Mühringen (Württemberg), im Juli (Privatmitteilung). Am 13. dieses Monates (sc. Juli 1862) feierte der Herr Rabbiner Dr. Wassermann sein 25jähriges Amtsjubiläum, zu welchem ihm von vielen Seiten, auch von der königlichen Staatsbehörde, viele Beweise der Teilnahme und Anerkennung gespendet wurden (Das Nähere berichtet eine Korrespondenz im 'Jüdischen Volksblatt').     
 
Artikel in der Zeitschrift "Jüdisches Volksblatt" vom 1862 Nr. 32 S. 127-128: "Ein Amtsjubiläum.
Mühringen (im württembergischen Schwarzwald) im Juli (1862).
Am 13ten dieses Monats wurde hier ein schönes, wahrhaft erhebendes Fest gefeiert — das 25jährige Dienstjubiläum des in seinem Bezirke allgemein geliebten und verehrten Rabbiners Dr. Wassermann. Das von den Kirchenvorsteherämtern der zum Rabbinate gehörigen Gemeinden gewählte Komitee, an dessen Spitze Herr Ratschreiber Perlen von hier stand, hatte umfassende Vorbereitungen für die Begehung dieser Feier getroffen, welchen es zu verdanken ist, dass dieselbe nach allen Seiten gelungen. Die Abgeordneten der Gemeinden und zahlreiche Freunde des Rabbiners, teilweise aus einer Entfernung von 10—12 Stunden, begaben sich in feierlichem Zuge, welchen die Bezirks-Vorstände und weitere Beamte und Honoratioren aus der Oberamtsstadt Horb eröffneten, durch die geschmückte Straße in die Wohnung des Gefeierten. Der Komiteevorstand Perlen hielt hier eine die ganze Versammlung ergreifende Ansprache an den Jubilar und überreichte ihm dann einen schönen silbernen Pokal mit passender Inschrift als Zeichen des Dankes und der Hochachtung seiner Gemeinden für sein segenvolles Streben und Wirken in ihrer Mitte.
Von Seiten der Königlichen Oberkirchen-Behörde wurde Herr Oberamtmann Lindenmaier mit dem Auftrage betraut, dem Jubilar die Glückwünsche dieser Behörde und Zufriedenheit mit seiner bisherigen Amtsführung, sowie die Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens auszudrücken. Der Jubilar erwiderte im kurzen, Geist und Gemüt gleich ansprechenden Vortrage auf die an ihn gerichteten Worte und schloss mit der bekannten Benedion Schehitenu.
Bei dem Festmahl, das auf diesen ernsten Teil der Feier folgte, wurden viele, unter anderm auch von glücklichem Humor eingegebenen Toaste ausgebracht; die trefflichsten darunter aber waren die des Herrn Oberamtsrichters Wirth. Sie sind nach Form und Inhalt von solchem Werte, dass wir den Dank der Leser zu verdienen glauben, wenn wir sie hier veröffentlichen.
Von Laban, dem er lange sich verdungen, Entfliehend, reif zu neuer Stammsitzgründung,
Hat Jakob kühn in schöner Kraftverkündung, Zum Morgenrot die Nacht hindurch gerungen.
Den Besten seines Stammes ist's gelungen, In schwerem Kampf mit Glaubenshassentzündung,
Dem Strom des Geistes folgend bis zur Mündung, Sein weites Meer zu öffnen allen Zungen.
Von Israel ist Jesus uns gekommen, Es hat ein schweres Joch wie er getragen
Und Opfer dargebracht in Tausend Leichen.
Versöhnung hat den Hass nun weggenommen,
In freiem Geist beginnt die Zeit zu tagen,
Die Nacht des Mittelalters ist im Weichen.
Der Freiheit des Geistes und ihrem Kämpfern aus voller Brust ein dreifaches Hoch!
 
Dem auserwählten    Und ungezählten,
Durch schlecht verhehlten    Und ganz verfehlten
Ingrimm gequälten,    Dem viel geschmähten,
Durch Druck gestählten,  Dem reichbeseelten
Und geistvermählten Volke Juda  Aus voller Brust 
Ein dreifach donnernd Hoch!

Diese schönen Worte riefen einen wahren Beifallssturm hervor und steigerten die gehobene Stimmung und Heiterkeit der Festgenossen. Die Erinnerung an diesen Tag der Freude wird gewiss bei allen Teilnehmern eine unauslöschliche bleiben."  

   
Publikation von Rabbiner Dr. Wassermann (1863)
   

Muehringen AZJ 08121863.jpg (76331 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Dezember 1863: "Im Verlage von W. Kitzinger in Stuttgart ist soeben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben:  Wahre Liebe.  Drei Erzählungen von Dr. M. Wassermann, Rabbiner in Mühringen.
8°. Auf feinstem Velinpapier. In elegantem Umschlag. Preis 25 Sgr. = 1 fl. 24 fr.
Motto: Trefflicher war nie deine Liebe als Frauenliebe. 2. Sam. 1, 26.
Statt Liebesgeschichten enthalten diese Erzählungen trefflich gelungene Schilderungen des Liebeswirkens edler Seelen aus den verschiedenen Schichten der Gesellschaft und bilden somit einen erfreulichen Kontrast zu dem großen Heere moderner Romane und Novellen, die zumal ein und dasselbe ewig sich wiederholende Motiv zum Vorwürfe haben. Dabei sind sie trotz aller Natürlichkeit in der Verwickelung und Lösung in hohem Grade spannend und ergreifend und ganz dazu geeignet, einen neuen und spezifischen Reiz auf die Leser auszuüben. Vorzüglich verdienen sie Jünglingen und Jungfrauen gebildeter Stände zur Lektüre empfohlen zu werden. Die Ausstattung des Buches ist eine höchst elegante."     

   
Besprechung der Publikation von Rabbiner Dr. Wassermann (1863)   

Muehringen AZJ 22121863.jpg (71723 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Dezember 1863: "Bonn, 9. December. 'Wahre Liebe. Drei Erzäh­lungen von M. Wassermann, Rabbiner in Mühringen. Stuttgart, 1863.' Unsere Leser mögen sich nicht von dem Titel abschrecken lassen, in der Voraussetzung, hier wieder einigen der gewöhnlichen Liebesgeschichten zu begegnen; vielmehr sollen die drei Erzählungen in lebendiger Weise Beispiele vorführen, wie die wahre Men­schenliebe sich tatkräftig erweist. Der Stoff ist aus den verschiedenen Kreisen des bürgerlichen Lebens, bäuerlichen, städtischen und militärischen genommen und anziehend behandelt. Diese Erzählungen sind für das allgemeine Publikum geschrieben und zwar zunächst für die Jugend. Aber aus einer jüdischen Feder geflossen, bieten sie eine willkommene Gabe für die jüdische Jugend dar, die hier selbstverständlich nichts trifft, was unsere religiöse Anschauung verletzt und ihr widerspricht."        

      
Rabbiner Dr. Silberstein wechselt von Buttenhausen nach Mühringen (1874)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Dezember 1874: "Das durch die Berufung des Herrn Dr. Wassermann, als Kirchenrat und Rabbiner Nach Stuttgart in Erledigung gekommene Bezirksrabbinat Mühringen (württembergischer Schwarzwald) ist durch Königliches Kultusministerium Herrn Rabbiner Dr. Silberstein in Buttenhausen übertragen worden. Die Gemeinde Buttenhausen, die sich bedeutende Opfer aufzuerlegen Willens war, um ihren Rabbiner sich zu erhalten, bereitete demselben vor seinem Abhange eine erhebende Abschiedsfeier, an der außer sämtlichen Gemeindemitgliedern auch angesehene Christen, Geistliche usw. Anteil nahmen; als Zeichen ihrer Anerkennung überreichte ihm der Vorstand hierbei namens der Gemeinde einen prachtvollen silbernen Pokal. Auch in Mühringen, seinem neuen Rabbinatssitze, wurde Herrn Dr. Silberstein ein solenner Empfang bereitet. Vorsteher und Lehrer des Bezirks reisten ihm nach Tübingen entgegen und geleiteten ihn nach seinem neuen Wohnsitze; Böllerschüsse, unter denen sein Einzug in Mühringen erfolgte, Girlanden und zahlreiche Transparente, die das Rabbinatshaus schmückten, die prachtvolle Beleuchtung, in der dasselbe am Abende sich präsentierte, Musik- und Gesangständchen, die dem Gefeierten gebracht wurden, insbesondere aber die schöne Ansprache, die der Lehrer und Vorsänger, Herr Pr. aus R., namens der Gemeinden des Schwarzwaldes an Herrn Dr. Silberstein in seiner Behausung hielt und die von letzterem mit passenden Worten erwidert wurde, zeugten von der ungekünstelten Herzlichkeit, mit der die Gemeinden ihren neuen Rabbiner entgegenkommen. Am Samstag fand die feierliche Einführung desselben statt, zu der gleichfalls einzelne Vertreter von auswärts erschienen waren."    

 
Abschiedsfeier für Rabbiner Dr. Silberstein (1884)   

Muehringen AZJ 20051884.jpg (67719 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Mai 1884: "Am 4. Mai fand in Mühringen eine solenne Abschiedsfeier für den zum Rabbiner nach Wiesbaden berufenen Dr. M. Silberstein daselbst statt, an der sich außer den Deputierten der israelitischen Bezirksgemeinden auch sehr viele christliche Notabilitäten (kath. Geistliche, Lehrer, Beamte, Ärzte und Private) und die bürgerlichen Kollegien beteiligten. Unter den vielen Rednern waren auch der Pfarrer Maier in Mühringen und Schulinspektor Dr. Menz von Bieringen. Dem Scheidenden, der sich durch seine Leistungen auf der Kanzel wie durch seine Wirksamkeit für das religiöse Wohl der ihm unterstellten Gemeinden die vollste Sympathien derselben erworben und erhalten hat, wurde ein sehr wertvolles Geschenk überreicht."       

    
Ausschreibung des Rabbinates (1884)   

Muehringen AZJ 03061884.jpg (81059 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Juni 1884: "Erledigtes Rabbinat.
Das Bezirksrabbinat Mühringen Oberamts Horb, mit welchem ein pensionsberechtigter Gehalt von 1948 Mk. nebst freier Wohnung und den Gebühren für Kasualien verbunden ist, soll demnächst wieder besetzt werden. Die Bewerber um dasselbe werden aufgefordert, sich innerhalb vier Wochen unter Anschluss der Nachweise ihrer Befähigung und eines curriculum vitae bei der Unterzeichneten Stelle zu melden.
Stuttgart, den 23. Mai 1884.
Königliche Württembergische israelitische Ober-Kirchenbehörde.
Finckh
."      

 
Amtseinführung des Bezirksrabbiners Dr. Adolf Jaraczewsky (1884)   

Muehringen AZJ 02121884.JPG (240770 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Dezember 1884: "Mühringen, 11. November (1884). Der 'Schwarzwälder Bote' schreibt: Am vorigen Sabbat feierte die israelitische Gemeinde in Mühringen ein schönes Fest. Der neue Bezirksrabbiner Dr. Adolf Jaraczewsky wurde durch Herrn Kirchenrat Dr. v. Wassermann in sein Amt eingeführt. Es hatten sich auf ergangene Einladung Seine Hochwürden Herr Pfarrer Maier, Herr Schultheiß und mehrere der H.H. Gemeinderäte, einige Beamte der Freiherrlich v. Münch'schen Herrschaft und Bürger der christlichen Gemeinde, auf gemachte Mitteilung Mitglieder aus mehreren Gemeinden des Bezirks, sowie insbesondere eine Anzahl Genossen aus der benachbarten Gemeinde Dettensee zum Gottesdienste eingefunden, um der Feier beizuwohnen. Nach dem Frühgottesdienste wurden die beiden hochwürdigen Herren Geistlichen durch eine Deputation in die Synagoge abgeholt und bestiegen dann nach dem Vorlesen aus der Tora die Kanzel. Tief ergriffen — 'denn von dieser Stelle habe er selbst durch einen Zeitraum von 38 Jahren so manchmal das Wort Gottes verkündigt', stellte hier Herr Kirchenrat der ebenso ergriffenen Gemeinde ihren neuen Seelsorger vor. In innigen treffenden Worten empfahl er der Gemeinde sowohl, 'an die er ja ein Recht habe, eine Forderung zu stellen', als auch dem neuen Geistlichen Liebe und gegenseitiges Vertrauen zur Grundlage ihres gemeinsamen Strebens und Zusammenwirkens zu machen. Herr Rabbiner Dr. Jaraczewsky hielt hierauf, anknüpfend an die Worte des Herrn Kirchenrats, seine Antrittspredigt, in der er anführte, dass er die Aufgabe des wahren Priesters darin erkenne, durch sein Beispiel, sein Wirken und Walten auf und außer der Kanzel den Menschen zum Frieden und zur Versöhnung mit seinem Gotte, seinem Nebenmenschen und mit sich selbst zu führen. Abends 7 Uhr brachte ein Quartett den beiden hochwürdigen Herren ein Ständchen vor dem Rabbinatshause, welch letzteres wiederholt in bengalischer Beleuchtung erglühte und ein ansehnlicher Fackelzug geleitete die Geehrten in das Gasthaus zum Bären, wo ein kleines Bankett stattfand. Auch hier beteiligte sich wieder in loyalster Weise der hochwürdige Herr Ortsgeistliche und ebenso der hochwürdige Herr Schulkommissär, Pfarrer Sauter von Imnau, ferner der Herr Ortsvorstand und die Herren Gemeinderäte, Herr Rentamtmann Anzenhofer und die anderen Freiherrlich v. Münch'schen Beamten, Herr Postexpeditor Neth, Badeigentümer Frey und dessen Schwiegersohn Herr Gilly, Herr Badearzt Dr. Scheef, Herr Lehrer Teufel, sämtlich von Imnau, und eine Anzahl hiesiger Bürger. Den ersten Toast brachte der hochwürdige Herr Kirchenrat Dr. v. Wassermann auf Seine Majestät den König aus, durch dessen weise Gesetzgebung die kirchlichen Verhältnisse in Württemberg wie in keinem anderen deutschen Lande geregelt seien, was den schönen Frieden zwischen den verschiedenen Konfessionen zur Folge habe. Seine Hochwürdem Herr Pfarrer Maier brachte in sehr schönen und herzlichen Worten ein Hoch aus auf den Frieden zwischen den Konfessionen, der die Grundlage des Bürger- und Gemeindeglücks sei und lud seinen neuen Amtsbruder ein, mit ihm Hand in Hand zu gehen, diesen Frieden zu fördern und zu befestigen. Bis nach Mitternacht blieben die Gäste in heiterster Stimmung und schönster Harmonie beisammen und noch lange wird das schöne Fest den Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben."          

     
Zum Tod von Sara Weil geb. Adler aus der Rabbinerfamilie Adler (1909)
    

Muehringen Israelit 16121909.jpg (151981 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Dezember 1909: "Frankfurt a. M., 14. Dezember. Am ersten Tage Chanukka verschied dahier im 79. Lebensjahre Frau Sara Weil geb. Adler, eine wackere Frau im vollsten Sinne des Wortes. Eine hingebende Gattin ihres vor 20 Jahren dahingegangenen Gatten, des durch wahrhafte, innige Frömmigkeit und durch die Lauterkeit seines guten Charakters ausgezeichneten Herrn Isaak Weil - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - verkörperte die Heimgegangene die Traditionen einer der hervorragendsten jüdischen Gelehrtenfamilien des alten Frankfurt, der Familie Adler, welcher bekanntlich ja auch Nathan Adler angehört hat.
Frau Sara Weil - sie ruhe in Frieden - war die jüngste Tochter des großen Rabbi Beer Adler, der ebenso, wie seine beiden Brüder, der hochgelehrte Rabbi Gabriel Adler, seinerzeit Distriktsrabbiner von Mühringen und Oberndorf und Rabbi Nathan Adler, der weltberühmte Chief-Rabbi von England, zu den ersten Forschern und Kennern des
Talmud gehörte. 
Stets zeigte sie sich ihrer großen Ahnen würdig und in allen Lebenslagen bekundete sie ihre wahrhafte Frömmigkeit und ein unerschütterliches Gottvertrauen. Von Frau Sara Weil durfte mit Recht gesagt werden: ...  sie erkannte als eine der höchsten Aufgaben der Frau, Erzieherin und Freundin ihren Kindern zu sein.
Eine Quelle reinster Freude war es ihr, dass keines ihrer Kinder und Enkel den Boden des gesetzestreuen Judentum verlassen hat. Über ihre Züge zog stets ein verklärendes Lächeln, wenn sie aus dem Munde ihrer Enkelkinder Worte der Tora und damit die ihr wohlbekannten Klänge ihres Elternhauses sowie ihres eigenen Heims auch aus dem Munde der Enkel wieder ertönen hörte. Nun ist die Edle heimgekehrt, aber bei allen, die die biedere Frau kannten, wird das Bild dieser treuen Gattin und guten Mutter in liebevoller, ehrender Erinnerung bleiben: ''..., dadurch, dass Kinder und Enkel in der Weise, wie die Dahingegangene und deren Gemahl - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - es ihnen eingeprägt und vorgelebt haben, als wahrhafte Jehudim wirken und leben. ..."          

   
Zum Tod des Mühringer, dann Wiesbadener Rabbiners Dr. Michael Silberstein (1910)   

Witzenhausen AZJ 281011910.jpg (371952 Byte)Artikel in der 'Allgemeinen Zeitung des Judentums“ vom 28. Oktober 1910: "Wiesbaden, 20. Oktober (1910). Am Abend des Versöhnungstages entschlief infolge einer Arterienverkalkung im 76. Jahre seines Lebens der seit nunmehr zwei Jahren emeritierte Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. Michael Silberstein. Als Sohn eines Lehrers am 1. November 1834 in Witzenhausen, Bezirk Eschwege, geboren, wurde der Verewigte zunächst zum Kaufmannsstande bestimmt. Sein ideales Streben aber ließ ihn in diesem Berufe nicht die wahre Befriedigung finden, sodass es ihm gestattet wurde, im Jahre 1850 die eben erst begründete Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover zu beziehen, welche er nach dreijährigem besuche mit einem geradezu glänzenden Zeugnis verließ. Sein rastloser Bildungsdrang führte ihn nach zwei Jahren schon nach Berlin, wo er bis zum Jahre 1858 theologischen und philosophischen Studien oblag. Die Veitel Ephraimsche Stiftung war die Stätte, an der er sich zum Rabbiner heranbildete und die Universität der Born seiner profanen Bildung. Sein Vorbild und Lehrer war der Altmeister Dr. Michael Sachs seligen Andenkens, dessen Bild in seinem Arbeitszimmer an hervorragender Stelle zu sehen ist, und der Oberrabbiner Aub. Leopold Ranke weckte und förderte seinen historischen Sinn. Als der Verblichene im Jahre 1858 seine Studien mit gutem Erfolge beendigt hatte, nahm er eine erste Stellung als Lehrer in Pleschen an, wurde aber schon nach kaum anderthalb Jahren 1860 als Rabbiner nach Lyck (Ostpreußen) berufen. Hier wusste er durch sein mannhaftes Auftreten in der Öffentlichkeit unserer Glaubensgenossenschaft Anerkennung und Beachtung zu verschaffen. Nach achtjähriger, segensreicher Wirksamkeit siedelte er dann 1868 nach Württemberg über. Im Jahre 1874 wurde er nach Mühringen im Schwarzwald versetzt, wo er bis 1885 wirkte. 1869 berief die württembergische Regierung eine Delegiertenversammlung zwecks Beratung eines Verfassungsentwurfs für die israelitische Glaubensgemeinschaft. Silberstein, als geistliches Mitglied dieser Kommission, trat damals mit einem längeren Exposé vor das Plenum und hatte die Genugtuung, dass seine Vorschläge fast sämtlich angenommen wurden. Die Hochachtung und Wertschätzung, die sich der Verblichene durch sein mannhaftes würdiges Auftreten sowohl, wie durch den Glanz seiner Beredsamkeit erwarb, erreichte durch seine Rede am Grabe Berthold Auerbachs ihren Höhepunkt. Damals wurde Dr. Silberstein in der breitesten Öffentlichkeit bekannt, und als der Rabbinatssitz in Wiesbaden vakant wurde, berief man den gefeierten Mann in unsere Bäderstadt. Hier wirkte er in einer ununterbrochenen fast 25-jährigen Tätigkeit für das Wohl der Juden Wiesbadens, derer seines Bezirks wie auch der jüdischen und außerjüdischen Allgemeinheit. Wiesbaden hat sich in den letzten Jahren zu Großstadt entwickelt und die jüdische Gemeine ist auf dem besten Weg, eine Großgemeinde zu werden. Wenn die Institutionen mit der Entwicklung gleichen Schritt gehalten haben, so ist dies ein Hauptverdienst des Entschlafenen. Ihm ist zu danken: die Gründung des Israelitischen Unterstützungsvereins, des Israelitischen Waisenfonds, der Gemeindebibliothek usw. Besondere Fürsorge widmete er den Bestrebungen der Alliance und des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Hier hat er vor einigen Jahren eine größere Stiftung zwecks Unterstützung jüdischer Studierender, die Dr. Michael und Rebekka Silberstein-Stiftung errichtet und sich dadurch unsterblich gemacht. Die Haupttätigkeit des Entschlafenen war der jüdischen Schule und deren Lehrer gewidmet. Hier zeigte er so recht sein Können und sein Herz. Auch als geistreicher Schriftsteller ist der Entschlafene weit bekannt geworden. Seine Schriften beziehen sich auf das Gesamtgebiet des jüdischen Wissens, Lebens und Unterrichtes. In seinen Bestrebungen wurde Dr. Silberstein durch seine Gemahlin wacker unterstützt und gefördert. Sie ist ihm im Tode um kaum fünf Wochen vorausgegangen. Die beiden Gatten führten eine geradezu ideale Ehe in ihrem gemeinsamen Schaffen und Streben. Der hohen Bedeutung Dr. Silbersteins entsprach seine Wertschätzung, welche gelegentlich seines 70. Geburtstages so recht zum Ausdruck kam. Vorstände, Korporationen sowie auch viele Private wetteiferten damals in Darbringung von Ovationen. Seine Majestät verlieh ihm den roten Adlerorden IV. Klasse. Die am Sonntag, 16. Oktober, stattgehabte Beerdigung gab abermals den Beweis der großen Wertschätzung für den Verblichenen. Die Kultusgemeinde ließ es sich nicht nehmen, die Leiche ihres Seelsorgers nochmals an die Stätte seiner Wirksamkeit zu führen. Eine stattliche Versammlung, bei der auch die staatlichen und kommunalen Behörden vollzählig vertreten   
Witzenhausen AZJ 281011910a.jpg (146462 Byte)waren, erfüllte das herrliche Gotteshaus in allen seinen Räumen. Im Mittelpunkt der Trauerfeier in der Synagoge Michelsberg, eingeleitet durch Orgelpräludium und weihevolle Gesänge des Synagogenchors, stand die glänzende Leichenrede des Stadt- und Bezirksrabbiners Dr. Kober, des Nachfolgers des Entschlafenen. Der Redner sprach über die Versöhnlichkeit, den Hauptcharakterzug des Verklärten und gab ein umfassendes Lebensbild des Dahingeschiedenen. Es sprachen außerdem die Herren Simon Heß im Namen der Kultusgemeinde Wiesbaden, Rabbiner Dr. Salfeld Mainz für die für den Rabbinerverband sowie für den liberalen Rabbinerverband, Dr. Landau Weilburg für die nassauischen Bezirksrabbiner, Dr. GoldschmidtOffenbach als Freund und Kollege, Benedikt Strauß für den Synagogen-Gesangverein, Oberkantor Nussbaum im Namen des Vereins israelitischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau, deren Ehrenpräsident der Verstorbene war und Lehrer Capell im Namen der Lehrer des Bezirks Wiesbaden. Nach ergreifendem Gesang des Oberkantors Nussbaum wurde der Sarg von Lehrern an den Wagen getragen, und in langem Zuge folgte die Gemeinde. Am Grabe sprach noch Rabbiner Dr. Weingarten Ems einige herzliche Abschiedsworte – darauf ergriff Rabbiner Dr. Kober nochmals das Wort, um dem Entschlafenen den Dank des  D.J.G.B. (Deutscher jüdischer Gemeindebund) und der A.J.U. auszusprechen. Zuletzt gedachte der Redner in danken Worten der Gründung des Waisenfonds durch den Dahingeschiedenen und sprach ihm für alle Liebe und väterliche Führung seinen persönlichen Dank aus. So schloss sich denn das Grab über der irdischen Hülle eines edlen Mannes, dessen Andenken da, wo er gewirkt, unvergessen bleiben wird. – Auch wir werden dem Verblichenen, der ein fleißiger Mitarbeiter unserer Zeitung war, ein treues Gedenken bewahren. Die Redaktion."        

   
Zum Tod von Rabbiner Dr. Jaraczewsky (1911)   

Muehringen FrfIsrFambl 07071911.jpg (48179 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juli 1911: "Mühringen (Württemberg). Nach 27-jähriger Amtstätigkeit in unserer Gemeinde, ist Rabbiner Dr. Jaraczewsky verschieden. Ein Trauerzug, wie ihn Mühringen noch nie gesehen hat, folgte ihm auf dem letzten Wege, ein sichtbares Zeugnis von der Beliebtheit des Entschlafenen. Auf dem Friedhofe sprachen u.a. Rabbiner Dr. Straßburger - Ulm, der katholische Pfarrer, der Vorstand des Militärvereins, Lehrer Spatz - Rexingen und der israelitische Kirchenvorsteher Hirsch - Tübingen."               
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juli 1911: "Unter großer Teilnahme fand die Beerdigung des im 82. Lebensjahre verstorbenen Rabbiners Dr. Jaraczewski in Mühringen (Württemberg) statt. Am Grabe sprachen Rabbiner Straßburger - Ulm als Delegierter der Israelitischen Oberkirchenbehörde, der katholische Ortsgeistliche, die Lehrer Stern und Spatz, Kirchenvorsteher Hirsch - Tübingen und der Vorstand des Kriegervereins. Der Verstorbene verwaltete das Rabbinat seit 1885, vorher war er Rabbiner in Erfurt."     

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule   
Lehrer Löwenthal wechselt von Ernsbach nach Mühringen - Rabbiner Dr. Wassermann wechselt angeblich nach Kassel (1846)   

Muehringen AZJ 04051846.jpg (88006 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Mai 1846: "Durch die Vakatur der nun dem Lehrer Löwenthal zu Ernsbach übertragenen Schulstelle zu Mühringen, läuft jetzt wieder ein Sturm von Petitionen der Bewerber um die Ernsbacher Lehrstelle, die ohne Emolumente doch nur 225 Gulden fixen Gehalt nebst freier Wohnung einträgt, bei der evangelischen Oberschul- und der israelitischen Oberkirchenkirchenbehörde zu Stuttgart, en. Aus diesem Andrang lässt sich die finanzielle Lage und geringe Hoffnung der württembergischen Lehrer und Vorsänger ersehen, die, abermals in Folge einer ungünstigen Ministerialentscheidung, als Konfessionsschullehrer keinen Anteil an der Aufbesserung derjenigen Volksschullehrergehalte anzusprechen haben, welche sich nicht auf 250 Gulden belaufen, während die Ständekammer von dieser Unterscheidung kein Wort vernehmen ließ.  
Wie man hört, wird der bei uns allgemein geachtete, von seiner Gemeinde sehr verehrte Rabbiner Dr. Wassermann in Mühringen als Rabbiner nach Kassel kommen.   L....u."      

   
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Vorbeters (1874)   

Muehringen AZJ 28041874.jpg (39738 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. April 1874: "Eine Gemeinde des württembergischen Schwarzwalds sucht einen unverheirateten tüchtigen Vorbeter, Baal Kore und Religionslehrer. Fixer Gehalt 350 fl. nebst freier Wohnung, Feuerung und mindestens 50 fl. Nebeneinkünfte. Billige Kost. Qualifizierte Bewerber wollen ihre Zeugnisse ungesäumt an die Unterzeichnete Stelle einsenden.
Mühringen b. Horb. Königliches Rabbinat. Stern, Amtsverweser."     

  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Kantors (1926)   

Muehringen Israelit 07091926.jpg (62550 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1926: "Das Israelitische Vorsteheramt Mühringen (Württembergischer Schwarzwald, Bahnstation) sucht einen seminaristisch gebildeten
Religionslehrer und Kantor

Die Besoldung erfolgt nach R.B.O. Gruppe VII. Dienstwohnung ist vorhanden. Es könnte auch ein älterer pensionierter Beamter in Betracht kommen. Die Anstellung im Wege des Vertrags erfolgt durch das Vorsteheramt in Mühringen selbst, jedoch sind Bewerbungen unter Vorlage von Zeugnissen bis zum 1. Oktober 1926 bei der Unterzeichneten Stelle einzureichen.
Der Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs  Stuttgart."         

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben      
Die Annahme fester Familiennamen durch die Juden der Schwarzwaldgemeinden 1827 - Übersicht über die Veränderungen in den Gemeinden Rexingen, Baisingen, Mühringen und Mühlen (Beitrag von Oberlehrer Straßburger, 1926)         

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Dezember 1926: "Die Annahme fester Familiennamen durch die Juden des Schwarzwald. 
Während die Mitglieder der Gemeinde Nordstetten schon im Jahre 1787 durch kaiserliche Verordnung ihre festen Familiennamen angenommen hatten, geschah dieses in den anderen württembergischen Schwarzwaldgemeinden Rexingen, Baisingen, Möhringen und Mühlen erst im Jahre 1827. Durch den Erlass des Königlichen Ministeriums vom 10. Juli 1827 sollten die Geburts-, Ehe-, Toten- und Familienregister vorgelegt werden. Art. 3 des Erlasses betr. der öffentlichen Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen verfügte die Annahme eines bestimmten Familiennamens. Es kam dies daher, dass viele Juden bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ihre alten Vornamen ohne Geschlechtsnamen beibehalten und erst durch die staatlichen Behörden gezwungen wurden, Familiennamen anzunehmen. Durch obigen Erlass erging auch an die jüdischen Gemeinden in Neuwürttemberg die Aufforderung sich Familiennamen beizulegen. Für das Oberamt Horb datiert ein solcher Erlass vom 1. Juli 1825. Es werden im folgenden die jüdischen Familien der Schwarzwaldgemeinden mitgeteilt in der Weise, dass neben den bisherigen Namen der neue Name gesetzt wird.
Oberlehrer M. Straßburger, Baisingen.
Baisingen:
David Benedikt — David Benedikt.
Maier Benedikt — Maier Benedikt.
Marum Bolak — Marum Bolak.
Lazarus Löb — Lazarus Hechinger.
Gidion Herz — Gidion Herz.
Benedikt Hirsch — Benedikt Kahn.
Moses Hirsch — Moses Kahn.
Schmaj Hirsch — Schmaj Kahn.
Kallmann Kifi — Kallmann Kiefe.
Löb Kiefi - Kifi Kifi.
Lehmann Kifi — Lehmann Kifi.
Löb Kifi - Löb Kifi.
Salomon Kifi — Salomon Kifi.
Seligmann Kifi — Seligmann Kifi.
Veit Kifi — Veit Kifi.
Wolf Kifi - Wolf Kifi.
Abraham Jakob — Abraham Kurz.
Elias Levi — Elias Levi.
Hoseph Levi — Joseph Levi.
Abraham Marx — Abraham Marx.
Hirsch Marx — Hirsch Marx.
Leopold Marx — Leopold Marx.
Liebmann Marx — Liebmann Marx.
Lämle Isak — Lämle Neuburger.
Isak, Gütel und Vögele Neuburger erhielten im Jahre 1853 den Namen 'Ney.'
Jakob Isak — Jakob Rosental.    
Simon Veit — Simon Schweizer.
Marx Strauß — Marx Strauß.
Herz Jakob — Herz Weil.
Jakob Herz — Jakob Weil.
Leopold Jakob — Leopold Weil.
Marx Herz - Marx Weil.
Löb Wolf - Löb Wolf
 
 
 
Mühlen:

Jakob Bloch — Jakob Bloch.
Jakob Degginger — Jakob Degginger.
Isak Gabriel — Isak Engel.
Liebmann Engel — Liebmann Engel.
David Gidion — David Gidion. .
Hona Götz — Hona Götz.
Maier Götz — Maier Götz.
Jakob Hayum — Jakob Heymann.
Abraham Joseph — Abraham Hilb.
Moses Hirsch — Moses Hirschel.
Moses David — Moses Klein.
Salomon David — Salomon Klein.
Wolf David - Wolf Klein.
Benjamin Levi — Benjamin Levi.
Leopold Levi — Leopold Levi.
Maier Löb — Löb Maier.
Jakob Moyses — Jakob Stein.
Veit Hirsch Levi - Hirsch Weil.
Joseph Levi - Joseph Weil.
Jakob Wolf - Jakob Wolf.    
Baisingen GemZeitung Wue 01121926a.jpg (101456 Byte) Rexingen.
Abraham Leopold - Abraham Bernheim.
Leopold Abraham Leopold Bernheimer.
Simon Isak - Simon Bischofsheimer.
Abraham David - Ebstein.
Emanuel Levi — Emanuel Freiburger
Leopold Mos. Levi — Leopold Freiburger.
Moses Leopold Levi -  Moses Freiburger.
Abraham Wolf Abraham Fröhlich.
Elias Isak — Elias Fröhlich.
Jakob Joseph — Jakob Fröhlich.
Isak Abraham Isak Abraham Fröhlich.
Isak Abraham Isak Abraham Fröhlich.
Wolf Abraham — Wolf Abraham Fröhlich.
Bär Gidion — Bär Gidion.
Raphael David — Raphael Gideon.
Sperez Gideon — Sperez Gideon.
Bär Gidion - Bär Gidion.
Emanuel Gidion -  Emanuel Gidion.
Samuel Meier -  Meier Guggenheimer.
Veit Hirsch — Veit Hirsch.
  
Jakob Moses — Jakob Hirschfelder.
Jakob Hirsch — Jakob Hopfer.
Hirsch Wolf - Hirsch Wolf Königsberger.
Bär Isak — Bär Isak Landauer.
Isak Joseph — Isak Joseph Landauer.
Joseph Isak — Joseph Landauer.
Veit Isak - Veit Isak Landauer.
Isak Samuel — Isak Lemberger.
Salomon Isak — Salomon Lemberger.
Abraham Levi — Abraham Levi.
Josua Bär Levi — Josua Bär Levi.
Liebmann Levi — Liebmann Levi.
Elias Levi — Elias Levi.
Moses Levi — Moses Levi.
Salomon Hirsch - Salomon Löwengart.
Isak Hirsch — Isak Hirsch Löwengart.
Isak Hirsch — Isak Hirsch Löwengart.
Raphael Hirsch Raphael Hirsch Löwengart. Rüben Beit — Rüben Löwengart.
Jakob Beit — Jakob Löwengart.
David Levi — David Löwenstein.
Leopold Levi — Leopold Löwenstein.
Judas Baruch Hirsch — Judas Neckarsulmer.. 
Baisingen GemZeitung Wue 01121926b.jpg (78704 Byte)Abraham Hirsch — Abraham Neckarsulmer.
Moses Hirsch — Moses Neckarsulmer.
Maier Hirsch — Maier Neckarsulmer.
Joseph Neuburger — Joseph Neuburger.
Salomon Herz — Salomon Nördlinger.
Veit Herz — Veit Nördlinger.
Isak Simon — Isak Simon Ottenheimer.
Emanuel Pikard — Emanuel Pikard.
Abraham Samuel — Abraham Preßburger.
Jakob Samuel — Jakob Samuel Preßburger.
Joseph Samuel — Joseph Samuel Preßburger.
Liebmann Isak — Liebmann Isak Schwarz.
Wolf Isak — Wolf Isak Schwarz. 
Baruch Lazarus — Baruch Lazarus Stern.
Wolf Lazarus — Wolf Stern.
Jakob Hirsch — Jakob Hirsch Straßburger.
Jesaias Hirsch — Jesaias Straßburger.
Abraham Mändle — Abraham Wälder.
Mendle Simon - Emanuel Simon Wälder.
Salomon Mändle - Salomon Wälder.
Bär Mendle — Bär Wälder.
Wolf Mändle - Wolf Wälder.
Aaron Moses - Aaron Weil.
Marx Levi — Marx Weil.
Veit Moses — Veit Moses Weil.
Maier Schmai - Maier Weiler.

Mühringen:
Abraham David — Abraham David Bach.
David Marx — David Marx Bach.
Max Herz — Max Herz Baisinger.
Joseph David Berlizheimer - Joseph David Berlizheimer. 
Baisingen GemZeitung Wue 01121926c.jpg (79963 Byte)Isak Hirsch Bernheim.
Isak Levi - Isak Bloch. !
Salomon Levi — Salomon Bloch.
Mendel Degginger — Mendel Degginger.
Simon Degginger — Simon Degginger.
Jakob Ebstein.
Maier Moses — Maier Moses Elsässer.
Moses Seligmann — Moses Elsässer.
Joseph Eßlinger.
Emanuel Veit — Emanuel Feichtwangen.
Marx Hirsch — Marx Hirsch Feigenheimer.
Hirsch Löb — Hirsch L. Fellheimer.
Maier Löb — Maier Löb Fellheimer.
Jakob Leobold — Jakob Leop. Fürst. Haium Moises — Haium Gailinger. Joseph Marx — Jos. Marx Grünwald. Raphael Marx Grünwald.
Hirsch Jakob Guggenheimer.  Marx Hirsch Guggenheimer.
Jakob Häuser.
Lehmann Hirsch — Lehmann Häuser.
Isak Simon Heilbronner.
Moses Jakob — Moses Jak. Heinsfurter.
Salomo» Simon — Sal. Simon Heinsfurter.
Joseph Gabriel Levi — Joseph Levi Herzfelder.
Emanuel Samuel — Emanuel Hochberger. 
Joseph Raphael — Joseph Landauer.
Veit Hirsch Levi — Veit Hirsch Levi.
Joseph Haium Levi — Joseph Löwenthal.
Maier Levi — Maier Levi Neuhauser.
Götz Ottenheimer — Götz Ottenheimer.
Jakob Oettinger.
Salomon Oettinger.
Wolf Oettinger.
Josua Abraham — Josua Perlen.
Kaufmann Abraham — Kaufmann Abr. Perlen.
   
Baisingen GemZeitung Wue 01121926d.jpg (63291 Byte)Salomon Polack.
Leopold Veit — Leopold Veit Reinauer.
Veit Leopold — Veit Leopold Reinauer.
Bär Isak — Bär Isak Ries.
Emanuel Salomon — Emanuel Salomon Ries.
Isak Salomon — Isak Salomon Ries.
Emanuel Rotschild — Emanuel Rotschild.
Abraham Maier — Abraham M. Rosenfeld.
Maier Jakob — Maier Jakob Rosenfeld.
Hirsch Maier — Hirsch Maier Rosenfeld.
Leopold Maier — Leopold Maier Rosenfeld.
   
Samuel Maier — Samuel Maier Rosenfeld.
Jakob Marx — Jakob Marx Rosental.
Salomon Joseph - Salomon Joseph Schildacher.
Koßmann Löb — Koßmann Löb Schilling.
Moses Löb — Moses Löb Schilling.
Jakob Joseph — Jakob Schwarzmann.
Maier Schwarzmann.
Marx Schweizer — Elias Schweizer.
Jakob Schwarz — Abraham Schweizer.
Jakob Schweizer — Kusel Schweizer.
Sußmann Marx — Sußmann Marx Steinharter.
Alexander! Weil — Gabriel Weil. 

             
Staatsbeitrag für die Erwerbung und die Einrichtung von Rabbinerwohnung und Schulhaus (1846)  

Muehringen AZJ 20041846.jpg (18005 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. April 1846: "4. März. Die israelitische Gemeinde Mühringen hat zu den Kosten der Erwerbung und baulichen Einrichtung einer Rabbinerwohnung und eines Schulhauses einen Staatsbeitrag von 300 fl. erhalten."          

   
Bedeutende Stiftung, die auch jüdischen Gemeindegliedern zugute kommt (1881)  

Muehringen Israelit 16111881.jpg (58765 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1881: "Aus dem Horber Oberamte, 23. Oktober (1881). Kürzlich ist die Ortschaft Mühringen durch ein sehr ansehnliches Legat im Betrage von 22.000 Mark freudig überrascht worden. Der Legatar, Herr K. Fischer [Christ], der ein treuer Sohn Mühringens ist, in der Residenz wohnhaft war, und daselbst verstorben ist, hat testamentarisch bestimmt, dass ein Teil der Zinsen für Studienzwecke, ohne Unterschied der Konfession und des Geschlechtes, ein anderer zur Unterstützung armer Greise, gebrechlicher Personen, sowie Witwen und Waisen verwendet und ein kleiner Teil des Ertrages dem Schulfond zufließen solle."         

   
Umstrittene Stiftungen des Freiherrn von Münch für die Synagoge (1890)    

Muehringen Israelit 28071890.jpg (156037 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juli 1890: "Berlin, 17. Juli. Im Druck ist erschienen der Bericht der Wahlprüfungskommission über die Wahl des Abgeordneten Freiherrn von Münch im 8. Wahlkreis des Königreichs Württemberg. Gegen diese Wahl ist Protest eingelegt worden, mit dem Erfolge, dass die Kommission beschlossen hat, die Erklärung der Gültigkeit auszusetzen. Auf Grund des Protestes erachtet die Kommission unter anderen für tatsächlich feststehend, dass der Abgeordnete Freiherr von Münch im August 1889 der israelitischen Gemeinde in Mühringen, seinem Wohnorte, in Veranlassung der Renovierung der Synagoge zwei silberne Leuchter versprochen und diese Leuchter im Oktober 1889 zum Preise von 1016 M. käuflich angeschafft hat. — Freiherr Oskar von Münch hat eine längere Widerlegung des Protestes geliefert, der wir nachstehende Stelle entnehmen: Ich soll die Stimmen der Israeliten durch Stiftung zweier Leuchter — welche 1016, nicht 1060 Mk. kosteten — in die Mühringer Synagoge gekauft haben. Im Mai vorigen Jahres hatte in Mühringen die Einweihung eines von mir in die katholische Kirche gestifteten Hochaltars stattgefunden: die Israeliten hatten gleichzeitig 4- bis 5000 M. auf die Renovierung ihrer Synagoge verwendet, und es wäre unbillig gewesen, hätte ich nicht auch zur Verschönerung ihres Gotteshauses einen Teil beitragen wollen; ich versprach die Leuchter im August und sie gelangten Ende Oktober in die Hände der Genannten. Die Vernehmung des Rabbiners Dr. Jaraczewsky und der übrigen Mitglieder des Kirchenvorstandes würde ergeben, dass ich mit keiner Andeutung je die Erwartung ausgesprochen, die Israeliten möchten wegen jener Spende für mich stimmen; tatsächlich hatte ich bis Ende Januar nicht in meinem heimatlichen Bezirke zu kandidieren beabsichtigt."   

   
"Brief aus dem Schwarzwald" mit Schilderungen u.a. der jüdischen Gemeinden in Mühringen und Nordstetten (1921)    

Muehringenusw AZJ 16091921.jpg (130944 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. September 1921: "Brief aus dem Schwarzwald.   Von E. Capell (Wiesbaden).
Nordstetten, Horb! Wie vertraut klingen der fühlenden Seele diese Namen! Schöne Wochen habe ich diesmal im Schwarzwald zugebracht, und all die lieben Auerbachschen Gestalten, die mir von früher Jugend an lieb sind, stehen vor meiner Seele. Wo die Heyerle grüßt mich freundlich von dem Horber Klosterberge, und Barfüßele wandert neben mir nach Ehringen und Ahldorf; auch erscheint es mir im Moosbrunnenwalde, der ja heute nur Brunnenwald heißt. Neben dem schönen Schloß in Mühringen erscheint mir das freundliche, weißblonde Tonele mit seinem heißen Blut, und der Tolpatsch nimmt traurigen Abschied von der geliebten Heimat.
Aber auch mein jüdisches Interesse findet in dieser Gegend Nahrung. Aber traurig, bitter traurig sieht es hier aus!
Ja — die Menschen, die ich dort gesehen habe, tragen noch voll Stolz ihrer großen alten Überlieferung Rechnung, aber es sind ja nur noch Überbleibsel der früheren blühenden jüdischen Gemeinden!
Welche Denkmäler einstiger Größe sind da vorhanden! Prachtvolle, geräumige Synagogen, weiträumige Schulhäuser, aber alles ziemlich verödet. Nur die Friedhöfe, sie sind leider vollzählig belegt, die Grabstätten zählen nach Hunderten.
Gegenwärtig wird der wunderschön gelegene, weite, alte Friedhof in Mühringen in Ordnung gebracht; die Wiederherstellungsarbeiten erfordern natürlich beträchtliche Mittel, die von der kleinen Gemeinde allein nicht aufgebracht werden können. Trotzdem geht man mit Mut und unter beträchtlichen persönlichen und anderen Opfern an das Werk. Mögen doch Interessenten und Wohltäter sich finden, die hier tatkräftige Unterstützung gewähren! Insbesondere ist es doch wichtig, diese Fundgruben der geschichtlichen Wissenschaft zu           
pflegen und zu erhalten. — Von Mühringen, meinem Standort, wo ich sehr gut untergebracht war, besuchte ich die umliegenden, mir so wichtigen Orte.
So dachte ich mir Nordstetten doch anders — mehr in waldiger Umgebung. Es liegt, von einer unendlichen Flur umzogen, auf einer weiten Hochfläche in einer Talsenke. Viele Häuser sind neu und teilweise städtisch. Der Ort unseres Auerbach, der doch dem jüdischen Lehrer seiner Heimat ein so herrliches Denkmal im Lauterbacher gesetzt hat, hat jetzt überhaupt keine jüdische Schule mehr. Die wenigen Kinder werden von auswärts besorgt, ein Lehrer ist nicht mehr am Platze; die kleine jüdische Gemeinde geht so unaufhaltsam dem Verfall entgegen.
Ähnlich steht es in Mühringen mit seiner groß angelegten Synagoge. Dieser herrlich gelegene, von dichten Waldungen umgebene Platz war einst der Sitz einer der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Württembergs. Der Rabbiner des Schwarzwaldkreises hatte hier seinen Sitz; eine öffentliche jüdische Schule, zahlreich besucht, verbreitete ihren Segen. Männer wie D. Silberstein, Wassermann waren die Zierden des Rabbinats, und die Bildung der noch dort wohnenden wenigen Gemeindemitglieder legt beredtes Zeugnis ab für das durchgreifende Wirken der genannten Institutionen. - Ein alter pensionierter Lehrer, ein fast 80jähriger Greis, dessen geistige und körperliche Frische bewundernswert ist, wohnt noch am Platze. Er hat Größe und Verfall der Gemeinde miterlebt. Wie mag ihm das Herz bluten beim Anblick des leeren Gotteshauses gelegentlich der Gottesdienste, die er regelmäßig besucht.
Die jüdische Volksschule ist in eine Religionsschule umgewandelt, die gegenwärtig von einem jüngeren Lehrer versehen wird. Ich erlebte die interessante Episode, dass die Behörde diesen jungen Mann versetzen wollte, ohne die Stelle wieder neu zu besetzen. Da erhob sich aber die ganze Gemeinde zu einem wuchtigen Protest, man musste diesen letzten Rest einstiger zahlreicher Institutionen mit allen Mitteln erhalten und erreichte, dass die bereits erlassene Verfügung rückgängig gemacht wurde. Dieser Protestversammlung habe ich als stiller Zuhörer angewohnt und dort gesehen, wes Geistes Kinder die Mühringer Juden sind. Es ist Tradition in diesen Menschen. Eines Morgens ist Jahrzeit. Wie erstaune ich, als ich einen Mann am 'Hellen" Werktage im Zylinderhut über die Straße zur Synagoge gehen sehe. Der Mann ehrt so das Andenken seines Verstorbenen. Wie ist dies in unseren modernen Großgemeinden?
Ich finde diese schwäbischen Juden völlig assimiliert. Sie denken nicht daran, dass sie andere als religiöse Verbindung mit den Juden der Welt haben. Dem Zionismus stehen sie hier ganz verständnislos gegenüber. Sie sind ganz selbstverständlich (sic!) Schwaben von intensiv betätigter jüdischer Religion. Als zur Linderung der Not der Ostjuden aufgefordert wird, schließt man sich natürlich nicht aus — das tut kein Jude. Aber man kann häufig Bemerkungen hören, wie: 'Warum so viel jetzt ins Ausland, wo doch Deutschland so sehr Not leidet.' Das kommt diesen Leuten, die wahrhaft deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens sind, aus dem innersten Gefühl. Ich habe diesen Typ überhaupt hier zum ersten Male in voller Form gesehen.
Das Traurigste, was mein Auge sehen musste, war in Dettensee, ebenfalls ja in Auerbachs Dorfgeschichten genannt. Eine prachtvolle Synagoge, weit gebaut und gewiss eine Zierde des Ortes, ist völlig dem Verfall anheimgegeben. Die Fenster sind eingeschlagen, so dass man die schöne Inneneinrichtung durch die 'offenen Höhlen' bewundern kann.
Noch ein Haushalt ist der letzte Rest einer einst nach Hunderten zählenden Gemeinde. Wer sorgt für die Erhaltung dieser heiligen Stätten? Der mit einer hohen Mauer umgebene Friedhof scheint noch gut in Ordnung zu sein.
Ganz anders steht es in dem im nahen Hohenzollern gelegenen Städtchen Haigerloch. Die Lage dieses Ortes ist durch die Natur auch recht begünstigt, wenn auch die Waldungen nicht so reich, dicht und schattig sind wie im nahen Mühringen. Aber eine blühende jüdische Gemeinde habe ich hier kennen gelernt. Zahlreiche jüdische Kinder beleben die Straßen, und mir scheint, dass hier die Juden in einem freigewählten Getto in der Nähe der schönen Synagoge wohnen. Ich will nicht verschweigen, dass mir einzelne Stammesbrüder einen dementsprechenden Eindruck machten. In der Nähe der Synagoge liegt auch gleich der wohlgepflegte 'Gute Ort'. Alles beieinander, wie bei den christlichen Mitbürgern auch. Auch ein stattlicher jüdischer Gasthof ist vorhanden.
Haigerloch hat sogar einen jüdischen Männergesangverein von ungefähr 50 Mitgliedern, welcher in der Zeit meines Dortseins von Sängerfesten zweimal preisgekrönt heimkehren durfte. Ich habe niemals gehört, dass der Antisemitismus dort größer ist wie anderswo. Im Gegenteil: die Heimkehrenden, die ihrer Heimat Ehre gemacht hatten, wurden von der ganzen Einwohnerschaft unter Jubel in ihr Vereinslokal geleitet. Die jüdische Schule, die den Antisemitismus nach unserer Meinung so sehr 'befördern soll', wirkt in dieser Gegend klassen-versöhnend, nicht-trennend.
Haigerloch hat natürlich eine gutbesuchte jüdische Volks­schule mit einem allseitig verehrten tüchtigen Lehrer.
Auch die Stadt der Hohenzollern-Burg, Hechingen, habe ich aufgesucht und die dortigen jüdischen Stätten besichtigt. Nur wenige Kinder besuchen dort die jüdische Volksschule; die meisten Eltern schicken begreiflicherweise ihre Kinder in die höheren Schulen, die sich am Platze befinden.
Hechingen und Haigerloch waren einst bedeutende Rabbinatssitze — die Lehrer führen daher den Titel 'Rabbinatsverweser'. Reiche Stiftungen sind in beiden Gemeinden vorhanden für Wohltätigkeit und Beförderung jüdischen Wissens. Auch Mühringen hat eine Reihe derartiger Stiftungen und Vereine.
Verfall und Blüte — auch Aufschwung — habe ich also in diesen Gemeinden bemerken können. Der Weltkrieg hat hier mit seinen Wirkungen teilweise hemmend gegen die 'Landflucht' eingegriffen. Wohnungsnot wie Nahrungsmittelteuerung und die sonstigen Unannehmlichkeiten haben dem Juden auf dem Lande erst den Wert der Heimat nahe gebracht.
Der Zug nach der Großstadt scheint hier für einige Zeit zum Stillstand gekommen zu sein.
Es gibt sogar Mittel, hier neues jüdisches Leben zu entfachen! Doch davon ein anderes Mal.   

    
    
    
Über das "Schwarzwaldheim" in Mühringen      
Einrichtung einer "Kinder-Pflege der Stuttgart-Loge" (1924)     

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 15. Juli 1924: "Kinder-Ferienpflege der Stuttgart-Loge.
In Mühringen ist der frühere Gasthof zum Bären vom Ferienkolonie-Ausschuß der Stuttgart-Loge käuflich erworben und für die Zwecke eines Ferienheims vollständig neu eingerichtet worden. Schon in diesem Jahre können dort 25—30 Kinder Aufnahme finden. Zur Beaufsichtigung der Kinder ist eine geprüfte Kindergärtnerin bestellt worden. Die schöne gesunde Lage Mühringens, die unmittelbare Nähe des Stahlbades Imnau, dessen Benützung den Ferienkolonisten freisteht, und eine zweckentsprechende kräftige Kost bieten den Kindern Gelegenheit sich zu erholen. Es sind noch einige Plätze für Kinder aus dem deutschen Mittelstande frei. Meldungen sind sofort an Frau H. Rosenbusch. Hohenstaufenstraße 30 (sc. Stuttgart) zu richten."        

  
Anzeigen des "Schwarzwaldheimes" (1930 / 1932)     

Anzeige in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 1. März 1930: 
"SCHWARZWALDHEIM der Stuttgart-Loge Mühringen bei Horb.
Gute rituelle Verpflegung, fließendes Wasser, Liegehalle, Stahlbäder in der Nähe - Leitung durch geprüfte Krankenpflegerin, ärztliche Aufsicht
KURPERIODEN:
3. Juni bis 30. Juni - 1. Juli bis 28. Juli - 29. Juli bis 26. Aug.
und eventuell noch eine vierte Periode
Juli u. August sind für Kinder von Logenbrüdern vorgesehen. Anmeldungen sind zu richten an:
Frau Grete Adelsheimer, Stuttgart, Hospitalstraße 36."         
  
Anzeige in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 1. Mai 1932:
"SCHWARZWALDHEIM der Stuttgart-Loge Mühringen bei Horb.
Gute rituelle Verpflegung, fließendes Wasser, Liegehalle, Schwimmgelegenheit, Stahlbäder, Beaufsichtigung durch geprüfte Kindergärtnerinnen unter Leitung einer ausgebildeten Krankenschwester - Arztliche Aufsicht
Geöffnet ab 1. Juni 1932:
Juli u. August sind für Kinder von Logenbrüdern vorgesehen. Vor den Ferien können auch junge Mädchen aufgenommen werden. Anmeldungen sind zu richten an:
Frau Berte Halle, Stuttgart, Lessingstraße 7
"         

      
Anzeigen des "Schwarzwaldheimes" (1936 / 1937)   

Muehringen BayrGZ 01061936.jpg (34917 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1936: ""Schwarzwaldheim
der Israelitischen Religionsgemeinde Groß-Stuttgart
(früher Schwarzwaldheim der Stuttgart-Loge)
Mühringen bei Horb am Neckar

Unser gut geführtes Kinderheim nimmt auch in diesem Jahre in den Ferien wieder erholungsbedürftige Kinder auf. Preis pro Tag RM 3,-.
Sofortige Anmeldungen mit Angabe der gewünschten Zeit sind bis 15. Juni dieses Jahres zu richten an
Frau Liesl Holzinger, Stuttgart,
Albert-Schäffle-Straße 122. Fernsprecher 40288."     
   
Muehringen BayrGZ 01061937.jpg (42213 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1937: "Schwarzwaldheim
der Israelitischen Religionsgemeinde Groß-Stuttgart  (
früher Schwarzwaldheim der Stuttgart-Loge)
Mühringen bei Horb am Neckar

Unser gut geführtes Kinderheim nimmt auch in diesem Jahre in den Ferien wieder erholungsbedürftige Kinder auf. Preis pro Tag RM 3,-. Badegelegenheit vorhanden.
Sofortige Anmeldungen mit Angabe der gewünschten Zeit sind bis 30. Juni 1937 zu richten an
die Israelitische Gemeindepflege Stuttgart, Hospitalstraße 36/II. Tel. 90351/52."          

 
Stuttgarter Jugendliche im Schwarzwaldheim in Mühringen (1934)      

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 1. Februar 1934:  
Foto mit Untertitel: "Es war ja so schön in Mühringen! Stuttgarter jüdische Jugend aus der Ferienkolonie des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten".               

   
Winterferien der Jugend des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten aus Stuttgart im Schwarzwaldheim Mühringen (1935)     

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 16. Januar 1935: "Stuttgart. Reges Leben herrschte am 24. Dezember vorigen Jahre im Hotel Westheimer, wo sich die R.j.F (Reichsbund jüdischer Frontsoldaten -) Jugend versammelte, um nach vorhergehender Untersuchung durch Dr. Siegfried Saenger in die Winterferien ins schöne Schwarzwaldheim nach Mühringen zu fahren. Bepackt mit Skiern. Schlitten, Schlittschuhen und Rucksäcken ging's dann zum Omnibus, und die fröhliche Schar erreichte schnell das Ziel. Allmorgendlich galt der erste Blick dem Wetter, aber der Schnee wollte nicht kommen, und dafür schien die Sonne warm wie im Frühling. Täglich traten die Kinder begeistert zur Gymnastikstunde von Ruth Liebmann an, die es besonders fein verstand, auch die Bequemsten aus der Schar durch Turnen und Spiel aufzufrischen. Schöne Spaziergänge durch die Wälder, Reigen- und Ballspiele im Freien und am Spätnachmittag Gesellschaftsspiele aller Art, Gedichtvorträge, Musik usw. füllten den Tag aus. Schöne Kameradschaft vereinte 'die Tantens' mit der Kinderschar, und die von den früheren R.j.F.-Ferien beliebte Tante Agnes Heinsfurter hatte bald mit den Jungens und Mädels innigen Kontakt. Schwester Lotte Mayer hatte reichlich Mühe, die lebhaften Gemüter - wenn der abendliche Ruf 'Marsch, ins Bett' ertönte - zu dämpfen, allein dies gelang ihr immer in bester Weise. Die gute Küchenführung von Frl. Gailinger trug neben Luft und Sonne wesentlich zur Erholung der Kinder bei, die in den Ferien in echter Kameradschaft und sportlichem Geiste geeint wurden."           

    
Beitrag von Wolf Berlinger über "Jüdische Jugend im Mühringer Schullandheim" (1934)          

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 16. Juli 1934: "Jüdische Jugend im Mühringer Schullandheim.
von Lehrer Wolf Berlinger, Stuttgart.
Wie wir in letzter Nummer schon mitgeteilt haben, befinden sich die Kinder der 2. Klasse (2. und 3. Schuljahr) unserer Jüdischen Schule zurzeit in einem Schullandheim in Mühringen. Die Gründe, die zur Durchführung dieses Aufenthalts führten, legte Lehrer Berlinger vor kurzem in einem Elternabend dar. Die nachfolgenden Ausführungen sind auszugsweise seinem Referat entnommen.   Die Schriftleitung.
Das menschliche Leben ist nur in Gemeinschaft denkbar, ohne Gemeinschaft wird es leer, in der Zerklüftung der Menscheneinheit lauert der Untergang. Wenn Judentum und Christentum die Nächstenliebe als Grundlage aller Religion hinstellen, so begegnen sich hierin höchste göttliche Weisheit mit uralter, menschlicher Erfahrung.
Will man junge Menschen zu lebenstüchtigen, ihren Platz gut ausfüllenden Menschen erziehen, so muss neben der geistig-seelischen die gesellschaftliche, soziale Erziehung stehen.
Im normalen Leben sind es im wesentlichen zwei Mächte, in deren Hand die Erziehung des reifenden Menschen liegt: Elternhaus und Schule. Während das Elternhaus in erster Linie das körperliche und das charakterlich-religiöse Wachstum des Kindes pflegt, ist die Schule mehr die Bildungsstätte der geistigen und sozialen Seiten im Schüler. Diese Zweiteilung gestaltet sich unter günstigen Umständen zu einem segensreichen Ineinander- und Miteinanderschaffen, die Umkehrung rächt sich in einem schädlichen Gegeneinander- und Auseinanderarbeiten.
Es liegt im Wesen des Menschen, alle Lebenserscheinungen zu vereinheitlichen, sehen wir doch im ganzen Leben der Natur dieses Sehnen. Die Gegenwart mit ihrer mächtig flutenden Rückkehr zur Natur mündet deshalb in ein alle Bezirke des Lebens umfassendes Totalitätsstreben. Auch in der Erziehung ist der Drang nach Einheit zur Tagesförderung geworden.
Es gab schon eine Zeit, in der diese Einheit der Erziehung vorhanden war, damals, als der Vater noch Erzieher und Lehrer in einer Person war. Dieser patriarchalische Zustand wurde von der fortschreitenden Kulturentwicklung hinweggefegt. Vermehrte Anforderung des Berufs einerseits. Anwachsen des Wissens und der Lernstoffe andererseits, ließen diese einheitliche Erziehung im Elternhaus nicht mehr zu. So entstand die Bewegung, die Schule zur Erziehungseinheit auszugestalten. Das ganze Familienleben soll danach in Erziehungsheime hinübergeleitet werden und darin aufgehen. Es ist dies das sozialistische Erziehungsziel. Für uns hiesige Juden kommt diese extreme Lösung nicht in Betracht: die Gründe zuzählen, würde zu weit führen. Da aber in allen Strömungen ein wahrer Kern steckt, der nur in richtigen Formen genossen werden muss, kristallisierte sich bei uns aus dem sozialistischen Erziehungssystem der Gedanke des Schullandheims heraus. Als Ausgleich für die Ferien und Feiertage, in denen ja das Elternhaus ihren Totalitätsanspruch auf das Kind verwirklichen kann, sollte wenigstens einmal im Jahre für einige Wochen die Schule die einzige Erziehungsmacht im Leben des Kindes sein. Bedenken tauchen dagegen auf: Ausschaltung des Elternhauses, Trennung von den Eltern (für Eltern und Kind), Einflüsse des Heimes, die nicht unter der Kontrolle der Eltern stehen, und last not least: das Geld! Doch die              
Muehringen GemZeitung Wue 16071934a.jpg (141796 Byte)Vorteile überwiegen: bei näherem Betrachten stellen sich sogar die anfänglichen Bedenken als Vorzüge heraus. Gerade das Stadtkind, das sein Leben zum großen Teile in einem Häusermeer zubringen muss, wo Fabrikrauch und Straßenstaub die Lungen durchfluten, wo Autolärm und Motorgeratter die Nerven unterminieren und wo Luft, Licht und Sonne nur für Geld zu kaufen sind. gerade da sind Durchlüftung und Sonnenbestrahlung unbedingte Notwendigkeit. Neu ist wohl diese Erholung auch bei Privatpersonen auf dem Lande zu ermöglichen. Doch unser Ziel ist ein viel weitgehenderes! Nicht vorbeugende Erholungsfürsorge allein soll das Schullandheim sein, nicht nur den Körper stählen, ihn ertüchtigen und widerstandsfähig gegen Erkältungskrankheiten machen, darüber hinaus soll das Kind vor allem die Gemeinschaft erleben, so erleben, dass es nachwirkend in seinem Tun und Lassen spürbar wird.
Nicht mit Belehrungen allein, kann das Kind sozial erzogen worden. Diese sind nur Oberbau: der Unterbau jedoch, die in die Tiefe gehende und allein bleibende Erziehung kann einzig aus gemeinsamem Tun entspringen. Solidarisches Erleben zwingt zu solidarischem Verhalten. Die Schulgemeinschaft, die sonst nur im Zusammenlernen und Zusammensein der Schüler für einen Teil des Tages sichtbar wird, dehnt sich aus auf das Essen, das Schlafen, die Freizeitgestaltung. Alle sozialen Unterschiede fallen weg, man gehört zusammen, lebt zusammen und fühlt sich infolge dessen zusammengehörig. Wer sich nicht fügt, wird abgestoßen: Sympathie und Antipathie kommen viel stärker und naturhafter zum Ausdruck. So wird die Schule im Schullandheim zu einer wahren Vorschule des wahren Lebens. Zu diesem sozialen Augleich, der die Kinder unter gleichen Gesetzen und Verhältnissen im Heim leben lässt, treten die noch wenig gewürdigten, aber äußerst günstigen Wirkungen der Milieuverpflanzung. Gerade in der jüdischen Familie, in der die Verzärtelung und Unselbständigkeit des Kindes oft krasse Formen annehmen, ist die Trennung von Eltern und Kinder für beide Teile auf einige Wochen im Jahre dringend notwendig. Auf diese W eise wird eine später notwendig werdende Trennung vorbereitet und erleichtert. Andeutungsweise soll nur von den reichen Möglichkeiten praktischer Betätigung der Schüler gesprochen werden, die gerade im Zeitalter der Berufsumschichtung von unschätzbarem Werte sind.
Mit Recht wird man einwenden, dass all diese Vorteile auch in Ferienheimen zu erzielen sind, wozu also ein Schullandheim! Diese Frage leitet uns zum wichtigsten Kapitel des Schullandheimgedankens über. Im Unterricht versuchen wir durch Blumenbeete, Aquarien und gelegentliche Spaziergänge den Kindern schlecht und recht eine Anschauung vom Leben der Natur zu geben. Wollen wir ihnen aber die wahre Gestalt der Natur zeigen, nicht nur in künstlichen Ausschnitten und schematischen Darstellungen. so müssen wir sie mitten hineinführen ins Weben und Leben, in die Grüße und Schönheit von Wald und Feld, von Dorf und Flur.
Auf sich allein angewiesen, bleibt jedoch der Durchschnittsschüler an der Oberfläche hängen, am Zufälligen kleben. Soll er aber in die Tiefe des Naturerlebnisses eintauchen, wollen wir sein äußeres und inneres Auge für die Geheimnisse und Werte des Naturreiches öffnen, so muss er planmäßig geleitet und von kundiger Hand geführt werden. Im Schullandheim findet der Unterricht im Freien statt, ist die freie Natur Gegenstand der Unterweisung: so konzentriert sich der gesamte Lehrstoff um die Heimatkunde. Hier entsteht persönlich erlebtes Heimatgefühl, sprosst wohltuende Natürlichkeit und vertieft und verschönt das schulische Leben. Vom Flüstern des Waldes umrauscht, vom schweigenden Arbeiten der Blätter zum stillen Betrachten angewiesen und in die enge Gemeinschaft von Lehrer und Kameraden eingebettet, keimt dann ein vertieftes Verhältnis zur Natur, bildet sich ein inneres Kraftzentrum zur lustvollen Arbeit und wächst ein starkes Verbundenheitsgefühl empor. Das nervöse jüdische Kind, der vom Sprachlich-Formalen beherrschte jüdische Jugendliche spürt die beruhigende Wirkung des Waldes, empfängt Ehrfurcht vor der schweigenden Größe der Natur und wird aufgelockert für das Einströmen des Göttlichen.
Gefühle zerfließen leicht, müssen zur Tat umgeformt werden. Religiös-häusliches Leben und Sabbatgestaltung, auswertende. Arbeit und froh bewegte Freizeit sollen wirklichkeitsnahe Ausdrucksformen der strömenden Gefühle werden.
Die drei Wochen Aufenthalt im Schullandheim Mühringen sollen Lehrer und Schüler mit seelischem Reichtum und körperlicher Kräftigung erfüllen, die fortwirkend das nachfolgende Schulleben in Stuttgart überstrahlen bis das nächste Jahr von neuem dieses starke Erlebnis- bringt..  

 
Beitrag von Wolf Berlinger über jüdische Schullandheime, darin Näheres zum Schwarzwaldheim in Mühringen (1935)   

Muehringen BayrGZ 15101935.jpg (564980 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Oktober 1935: "Schafft jüdische Schullandheime. Von Wolf Berlinger - Stuttgart
(Fortsetzung u. Schluß)
Es wurde beschlossen, vorerst einmal versuchsweise die II. Klasse (2. und 3. Schuljahr) unter meiner Leitung für drei Wochen in ein Schullandheim zu schicken. Hierzu war das Ferienheim (Schwarzwaldheim) der Stuttgart-Loge in Mühringen bei Horb bereitgestellt worden. Ein in dieser Ange­legenheit erfolgreich verlaufener Elternabend ließ die große Freude der Eltern an diesem Plane erkennen. So dampfte ich endlich mit meinen 26 Kindern (11 Buben und 15 Mädchen) am 4. Juli nach Mühringen ab. Dort verlebten wir drei wirklich schöne und wertvolle Wochen. Unser zusammengesetztes Schüler-Tagebuch, aus dem Teile in der Kinderrundschau abgedruckt waren, beweist dies mit überzeugender Klarheit. Ebenso eindringlich zeigt es die Fülle von bindenden und tiefwirkenden Erlebnissen, die bei einem Schullandheim-Aufenthalt auf das Kind einstürmen. Kein Wunder! War doch der Boden aufgelockert durch ständiges, dien ganzen Lebensbezirk umfassendes Gemeinschaftsleben; das Klima erwärmt durch sonnige Freude, überstrahlt von gegenseitiger Kameradschaft und Liebe, manchmal sogar befruchtet von Tränen erlebten Schmerzes; und diese ganze Atmosphäre bewegt von einem frisch-fröhlichen Wind der Natürlichkeit und Sportlichkeit. Hier konnte ausgestreuter Same nicht unfruchtbar bleiben, wie überhaupt das Leben in der Natur die ganze Erziehung auf eine natürlichere und berechenbarere Grundlage stellt. Welch reiche Möglichkeiten der Schullandheimaufenthalt gerade für die heute wieder so stark geforderte jüdische Erziehung bietet, sollen einige Kurzbilder aus unserem Aufenthalt zeigen. Der Orientierung halber folgt hier eine gedrängte Darstellung des Tageslaufs in unserem Heim: Um 7 Uhr war großes Wecken. Anziehen, Waschen und Frühgymnastik füllten die Zeit bis 8 Uhr aus. Vor dem Früh­stück sprachen wir gemeinsam das Morgengebet für Kinder. Dann folgte der Segensspruch über das Essen. Jede Mahlzeit wurde durch 'das Tischgebet abgeschlossen und zwar die Hauptmahlzeiten durch das ganze Gebet, sonst nur durch den 1. Abschnitt. Das Tischgebet wurde abwechselnd von einem Kinde vorgesprochen. Am Sabbat trug ich es vor, da wir es sangen. Als Auftakt erklang dann das gemeinsam gesungene Schir-Hamaloth (Psalm 126).
Am Sabbat-Morgen wurde vor dem Benschen noch der In­halt des laufenden Wochenabschnitts besprochen, woran sich der Synagogenbesuch anschloß. Den Vormittag füllten aim ge­wöhnlichen Tagen Unterrichtsgänge in den- Wald oder Aus­flüge in die weitere Umgebung aus. Dem Mittagessen zwischen 12 und 1 Uhr folgte strenge Bettruhe bis 2.30 Uhr. Dann durfte bis 3 Uhr liegend gelesen werden. Nach dem Nachmittagskaffee war gewöhnlich Spiel, Unterhaltung und Brief- oder Tage­buchschreiben. Um 6.30 Uhr aßen wir zu Nacht. Daran an­schließend sprach ein Kind das Nachtgebet vor. Je nach der verfügbaren Zeit wurden dann nach der "folgenden großen Körperwäsche Theatervorstellungen veranstaltet oder Geschich­ten vorgelesen. Das 'Betthupferle'' (Süßigkeiten) sorgte für einen süßen Abschluss des Tages. Um 8 Uhr war dann absolute Nachtrühe (abgesehen vom Freitag-Abend).
Schon diese kurze Schilderung des Tagesablaufs zeigt das bewußte und sich stets wiederholende Einbauen religiöser An­ordnungen in den Erlebniskreis der Kinder. Spielend und so nebenbei wird hier Wissen und Üben jüdischer Bräuche und Vorschriften vermittelt, wozu wir in der Religionsstunde schwere Opfer an Zeit und Kraft benötigen. Auffallend war hierbei das Benehmen der Kinder aus unreligiösem Hause, die sich sehr empfänglich für religiöse Formen zeigten und sich dabei häutig päpstlicher als der Papst benahmen. Audi der starke Einfluß religiöser Kinder auf ihre weniger religiösen Kameraden — bei tatkräftiger Unterstützung des Heimleiters — kam hier deutlich zum Ausdruck. Einführung gewisser religiö­ser Riten in manchen Elternhäusern nach der Rückkehr der Kinder und der viel später geäußerte Wunsch eines Jungen, sein religiöses Leben als Großer nach Mühringer Muster zu gestalten, zeigen doch mehr als äußere Freude am der neuen
Form. Es ist dies vor allem der Symbolbunger des Jugend- lichen, der einen sehr fruchtbaren Boden für die Forderung nach jüdischen Riten entstehen läßt. Verstehen wir dann noch, diesen empfänglichen Seelenboden durch starkes Erleben und gefühlsbetontes Tun zu unterbauen, so wirken wir stark nach innen und weit in die Zukunft. Und das Schullandheim bietet auf Schritt und Tritt echtes jüdisches Erleben — wenn der Führer Auge und Herz dafür hat.
Wir stehen vor dem wogenden, kornschweren Getreidefeld. Das Stadtkind, das das Brot nur als käufliche Ware keimt, wird seltsam berührt vom Geheimnisvollen des wachsenden Lebens, von der wunderreichen Entwicklung des Korns zur Ähre. Von selbst landen wir bei der Frage des Wunders schlechthin. Wir sprechen vom schweigenden Arbeiten der Blätter, hören schweigend das tiefe, beruhigende Rauschen des Waldes und empfangen eine kleine Ahnung vom Weben und Leben, von der Wucht - und der Schönheit der Natur. Hier ent­steht erlebtes Gefühl für den Heimatboden, sproßt echte Natür­lichkeit aus innerem Naturerlebnis und keimt bei Einzelnen Ehrfurcht vor der schweigenden Größe des Alls. Der innere Boden zum Einströmen des G'ttlichen ist aufgelockert Das segenschwere Kornfeld veranschaulicht uns die Güte G'ttes, die wundervollen Formen unserer Umgebung seine Liebe und im furchtbaren, plötzlich hereinbrechenden Gewitter spüren wir des Herrn Allmacht. Aus diesen strömenden Gefühlen her­aus ersehnt das Kind Danksprüche für das Essen. Bittgebete um Seinen Beistand und Ausüben religiöser Anordnungen als Umformung des Eindrucks in einen spürbaren Ausdruck.
Genau so reich sind die Beeinflussunigsmöglichkeiten auf dem Gebiet de_r Gemeinschaftserziehung. Hier vor allem ist der Platz für die so inhaltsreichen und schönen jüdischen Erzäh­lungen. Als am Anfang unseres Heimaufentbalts die Kinder sich im zwei feindliche Parteien teilten, die schwere Kämpfe miteinander führten, brachte ich unsere Unterrichtsgespräche gelegentlich auf das friedliche Zusammenleben der Menschen. In den Mittelpunkt dieser ungezwungenen Unterhaltung stellte ich die jüdische Erzählung von „Kamza und Bar Kamza", in der 'ein häßlicher Streit zum ^Untergänge des zweiten Tempels führt. Der.bevorstehende Tag der Tempelzerstörung gab auch einen äußeren Anlaß hierfür. Natürlich fielen sich die strei­tenden Parteien nicht sogleich um 'die Hälse. Ich hütete mich, es zu verlangen. Schließlich ist das Schullandheim keine Wun­derfabrik. Aber ganz kurz danach hörte ich von der Grün­dung eines Friedensbundes unter den Kindern — in der Erzäh­lung war davon die Rede gewesen —, es wurden sogar Orden ausgeteilt und zuletzt waren fast sämtliche Kinder Mitglieder geworden. Der Friedensbund ging mitsamt seinen Ordern den Weg alles Irdischen — aber Parteibildungen unter den Kin­dern konnte ich seither nicht mehr beobachten.
Und so bot jede Phase des Zusammenlebens, des Teilens von Freud und Leid, von Süßigkeiten und sonstigen Geschen­ken ständige Hinweise auf jüdische Gesetze, jüdische Sagen. An die philosophischen Betrachtungen über den Wert nutz­loser Geschöpfe (Tgb. 4. Tag) schlössen wir die Erzählung von König David an, in welcher d'er Wert auch unscheinbarster Geschöpfe zum Ausdrucke kommt. Durch liebevolle Aus­schmückung der Geschichte konnte darauf hingewirkt werden, auch im ekelhaft erscheinenden Tierchen ein g'ttliches und da­mit liebenswertes Wesen zu sehen.
Zu einem Erlebnis gestaltete sich auch eine biblische Geschichtsstunde im Walde. Wir hielten am Bau des Stiftszeltes. Da wuchs vor unseren Augen der Wald zum G'ttestempel, in dem die Bäume die Säulen darstellten, die Sonne als Ewiges Lieht erstrahlte, unser Sitz der Altar war und die Naturstim­men sich in die Laute der Beter verwandelten. Auch eine Lehrstunde in hebräischer Sprache, die in der Synagoge nach vorheriger seelischer und erzählerischer Einstimmung stattfand (Tgb. 16. Tag), bewies die Möglichkeit, auch Stoffe von außen her in den Rahmen des Schullandheims einfügen zu können.
Dass nicht nur Freuden-, sondern auch Trauertage für Kinder erlebnistief und kindertümlich dargeboten werden kämen, zeigte der im Heim verbrachte Tischah-Beaw mit aller Deutlichkeit (Tgb. 19. Tag).
Es wäre hier noch viel zu erzählen, von unserer Sabbatgestaltung, von unserem Singen. Spielen, Wandern, von unserem ganzen dortigen Leben. Aber dies würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Und ist auch gar nicht Hauptzweck dieser Zeilen. Gebt selbst hinaus! Schickt eure Lehrer, eure Kinder ins Schullandheim! Verschafft ihnen wundervolle Wochen voll seelischem Reichtum, geistigem Wachstum und körperlicher Erholung! Sie werden ein neues, inneres Kraftzentrum zur lustvollen Arbeit geschenkt erhalten, werden euch zurückkehrend befruchten. Und mit uns den einen Wunsch aussprechen: Nächstes Jahr von neuem ins Schullandheim!!"        

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Handelsmann Abraham Petersberger aus Mühringen hat wertvolle Gegenstände verloren (1826)      

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1826 S. 208 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):         

 
Über den aus Mühringen stammenden Sozialistenführer Karl Hirsch (1878)    
 

Muehringen Israelit 25091878.jpg (69989 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. September 1878:        
 
Muehringen AZJ 01101878.jpg (83309 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1878:  

       
Erinnerung an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert - Grabstein für Jacob Neuhauser aus Mühringen in New Orleans (1814-1896)     
Anmerkung: das Foto wurde von Rolf Hofmann (Stuttgart) im April 1994 im 1860 eröffneten Hebrew Rest Cemetery in New Orleans, 2100 Pelopidas at Frenchman Street, near Elysian Fields and Gentilly Blvd., aufgenommen     

Grabstein im "Hebrew Rest Cemetery" in New Orleans für  
"Jacob Neuhauser  
Born at Mühringen Württemberg  
December 1814  
Died Febr. 7, 1896"    

 
Raubmord an einer älteren jüdischen Frau (1900)   

Muehringen Israelit 09081900.jpg (114617 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1900:      

   
Sally Schwarz wurde zum Leutnant befördert (1916)   

Muehringen FrfIsrFambl 21071916.jpg (8881 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 21. Juli 1916:       

     
80. Geburtstag von Alfred Nachmann (1929)         

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 16. Dezember 1929:          

    
80. Geburtstag von Witwe Klara Steinharter (1931)       

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 16. März 1931:         


75. Geburtstag von Hannchen Schwarz geb. Eßlinger (1932)     

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 16. Dezember 1932:          

   
70. Geburtstag von Johanna Bach (1931)      

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 16. Mai 1931:           

    
Beitrag von Johanna Bach: "Wozu ein Chanukkaleuchter dienen kann" (1928)       

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 1. Dezember 1928: "Wozu ein Chanukkaleuchter dienen kann.
Ein Schwabenstreich erzählt von Johanna Bach, Mühringen.

In der guten alten Zeit gab es in vielen Orten Männer, die durch chren guten Humor sich den Namen 'Spaßmacher" erwarben. Der von Groß und Klein gekannte, von allen geliebte und verehrte Spaßmacher, von dem ich erzählen will, hieß ,das rote Herschle', war von mittelgroßer Figur, sein gutmütiges Gesicht war von einem roten Backenbart umrahmt, sein Haupt zierte ebenfalls rotes Haar. Die blauen Augen blick­ten treuherzig in die Welt, und um die vollen Lippen spielte meistens ein stohes Lächeln. Herschle Mandelstein trieb einen kleinen Hausier­handel, von dessen Erwerb er sich und seine Frau 'Haiele" ehrlich und redlich ernährte. Er war ein ganz kluger Kopf, gab den Bauersleuten manche» guten Rat, wofür diese aus Dankbarkeit ihm von seinen Kurzworen abkausten. Wer weiß, wenn sein Vater, der selige Reb Bär Mandel­stein, die Mittel gchabt hätte, Herschle gute Schulen besuchen zu lassen, was noch tüchtiges aus ihm geworden wäre. Herschle aber war mtt seinem Lose zufrieden und erzählte heiter und lustig seine Schnurren und Witze und machte auch hiedurch sein Geschäft.
Es war ein heißer Sommernachmittag. Kein Wölkchen trübte den klarblauen Himmel. Blumen und Gräser senkten ihre Köpfe, getroffen von den sengenden Strahlen der Sonne. Die ganze Natur lechzte nach Regen. Kein Lüftchen regte sich. Schleppenden Schrittes kam der mit Staub bedeckte, mit einem großen Korb beladene Wanderer des Weges daher. Es war unser"          
Muehringen GemZeitung Wue 01121928a.jpg (147854 Byte)Herschle Mandelstein. Von Zeit zu Zeit setzte er den Korb zur Erde, wischte sich mit seinem alten Taschentuch den triefenden Schweiß von der Stirne, um dann seine Wanderung wieder fortzusetzen. Endlich winkte dort die Kirchturmspitze des Dörfchens. Und nur noch wenige Minuten, und Mandelstein trat in das Wirtshaus zum 'Löwen' ein, wo er ein bekannter und gern gesehener Gast war. Die behäbige Löwenwirtin kam ihm freundlich entgegen. Nur wenige Gäste waren im Wirtszimmer. 'So, Herschle, macht's Euch nur bequem', redete ihn die Wirtin an, 'den Korb herunter. Gelt heut machts heiß?" 'Ja! Ja!", keuchte unser Gast. 'Und Eure unaussteh- lichen Fliegen, die Ihr da habt", begann Herschle, indem er sich vergeblich gegen die chm lästigen Mücken wehrte, die chn wie aus Berabrttmng um- schwirrten, 'die g'salle mer net so arg". 'Da habt Ihr recht, Mandelstein", entgegnete ein Bauer, 'Löwenwirtin, da müsst Ihr Euch beim Herschle Rat hole, was da zu mache is dagege." 'Ja, Herschle", nahm die Wirtin die Rede auf, 'soll Euer Schade net sein, wenn Ihr mir helfen könnt, dass ich die Fliegen 'nausbring'. Alles, was ich dagegen tu, nütz^ nichts.' 'Na, so laß mich zuerst doch ein wenig ausruhen", begann lächelnd Mandelstein, uqd der Schalk blitzte ihm aus den Augen. 'Wenn ich was getrunken und gegessen Hab', dann reden wir miteinander."
Als Herschele sich an einem guten Glas Bier und an zwei dicken langen Broten erquickt hatte, ries er die Wirtin und begann: 'Scht, Ihr wollt so klug sein und wißt das net e mal, was ich Euch jetzt sage? Wenn ich meinem Haiele den Chanukkaleuchter anzünd', seht Ihr in meiner Stub' keine einzig« Fliege." — 'Was? Ist das wahr?" 'Freilich, Löwenwirttn, Ihr wißt doch, was ein Chanukkaleuchter ist?" 'Natürlich weiß ich das. Es wohnt hier ja auch Jude. Na, Herschle, so e leichtes Mittel", rief die Wirtin hocherfreut und dachte weiter nicht darüber nach und kaufte dem Hausierer aus Dankbarkeit etwas Ware ab. Als derselbe gesättigt und befriedigt die Wirt­schaft verließ, ertönte hinter ihm die Stimme der Wirtin: 'Herschle, is das au wahr, was Ihr gesagt habt vom Chanukkaleuchter?" 'Ob's wahr ist", sagte schmunzelnd Mandelstein, 'net um hundert Gulde könnt' ich in meiner Stub' e Flieg kriege!"
Kaum war der Hausierer fort, schickte die Wir­tin zu ihrem Nachbar Nathan Rosenstein, er möchte chr doch seinen Chanukkaleuchter senden. Rosenstein glaubte, es handle sich um eine Verhöhnung und gab den Leuchter nicht her. Da ging die Wirtin, die auf freundschaftlichem Fuße mit ihrem Nachbar stand, selbst zu ihm hin, er zählte ihn, alles und bat ihn, ihr doch den Leuchter auf einige Stunden zu geben, damit sie durch das Anbrennen desselben die lästigen unzähligen Fliegen los werde. Rosenstein verstand sofort des roten Herschles Ulk. Um aber die Wirtin von der Richtigkeit der Sache zu überzeugen, holte er seinen Chanukkaleuchter, und durch Zufall nannte auch er unzählige Fliegen sein eigen. Er brannte die Lichter an. Natürlich zog die Flamme die Mücken an, aber von einem Vertilgen war keine Spur, höchstens, wenn sich eine der Flamme zu schr näherte. Das Gesumme-     
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Beitrag von Johanna Bach in Mühringen über "Der Purim am 17. Schewat" (1929)   

Muehringen Israelit 21031929.jpg (267143 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1929: "Purim am 17. Schewat.  Von Johanna Bach (Mühringen).
Beim Lesen dieser Überschrift ward wohl mancher Leser oder manche Leserin das Haupt schütteln und am Ende denken, sie sei ein Produkt des Druckfehlerteufels. Dem ist aber nicht so! In vielen jüdischen Gemeinden in der Türkei wird am Abend des 16. Schewat, der dort ein Fasttag ist, die Megillah vorgelesen und der folgende Tag wird als Freudenfest gefeiert.
Der Grund dieser Feier ist folgende Begebenheit: Im 15. Jahrhundert herrschte in der jüdischen Gemeinde zu Saragossa die Sitte, dass die Gemeinde den Geburtstag des Königs feierte, indem die Gemeindeältesten mit den Torarollen vor dem Palaste erschienen und an dessen Pforte von dem Landesvater empfangen wurden. Der Oberrabbiner sprach den bei uns Juden üblichen Segen beim Anblick von gekrönten Häuptern.
Die Tora war in jener Zeit nicht um hölzerne Rollen gelegt, sondern in Futterale gesteckt worden, auf deren Spitze eine silberne Krone ruhte. Bei diesem Huldigungszuge wurden nun stets nur die Futterale genommen; die Tora selbst ließ man im Gotteshause. Wieder einmal — es war im Jahre 1420 — nahte das Geburtsfest des Königs. Einige Tage vorher war ein Festbankett und der Landesfürst sprach sich bei dieser Gelegenheit in anerkennenswerter Weise über seine jüdischen Untertanen aus, die es nie versäumten, ihm ihre Liebe und Verehrung zu zollen. Ein getaufter Jude, namens Hasim Sciami, der zu den Ratgebern des Königs zählte, war Zeuge der huldvollen Äußerungen des Königs über die Juden, und es schmerzte den Renegaten, die Träger der Religion, die er verlassen, geehrt zu wissen. Er entgegnete dem König, dass er sich täusche, alle Liebe und Verehrung der Juden sei nur Heuchelei und er könne Seiner Majestät auch den Beweis dafür geben. Am Geburtstage solle der Landesherr die Torarollen besichtigen, und dann werde er sich überzeugen, dass die Juden nur die Futterale trügen, die eigentliche Tora aber im Gotteshause lassen, um sie nicht durch den Anblick eines christlichen Fürsten zu entweihen.
Wie oft schon haben Verleumdungen willige Ohren gefunden — so auch hier. Der König beschloss, an seinem Geburtstage sämtliche Juden des Reiches töten zu lassen.
In der Nacht vor dem Geburtstage des Königs erschien dem damaligen Gemeindediener Ephraim Baruch der Prophet Elia im Traume und teilte ihm das traurige Schicksal mit, das den Juden bevorstand, und das nur dadurch abgewendet wäre, wenn die Thorarollen in die Futterale gesteckt würden. Er sollte dies unverzüglich tun.
Baruch schenkte dem Traum keine Beachtung und schlief weiter. Da erschien ihm der Prophet zum zweiten Male und ermahnte ihn dringend, seinen ihm gegebenen Auftrag sofort auszuführen und gegen jedermann tiefstes Stillschweigen zu bewahren. Nunmehr stand Baruch auf und führte den Befehl des Gottesboten aus.
Am anderen Tage, als die jüdische Gemeinde, an der Spitze der Rabbiner, und die Gemeindevorsteher mit den Torarollen vor dem Landesfürsten erschienen, wurden sie sehr ungnädig empfangen und es wurde ihnen eröffnet, der König habe Kenntnis erhalten von dem heuchlerischen Treiben der Juden, die mit leeren Futteralen vor ihm erschienen, um ihn zu verhöhnen. Zur Strafe sollten an diesem Tage alle Juden seines Reiches getötet werden. Die Juden waren starr vor Schrecken.
Der König rief seine Diener, um die Futterale gewaltsam zu öffnen: doch wer beschreibt die allseitige Überraschung, als beim Öffnen der Futterale die Torarollen sichtbar wurden! Heiße Dankgebete stiegen aus den angsterfüllten Herzen der Juden zum Allmächtigen empor.
Nach diesem Beweis nahm der König seinen Blutbefehl zurück und ließ statt der Juden seinen Minister sofort enthaupten.
Da diese Begebenheit sich am 16. Schewat zugetragen hat, so bestimmten her Rabbiner und die Weisen von Saragossa, dass dieser Tag als der Gedenktag der Rettung der Juden stets in der Gemeinde gefeiert werdest solle und der Tag vorher als Fast- und Bußtag zu begehen sei. Nach der Vertreibung aus Spanien haben dann die Juden Saragossas diesen Brauch in ihre neue Wohnsitzes bis 'hinein, weit in der Türkei' mitgenommen und jahrhundertelang getreulich bewahrt."         

   
Beitrag von Johanna Bach über die "Seelenfeier" (1930)       

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 1. Oktober 1930:  "Seelenfeier.   von Johanna Bach. Mühringen. 
Andächtige Stille! Heiliger Schauer durchbebt unser Innerstes. Betende Männer und Frauen. die sonst nie den Weg ins Gotteshaus finden, füllen bist auf den letzten Platz die geweihte Stätte in dieser Stunde, um derer zu gedenken, mit denen sie durch die innigsten und tiefsten Beziehungen im Leben verbunden waren. Woher du-« "in-- eigentlich -t.immt. der Rnhingeschie- di uen im f .««tte-dien-t zu gedenken, i-t n««h uh ifgi-kliirt. Aber da- w i—en wir. «lall es dem \|.• n-«*i « :;i li, tjürfni- i-t. der I »teil in foier- Iit-! . r Wi i-e zu gech-nkeii. Im zweiten Bu«h der W.i s s.iImi t. in den letzten Sitzen de- Id. Kapitel-. II«: einer -ilihen Keier Krwiiliniing getan. Noch - , ".gen iiln-r die Syrer ließ Juda Wakkabi .Jali ‘ n,-> v. d. g. 7 . den lempel neu ein-'•■ lian. I litt : z.dllreilhi'n Kämpfen wogte der K:i« g weite:, und iilu i eine «lern -vri-chen iehl- t.i ii'i (ioigias geh« f«'rt<* Schlacht wird an jener Siilf. In !'icht«-t. Dann wandten Juda und -eine I ent" -in: ztini Debet«' und flehten. «lall die > »n n t ,rf:dl«'ii"ii bi-gangene "linde gänzlich ver- . I.« I, - i:; möchte. Juda at>ei ermahnte «lie W« -ich nir di r Sünde zu hüten. Durch eine ' ui i dinig nt« I den Leiiti'n «'rliielt > I dtllKMl Izt-ohm« i. «lie er n,nh Ji rn-alem -andte. um für die Sünde ein Opfer darzubringeu. Kr wollte hiermit auf die Auferstehung hinweisen. denn nach seiner Auffassung mußten die Gefallenen auferstehen, sonst hätte es keinen Zweck gehabt, für die Toten zu beten. Durch die Sühne für die Toten sollten sie von ihrer Schuld erlöst werden. Ans diesem Bericht heben sich drei Bestandteile der .Seelenfeier heraus, die sich bis heute er­halten haben: Gebet für das Seelenheil der Toten, frommé Spenden für ihre S+nden und Anrede an die versammelte Menge..
Die Seiten der jüdischen Geschichte füllen zahllose Namen der Märtyrer, die im Kampfe für Gott und seinen Glauben in den folgenden Jahrhunderten gefallen, und auch ihrer wurde in gottesdienstlicher Andacht gedacht. Hieraus entstand die Sitte, dass auch derjenigen im Gottesdienst gedacht wurde, die dem Betenden im Leben nahe gestanden. Urkunden aus dem 9. Jahrhundert berichten schon von einer Seelenfeier. Im Torath Kohanim, dem älteren halachischen Midrasch zum 3. Buch Moses, finden wir die Stelle: 'In dem Satze der heiligen Schrift: Sühne dein Volk Israel, das du erlöst hast, o Ewiger!“ ..Sühne dein Volk Israel“, damit sind die Leben­den gemeint, und ..da- du erlöst hast“ die loten. Daran- i-t zu entnehmen, «lall die Lebenden die loten erlö-en können. Darum gedenken wir der Toten am Versöhnungstage und geloben Spenden für ihr Seelenheil. Fromme K nt schlösse und fromme Spenden, «lie in der Stunde der Seelen­feier gelobt werden, sollen den segenbringenden Einfluß der Verstorbenen auf ihre Kinder herbei­führen. indem sie dieselben über «las Grab hin­an- /u frommen Werken und guten laten \er- a nlas-en."              

   
Zum Tod von Jakob Schwarz (1934)         

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 1. Dezember 1934:          

      
      
Weitere Dokumente 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries) 

Brief der Gebrüder Feigenheimer
 aus Mühringen nach Tuttlingen (1865)
 
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Es handelt sich um ein Schreiben der Gebr. Feigenheimer vom 1. Oktober 1865 an das Schultheißenamt Tuttlingen mit der Bitte der Erteilung eines Zahlungsbefehls betreff ausstehender Zahlungen.
Der Bitte wurde entsprochen am 7. Oktober 1865 (doppelt verwendeter Brief). 

     
     

      
        

        

        

        

        

 

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Stand: 31. Januar 2026